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Computerworld führte nun ein Interview mit Linux-Urvater Linus Torvalds. In dem Gespräch ging es um den Ursprung von Linux, die Relevanz von Open Source und das Verhältnis zu Microsoft.

"Ich habe drei Kinder und ich weiß ich kann für ihre Bildung bezahlen. Was brauche ich mehr?"

Zu Beginn war es Computerworld ein Anliegen zu erfahren, was denn die eigentlichen Absichten von Linux waren. Linus Torvalds stellte dabei klar, dass keinerlei finanziellen Absichten dahinter gesteckt hätten. Auch wäre ihm der Ruhm beziehungsweise Bekanntheitsgrad egal gewesen, denn er habe nie damit gerechnet, dass Linux zu solch einem Erfolg würde. Es sei ein persönliches Projekt gewesen zu dem Torvalds ganz einfach nur Feedback erhalten wollte. Das Ausmerzen von Fehlern und stetige Programmieren hätten ihm Spaß bereitet und würde das nach wie vor. Daher sei er stolz, dass man nach 16 Jahren Entwicklung soweit gekommen sei, auch wenn mittlerweile zahlreiche unterschiedliche Distributoren die Entwicklung schier im Alleingang vorantreiben. Auf die Frage hin, ob er nicht das Gefühl habe die Chance seines Lebens verpasst zu haben, ein eigenes proprietäres Linux zu entwickeln, antwortete Torvalds entschlossen: Nein, wirklich. Zu aller erst bin ich eigentlich gut dran. "Ich lebe in einem großen Haus, mit einem netten Garten und einem Reh das gelegentlich vorbeischaut und die Rosen isst. Ich habe drei Kinder und ich weiß ich kann für ihre Bildung bezahlen. Was brauche ich mehr?"

"Ich habe nichts zu verlieren"

Unbesorgt zeigte sich der Linux-Erschaffer auch in Hinsicht auf intellektuelles Eigentum. Er erklärte zwar, dass er anfangs etwas besorgt darum gewesen sei, dass die GPLv2 ignoriert würden, doch im Endeffekt hätte er nichts zu verlieren gehabt. Firmen hätten allerdings auch kein Interesse für etwas gezeigt, das ganz unscheinbar und kostenlos im Internet verfügbar war. Außerdem brächte es den Firmen nichts weil sie stets rechtliche Konsequenzen zu befürchten hätten.

Vorteile von Linux: Geld spielt eine Nebenrolle

Als man im Interview auf die Vorteile von Linux zu sprechen kam hieß es, dass es nicht etwa das Geld sei sondern die Flexibilität. Tausende Anwender hätten ihre Anliegen und Probleme geschildert und ein äußerst geringer Prozentsatz an Entwicklern habe sich damit beschäftigt um die Software immer weiter zu verbessern. Linus Torvalds empfände normale Anwender und Entwickler als fast gleich wichtig, denn ohne die zahlreichen User würden viele Fehler verborgen bleiben.

Microsoft technisch hinterher

Auf Microsoft war der Finne hingegen nicht so gut zu sprechen: "Ich persönliche denke, dass es lediglich ein weiterer Schuss im "FUD"(Angst, Unsicherheit und Zweifel)-Krieg ist. Microsoft fällt es zur Zeit schwer auf technischer Ebene zu konkurrieren und daher probieren sie das nun mit Preissenkungen auszugleichen. Aber das funktioniert offensichtlich auch nicht, nicht gegen Open Source. Also werden sie weiterhin Softwarepakete zusammen schnüren und vom Marktinhalt leben, aber sie möchten den Inhalt mit "FUD" füllen." Weiter sagte er, dass er die Vorgänge zwischen Open Source und Microsoft nicht als Krieg sehe und selbst einige Zeit Microsoft-Produkte genutzt habe. Aber es sei einfach nicht "sein Ding": "Microsoft ist einfach uninteressant für mich."

GPLv2 am wichtigsten

Letztendlich kam Computerworld auch noch auf die neue GPLv3 zu sprechen beziehungsweise befragte Torvalds dazu. Für ihn sei die GPLv2 nach wie vor die wichtigere der beiden Lizenzen, aber es gäbe über 50 unterschiedlichen und jetzt müsse das nutzen was für ihn persönlich "passt". (red)