Nicolas Seiwald dribbelt im Länderspiel gegen Aserbaidschan.
Nicolas Seiwald ist auch im ÖFB-Team (hier im März gegen Aserbaidschan) zur Fixgröße geworden.
APA/EVA MANHART

Trainer Oliver Glasner hat am Mittwoch in Windischgarsten vorbeigeschaut. Er hat sich brav im Resort Dilly angemeldet, schaute sich entspannt das Training der österreichischen Nationalmannschaft an, plauderte mit Ralf Rangnick, begrüßte den ein oder anderen Spieler. Goalie Alexander Schlager war ja beim LASK unter seinen Fittichen, Xaver Schlager in Wolfsburg. Nach der von Nebengeräuschen begleiteten Trennung von Eintracht Frankfurt hat der 48-jährige Glasner "viel Zeit und keinen Plan. Ich lebe in den Tag hinein, spiele Golf oder Tennis." Die Frage, ob er schon mit irgendwelchen prominenten oder halbprominenten Klubs verhandelt, wischte er mit einem Lächeln weg. "Seit meinem 18. Lebensjahr beschäftige ich mich mit Fußball. Eine Pause tut gut, ich lasse die Dinge auf mich zukommen."

Auf Nicolas Seiwald kommt am Samstag in Brüssel zum Beispiel Romelu Lukaku zu, möglicherweise pausenlos. Das EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien rückt näher, das Kribbeln nimmt zu.

Fixgröße

Der 22-jährige Seiwald ist im defensiven Mittelfeld gesetzt, er zählt zu den Lieblingsschülern von Rangnick, hat die Red-Bull-Matura mit Bravour bestanden (wie auch Konrad Laimer oder Xaver Schlager) und immerhin schon zwölf Länderspiele absolviert. Mit Salzburg ist die menschliche Pressing-Maschine nun dreimal hintereinander Meister geworden, das reicht, schreit nach Veränderung, nach dem nächsten Schritt.

Der Transfer zur großen Schwester Leipzig war logisch (Vertrag bis 2028), die Ablösesumme von 20 Millionen Euro stattlich. Seiwald wurde von den Trainern, Sportdirektoren und Kapitänen der österreichischen Bundesligaklubs zum Spieler der Saison gewählt, was wiederum den Belgiern ziemlich egal ist.

Seiwald findet die Auszeichnung "schön. Wichtiger war aber der Meistertitel, ein toller Abschied." Belgien sei eine spielstarke Mannschaft, Lukaku ein bulliger Stürmer. "Sie haben die Favoritenrolle. Aber wir fliegen hin, um etwas mitzunehmen." Wie das gelingen soll? "Aggressives Spiel gegen den Ball, Umschaltmomente nützen, effizient vor dem Tor sein." Sein Vorbild ist übrigens Kevin De Bruyne, der zwar eine andere Position ausübt (offensiver Zehner) und zudem verletzt ausfällt. "Aufgrund seiner Spielintelligenz bewundere ich ihn."

Jugendzimmer

Seiwald wohnt in Kuchl bei den Eltern (Jugendzimmer), in Leipzig hat er dann erstmals eine eigene Bleibe. Auch diese Umstellung wird er schaffen, seine Karriere ist bisher reibungslos verlaufen. Immer steil bergauf. "Ab und zu muss ich mich selbst zwicken." Apropos zwicken. Innenverteidiger Kevin Danso könnte rechtzeitig fit werden, die Adduktoren sind bereits ziemlich entzerrt. Die Tormannfrage sollte spätestens am Donnerstag zumindest intern beantwortet sein. Der STANDARD tippt auf Alexander Schlager. Und Oliver Glasner fliegt am Sonntag nach Mallorca. (Christian Hackl, 14.6.2023)