Einen in Bedrängnis geratenen Freund lässt man nicht im Stich. Man muss nicht einmal das sprichwörtliche britische Fairplay bemühen, um zu verstehen, warum eine Wende im Irak-Kurs Londons unter dem neuen Premier Gordon Brown zumindest kurzfristig nicht stattfinden wird.

Wer eine solche Wende gar vom ersten Treffen Browns mit US-Präsident George W. Bush erwartete, verkennt erstens den Charakter des britisch-amerikanischen Verhältnisses und zweitens jenen des Nachfolgers von Tony Blair. Denn in der Prinzipientreue (Beispiel: Kampf gegen den Terrorismus) unterscheidet sich Brown nicht von seinem Vorgänger. Und dass er trotz Meinungsunterschieden loyal sein kann, hat er in den langen Jahren im Schatten Blairs bewiesen.

Blair liebte und liebt die öffentliche Pose. Und so war es vermutlich in erster Linie die Beflissenheit, mit der er Washingtons Irak-Feldzug zu seinem eigenen machte, die ihm den Beinamen „Bushs Pudel“ und den Widerwillen vieler Briten einbrachte – und nicht einmal die Bündnistreue selbst.

Der trockene Schotte Brown liebt das Rampenlicht nicht annähernd so wie Blair. Doch er versteht es, auf subtile Art Zeichen zu setzen. In der Rede nach seinem Amtsantritt bezeichnete er es als erste Regierungsaufgabe, das Vertrauen der Briten wiederzugewinnen (und räumte damit ein, dass er als langjähriger „zweiter Mann“ am Vertrauensverlust mitbeteiligt war). Auch jetzt, beim Treffen mit Bush in Camp David, gelang ihm der Spagat: Verbal ließ er keinen Zweifel an Londons Bündnistreue aufkommen; aber gleichzeitig signalisierte er – im Kontrast zu Blairs schulterklopfender Jovialität – mit einer förmlichen Höflichkeit, dass hier ein selbstbewusster Partner dem großen Bruder auf Augenhöhe begegnet.

Den britischen Irakkriegsgegnern war dies sicher zu wenig. Aber wie in der Innen- und der Europapolitik ist es auch hier noch zu früh für ein Urteil über Browns wahre Absichten. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.8.2007)