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Stillleben mit Kasnudelarrangement und Paulus Manker: Der Mime hatte im ORF-"Extrazimmer" erklärt, die Kärtner seien "deppert" und allesamt "Kretins".

Foto: APA, Montage: Beigelbeck
Ganz Unterösterreich zu grauenhaften Kretins verstümmelt! Dem wilden Zorn des grimmigen Manker zum Opfer erkoren liegt ganz Unterösterreich vernichtet darnieder. Ganz Unterösterreich? Nicht ganz. Ein blutjunges BZÖ-Wunderkind aus Bad Kleinkirchheim, eine Art Jean d'Arc der Nockberge lässt sich die bestialische Ehrabschneidung seiner Heimat nicht länger bieten und schreitet entschlossen zur Tat, das heißt zum Gendarmerieposten, zu Presse und Regierung.

Süße 16 Jahre jung, und weiß im Interview schon alles über Ehrenbeleidigungsstrafausmaße! Ich wäre in dem Alter noch lieber Mädchenschwarm als Jurist gewesen. Aber gut, man kann nicht alles haben. Gäbe das etwa keinen Aufschrei im gesamten Bundesgebiet, bezeichnete man Paulus Manker, den Grandsigneur der Österreichischen Ethnologie, seine subtile Diagnose und komplexe Analyse des Kärntner Wesens missverstehend, ganz einfach als aufgeblasenen, nicht satisfaktionsfähigen Knallkopf, als Leidernichtvolkstheaterdirektor und Leidernurmaulhelden mit leider nur Outlet-Maulheldentaten, als Genie ohne Geniestreich?

Aber wir sind Unterösterreicher ja nicht so primitiv und subsouverän. Denn einen Szeneradaubruder wegen eines unerheblichen Extrazimmerradauchens zu klagen (und ihm damit wieder Öffentlichkeit zu verschaffen) wäre ungefähr so notwendig, als würde man Quasimodo die Teilnahme an den Mister-World-Wahlen verbieten.

Aber wer weiß, vielleicht ist der geheime Sinnhintergrund der, dass das BZÖ-Wunderkind, wenn es einst 17, 18 Jahre alt geworden ist, endlich Landesparteisekretär oder vielleicht besser Landesparteiobmann sein will. Früh übt sich, wer schnell etwas werden will, um später einmal als Prokurist beim unterösterreichischen Parteifußballclub zu gipfeln.

Dann hagelt es Partygirls, Sunset-Longdrinks, Zaster ohne Ende, und während die stolzen Mitschülerinnen aus der HAK Spittal ihrem Pater patriae junior zu Füßen liegen, kauert Manker zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt depressiv, zernichtet, suizidal in seinem elenden Wiener Kellerlloch, liest bitterlich weinend seinen Karl Kraus und stolpert über die Stelle, wo es heißt: "Man muss nicht unbedingt von Kretins sprechen, wenn man es mit Trotteln zu tun hat." - Ich sage ja auch nicht immer Suitcase, wenn ich Koffer meine. (Egyd Gstättner/DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.8.2007)