Bild nicht mehr verfügbar.

Postbus einst und jetzt

Foto: APA/Postbus
Wien - Der Österreichische Postbus hat am Montag im Tiroler Galtür seinen hundertsten Geburtstag gefeiert. In seinem Jubiläumsjahr peilt das Unternehmen einen neuen Fahrgastrekord an. Im dritten Jahr nach der Fusion mit dem Bahnbus rechne der Postbus heuer mit einem Passagierzuwachs von zwei bis drei Prozent auf knapp über 240 Millionen Fahrgäste, sagte Geschäftsführer Andreas Fuchs am Montag im Gespräch mit der APA. Sein Bus-Netz will das Unternehmen in den nächsten Jahren noch weiter ausdehnen. Dort, wo Bedarf besteht, wird der Postbus seinen Fahrplan außerdem auf einen regelmäßigen Takt verdichten.

Derzeit fahren die Postbusse 137 Millionen Kilometer im Jahr. Gespräche über neue Verkehrskonzepte gebe es mit allen Bundesländern. In sämtlichen Salzburger Gauen wird es Taktverkehre geben, in Tirol sollen die Abstände von einer auf eine halbe Stunde verkürzt werden und auch im Burgenland, in Niederösterreich, der Steiermark und in Kärnten liefen aktuell Verhandlungen. Umgesetzt werden sollen die neue Fahrpläne dann großteils im Gleichklang mit den ÖBB 2009/2012. Neue Busse sind bereits in Anschaffung - vor der Fußball-Europameisterschaft 2007 und 2008 kommen 500 neue dazu. Ziel ist die Senkung des Durchschnittsalters der Busflotte von 6,2 auf 5 Jahre, erklärte Fuchs.

Erste Fahrstrecke in Südtirol

Der älteste Postbus hat am 6. August 1907 seinen Fahrbetrieb aufgenommen. Initiator war der damalige Generaldirektor für Post- und Telegraphenangelegenheiten, Friedrich Ritter Wagner von Jauregg. Die erste Fahrstrecke lag im heutigen Trentino in Südtirol zwischen den Orten Neumarkt und Predazzo. Der Bus fasste 17 Fahrgäste und hatte eine Höchstgeschwindigkeit von 22 km/h. Noch im selben Jahr kam die Verbindung Linz-Eferding dazu. Fünf Jahre später gab es 17 Ganzjahres- und acht Sommerlinien mit 150 Bussen. Am Beginn der 30er Jahre standen bereits mehr als 600 Busse im Dienst, die selbst während des Zweiten Weltkriegs ihren Betrieb aufrecht hielten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen mit 1. Oktober 1948 als Postautodienst neu organisiert und als solcher bis in die 80er-Jahre schrittweise ausgebaut. Von 1988 bis 1997 trat der Postbus zusammen mit dem Bahnbus unter der Bezeichnung Bundesbus auf. Tatsächlich blieben die beiden Busbetriebe aber völlig unabhängig. 1996 wurde auch der Bundesbus wieder aufgelöst. 2001 gab die Post die Österreichischen Postbus AG zu 100 Prozent an die Staatsholding ÖIAG ab, die das Unternehmen 2003 an die ÖBB weiterverkaufte - das einschneidenste Ereignis in der jüngeren Postbus-Geschichte. Das Unternehmen ist seither der mit Abstand größte Busbetreiber Österreichs.

Zahl der Mitarbeiter sinkt

Aufgrund eines Beschlusses im Ministerrats musste das Unternehmen - begleitet von mehreren Streiks der protestierenden Belegschaft - bis zu einem Drittel an Private abgeben. Mit 2005 waren Teilverkauf und ÖBB-Postbus-Fusion endgültig abgeschlossen. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich seit dem Zusammenschluss durch Teilverkauf und Restrukturierung von damals 4.400 auf heute rund 3.800 reduziert. Im Lenkerdienst hat das Unternehmen damit die Zielgrößen weitgehend erreicht und will nur noch sukzessive alte durch junge Lenker ersetzen. Bei den Werkstätten soll noch weiter gespart werden, so Fuchs. An der Zusammenführung der Jahrzehnte lang gewachsenen Firmenkulturen und -strukturen arbeitet das Management noch. (APA)