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Max Roach bei einem Auftritt im Jahr 1978 auf dem Newport Jazz Festival in New York.

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New York - Man muss schon weit in die Jazzgeschichte zurückgehen, um den Stellenwert von Max Roach zu ermessen. Man muss an jene hitzigen Zeiten des Bebop erinnern, als Saxofonist Charlie Parker und Trompeter Dizzy Gillespie begannen, diesen rasanten Stil zu pflegen, der sich harmonisch anspruchsvoll gab, den Tritonus als melodieprägendes Intervall entdeckte und seine nervöse, mitunter auch tragisch durchlebte Ästhetik in Form von virtuosen linearen Improvisationen transportierte.

Max Roach war schon damals dabei, also am Puls der Jazzgeschichte - er war daran mitbeteiligt, die Grundlagen dessen, was man Modern Jazz nennen sollte, zu erschaffen. Doch sollte da noch manches hinzukommen. Roach war auch zugegen, als es zu Aufnahmen von Miles Davis kam, die den Cool Jazz entstehen ließen. Er war Mitinitiator des hitzigen Hard Bop. Und selbst die Entwicklung des freien Spiels hat er später mitvollzogen - durch Kooperation mit Leuten wie Archie Shepp, Anthony Braxton und Cecil Taylor. Das freejazzige Dialogisieren mit fulminanten Kollegen war nur die logische Konsequenz jenes Verständnisses, das Roach in Bezug auf das Schlagzeug hatte.

Bei Roach ging es nicht nur um das disziplinierte Begleiten, um das obligate Versorgen von Solisten mit rhythmischer Energie. Roach emanzipierte das Schlagzeug und wurde zum gleichberechtigten Partner innerhalb der jeweiligen Formation. Bei Roach, 1924 geboren, war schließlich ein umfassendes Musikinteresse da, das sich am Schlagzeug als neue Ausdrucksvielfalt materialisierte und ihn auch zu einem profunden Bandleader machte.

Nur zu logisch: Max Roach komponierte auch Musik für Musicals, Kino- und Fernsehfilme und war eine wichtige Figur in der Bürgerrechtsbewegung, was sich natürlich auch musikalisch niederschlug - etwa in dem Album We insist! Freedom Now Suite.

So kann man Roach als Prototyp des offenen, sich keiner Entwicklung verschließen- den Instrumentalisten sehen. Roach dazu: "Es ist toll, ein guter Instrumentalist zu sein. Aber es ist besser, ein guter Musiker zu sein!" Max Roach, einst auch mit der Sängerin Abbey Lincoln verheiratet, ist am Mittwoch im Alter von 83 Jahren in New York gestorben. Er starb im Schlaf. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD/Printausgabe, 18./19.08.2007)