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Eine Mutter versorgt ihre sechsjährige Tochter, die im April 2007 bei Kämpfen in Mogadishu verletzt wurde. Im Juli wurden im Zuge der Kämpfe und durch Landminen mindestens 20 Kinder getötet.

Foto: AP Photo/Abdi Farah

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Ein Flüchtlingskind mit seinem kleineren Bruder: Hunderttausende flüchteten vor dem Konflikt.

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Wien/Genf - Mindestens 20 Kinder starben im letzten Monat durch den Konflikt in der somalischen Hauptstadt Mogadischu, berichtete das UN-Kinderhilfswerk am Freitag; Hundertausende, darunter auch viele Kinder, mussten fliehen.

Die UNICEF rief nun alle Konfliktparteien dazu auf, die Sicherheit von Zivilisten, vor allem von Kindern, zu gewährleisten. Kinder seien die direkten Opfer des stockenden Friedensprozesses des Landes. Als am 19. Juli eine nationale Konferenz unter Beschuss kam, verfehlten die Angreifer ihr Ziel und töteten fünf Kinder, die in der Nähe spielten, berichtet UNICEF. "Das willkürliche Töten von Kindern macht jegliche Friedensbemühungen zum Gespött", sagte Christian Balslev-Olesen, Büroleiter von UNICEF Somalia. "Viele Kinder hier können nicht einfach draußen spielen oder zur Moschee gehen ohne der permanenten Bedrohung, getötet zu werden."

Unfälle mit Minen

Hinzu kommen gefährliche Unfälle mit nicht explodierten Sprengkörpern und Landminen. Im vergangenen Monat wurden fünf Kinder getötet, weil eines, laut UNICEF, auf dem Weg zur Moschee einen nicht explodierten Sprengkörper berührt habe. Unfälle mit Minen häufen sich, vor allem Kinder wären betroffen. Landminen seien traurige Tatsache in Kriegs- und Nachkriegsgebieten, erklärte Balslev-Olesen. "Das letzte Monat war eine grauenvolle Mahnung, dass diese Bedrohung heute in Mogadischu stets präsent ist", so der Büroleiter. Öffentliche Informationskampagne seien nötig, um Familien über diese Gefahren aufzuklären.

Alarmierende Nahrungsmittelknappheit

Die angespannte Lage beeinträchtige auch die lebenswichtige Arbeit von humanitären Organisationen. Besonders wichtig seien für Kinder nun Grundnahrungsmittel und Vitamine, denn viele Krankheitsfälle in den Spitälern von Mogadischu deuten auf alarmierende Nahrungsmittelknappheit hin, heißt es laut UNICEF. Rasche Hilfe sei unabdingbar, da auch die Dürre und Überschwemmungen der vergangenen Jahre die Kinder geschwächt hätten.

In den vergangenen Monaten brachte das UN-Kinderhilfswerk Medikamente gegen Cholera und Malaria ins Land, um damit Krankenhäuser auszustatten. Zudem wurden Zugänge zu chlorbehandeltem Wasser geschaffen und der Bau von Brunnen unterstützt, so UNICEF. In 27 Ernährungszentren werden die Kleinsten und Schwächsten mit therapeutischer Nahrung behandelt, mit 30 Euro könne so ein unterernährtes Kind vor dem Hungertod gerettet werden, heißt es in der Aussendung weiter.

Massenflucht beschleunigt

Das Flüchtlingshochkommissariat erklärte am Freitag, dass sich die Massenflucht aus Mogadischu seit dem Vormonat beschleunigt hätte: Die Menschen hätten keine Lebensmittel, die Mütter fänden keine Nahrung mehr für ihre Kinder, erklärte UNHCR-Sprecher Ron Redmond am Freitag in Genf. Auch Personen, die nach den schweren Kämpfen im Februar nach Mogadischu zurückgekehrt seien, haben die Hauptstadt wieder verlassen.

Die Kämpfe im April und Mai zwischen äthiopischen Interventionstruppen und Islamisten hatten ein Fünftel der zwei Millionen Einwohner der Hauptstadt des ostafrikanischen Bürgerkriegslandes zur Flucht gezwungen. Rund 125.000 von ihnen kehrten nach UNHCR-Angaben zurück. Hilfsorganisationen haben zu einer sofortigen internationalen Mobilisierung aufgerufen, um die schwere humanitäre Katastrophe aufzuhalten.

Nationale Versöhnungskonferenz gescheitert

Eine "Nationale Versöhnungskonferenz" ohne Teilnahme der islamistischen Kräfte hatte sich bisher als Fehlschlag erwiesen. Das Treffen von rund 1300 Clan- und Stammesvertretern und religiösen Würdenträgern galt als letzte Chance für die schwache Übergangsregierung des Präsidenten Abdullahi Yusuf Ahmed, dem nach 16-jährigem Bürgerkrieg vollständig zerrütteten Land am Horn von Afrika etwas Stabilität zu bringen und ihre eigene Position zu stärken. Islamistische Kämpfer, die weiterhin fast täglich Anschläge verüben, hatten gedroht, Teilnehmer zu töten. Der militante Flügel der Islamisten, die im vergangenen Jahr weite Teile Südsomalias und Mogadischu sechs Monate unter ihrer Kontrolle hatten, bezeichnete die Konferenz als "Verschwörung gegen das somalische Volk".

Die USA hatten die Einbeziehung "gemäßigter" Teile der Islamisten, die in der Bevölkerung starken Rückhalt haben, in die somalische Regierung befürwortet. Die Milizen des so genannten Rates der Islamischen Gerichte hatten Mogadischu beim Herannahen der äthiopischen Panzer im Dezember aufgegeben. In der Hauptstadt war es zu heftigen antiäthiopischen Demonstrationen und zu zahlreichen Anschlägen gekommen.

Islamisten versus Warlords

Die Islamisten, die Waffenhilfe aus Saudi-Arabien, Jemen und Eritrea erhalten, hatten Mogadischu und große Teile Somalias ein halbes Jahr lang beherrscht und durch Anwendung der Scharia für etwas Ordnung gesorgt, nachdem es ihnen gelungen war, die von den USA unterstützte Warlord-"Allianz für die Wiederherstellung des Friedens und gegen Terrorismus" zu schlagen, deren Führer jetzt in der Übergangsregierung sitzen. Die Warlords hatten nach dem Sturz des Diktators General Mohammed Siad Barre 1991 Chaos und Anarchie in dem ostafrikanischen Land verbreitet. (red/APA)