Woher die Gerüchte von einer bevorstehenden Ausrufung des Ausnahmezustands in Pakistan kamen, wird sich im Moment nicht klären lassen - nicht auszuschließen, dass der Präsidentengeneral Pervez Musharraf selbst einen Versuchsballon steigen ließ, um zu sehen, was passiert, sollte er daran denken, die Parlamentswahlen und seine Entscheidung, ob er weiter gleichzeitig Armeechef und Staatspräsident bleiben kann, zu verschieben. Auch das Problem, wie er mit den beiden Ex-Premiers Nawaz Sharif und Benazir Bhutto umgehen soll, die seine Schwäche zur Rückkehr in Pakistans politische Szene nützen wollen, wäre dann erst einmal vom Tisch.

Seit der Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad ist die Sicherheitslage jedoch tatsächlich noch viel schlechter als zuvor; Pakistan wird von einer Serie von islamistischen Racheakten gegen die Sicherheitskräfte erschüttert. Aber es ist mehr als fraglich, ob die Situation ausgerechnet durch das Außerkraftsetzen der ohnehin dauerstrapazierten Verfassung stabilisiert werden könnte. Musharraf dürfte damit jene Lager wieder verlieren, die zuletzt - angesichts der islamistischen Gefahr - wieder näher an ihn herangerückt sind, obwohl sie ihn kritisieren.

Durch das Notstandsgerücht bekam auch Musharrafs Fernbleiben von der afghanisch-pakistanischen Anti-Taliban-Jirga, die er ja gemeinsam mit Afghanistans Präsident Hamid Karsai initiiert hatte, eine dramatische Note. Das laute US-Nachdenken darüber, ob die USA die Taliban nicht auch auf pakistanischem Boden militärisch angreifen sollten, hat der Jirga bestimmt nicht gut getan. Nicht nur Musharraf, auch wichtige pakistanische Stämme fehlen.

Die USA werfen Musharraf zu Recht vor, dass seine Nichtintervention in Nordwaziristan Al-Kaida einen "safe haven" verschafft hat. Aber es gibt auch keine Anzeichen, dass seine neue Politik, die der totalen Konfrontation, wirklich funktioniert. In Washington heißt es immer öfter: Musharraf funktioniert nicht. (Gudrun Harrer /DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2007)