Die weltweite Anziehungskraft Chinas ist so groß, dass sich erstmals in der Geschichte die operativen Kosten für Bau und Betrieb der Olympia-Stätten decken lassen. Peking kann der Spiele wegen lange geplante Projekte vorziehen. Über die Kosten wird nicht diskutiert.

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Just jene Stadt, die jedes Frühjahr von Sandstürmen heimgesucht wird, musste tausende Tonnen Sand herankarren lassen. Der Sand hatte olympischen Normen zu entsprechen. Schließlich haben internationale TV-Stationen für die Rechte an den Spielen in Peking rund 1,7 Milliarden US-Dollar bezahlt. Idealen Sand bot Skandinavien an, zum Preis von 30 Millionen Yuan (drei Millionen Euro). China ließ 18.000 Kilometer seiner Strände absuchen, bis es auf Hainan fündig wurde. So wurden die Kosten auf zehn Millionen Yuan gedrückt.

Beachvolleyball ist nur ein Beispiel für den immensen Olympia-Aufwand, den Chinas Hauptstadt betreibt. Eine Debatte darüber, was die Spiele unter dem Strich ökonomisch, infrastrukturell, ökologisch oder politisch einbringen, wird in Peking nicht geführt.

Olympia ist eine nationale Aufgabe, der Staat mobilisiert alle Ressourcen und Hunderttausende Freiwillige. Die weltweite Anziehungskraft Chinas ist dabei so groß, dass sich zum ersten Mal bei Olympia die operativen Kosten für den Bau und Betrieb von Olympia-Stätten (rund zwei Milliarden Euro) aus Zahlungen der mehr als 60 Partner, Sponsoren und Ausrüster decken lassen.

Bei der Eröffnung am 8. August rechnet Peking mit einer Milliarde Zusehern in China und weltweit rund vier Milliarden. Einer der Großverdiener ist Chinas Nationalsender CCTV. Er konnte seine TV-Werbeeinnahmen nur für die Primetime-Werbung von 580 Millionen Euro (2006) auf 680 Millionen Euro steigern.

Die Kosten der 31 Stadien und des Olympischen Dorfes in Peking sind nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen stehen Rekordinvestitionen in die Infrastruktur. Olympia liefert Peking den Vorwand, lange geplante Projekte vorzuziehen: Ausbau des Nahverkehrs, Umweltsanierung, Auslagerung von Schwerindustrien wie Pekings Stahlwerk und der Chemiefabriken. Laut Beijing Business Today werden Urbanisierung, Internationalisierung, Modernisierung und Pekings Wandel zur Dienstleistungsstadt beschleunigt und wird der Umweltschutz in der von drei Millionen Pkws und vom Bauboom verpesteten Stadt forciert.

Mit mehr als 1,8 Millionen neu geschaffenen Arbeitsplätzen von 2004 bis 2008 wird gerechnet – fast alle im Dienstleistungsbereich. Peking bezifferte seine Olympia-bezogenen Investitionen 2002 bis 2006 jüngst auf 283 Milliarden Yuan (28,3 Milliarden Euro). Jin Yuanpu, Direktor am Olympia-Forschungszentrum der Volksuniversität, rechnet aber nur mit einem zusätzlichen Wirtschaftswachstum von 0,8 bis einem Prozent. "Auch ohne Spiele hätte sich Peking schnell entwickelt. Jetzt geht es nur noch rascher." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 07.08.2007)