Beim Hopfen-Seminar in Leutschach.

foto: conrad seidl
Paul Pausinger ist sogar aus der Hallertau angereist. Der Besitzer der Schlossbrauerei Herrngiersdorf könnte rund um seine Brauerei wahrlich genug Hopfen finden – aber in seiner bayerischen Heimat ist der Tourismus rund um das „grüne Gold der Brauer“ noch „entwicklungsfähig“, wie er augenzwinkernd sagt. Und schließlich ist Pausinger nicht nur Bierbrauer, sondern auch Tourismusfunktionär – da könnte er sich vielleicht das eine oder andere von dem abschauen, was die südsteirische Gemeinde Leutschach zu bieten hat. Vom 3. bis 12. August läuft hier das Programm „Weinbauer trifft Bierbrauer“, an dem Pausinger freilich nur als Gast teilnimmt. Denn der Bierbrauer, der hier gemeint ist, ist die BrauUnion, die hier versucht, mit Bezug auf ihre regionalen Wurzeln das Image des kalten und anonymen ausländischen Großkonzerns abzustreifen.

In Leutschach haben Bauern in den frühen fünfziger Jahren nach Einkommensalternativen gesucht – und sich darauf besonnen, dass es in ihrer Region bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts Hopfenanbau gegeben hat. Der hatte sich aber dann ins damalige Jugoslawien zurückgezogen – die in Slowenien dominierende Sorte ist noch heute der „Styrian Goldings“, eine Fortzüchtung der nach 1870 in Cilli ausgesetzten Hopfenfechser der in Kent gezüchteten Sorte Fuggles, die irrtümlich nach der damals bekannteren englischen Sorte Goldings benannt wurde. In Leutschach fanden sich rund 100 Bauern, die sich Wissen und Hopfenfechser in Bayern beschafften und für die Grazer Reininghaus-Brauerei Vertragshopfen anbauten. Zu recht großzügigen Bedingungen: Die Vorverträge sicherten auf Jahre hinaus die Preise, die vor 50 Jahren durchaus höher lagen als der heutige Weltmarktpreis.

Andererseits, so erzählt der Führer auf den kurzen Hopfenwanderungen (nächste Termine: 8. und 11. August um 13 Uhr in der Tourismusinformation Rebenland in Leutschach) haben die Bauern damals noch den einen oder anderen Unterschleif versucht – etwa, indem sie ein paar Steine in die Säcke mit dem getrockneten Rohhopfen geschmuggelt haben.

Aber das ist heute ausgeschlossen: Bei den heute verbliebenen 14 Hopfenbauern in Leutschach gibt es regelmäßige Kontrollen – denn Braumeister Andreas Werner, der aus dem Hopfen unter anderem das Reininghaus Jahrgangspils braut, muss sich auf die Qualität verlassen können. Und er zeigt diese Qualität gerne her. Die Hopfenbauern laden auch zu den benachbarten Weinbauern – und umgekehrt. Diese Woche stellen sich Bier und Wein einem freundschaftlichen Wettstreit. Höhepunkt ist eine „Lange Nacht des Bieres“ am 11. August und ein Event „Jahrgangspils trifft Sauvignon Blanc“ am 12. August. (Conrad Seidl)