Das Rennpferd Secretariat beim Kentucky Derby.
Das legendäre Rennpferd Secretariat gewann das legendäre Kentucky Derby 1973, der Streckenrekord gilt bis heute.
AP

Wien – Ein Grazer Derby hatte sich abgezeichnet, doch dann hat der GAK ausgeleert. Und deshalb spielt es kommende Saison in der Fußball-Bundesliga ein Linzer Derby. Rapid gegen Austria, also Wiener Derby, spielt es sowieso. Aktueller ist das 138. Traberderby, das am Sonntag in der Wiener Krieau mit dem Sieg von M Eck Enroe (Christoph Schwarz) endete. Auch nicht übersehen sollte man Vienna Calling am kommenden Wochenende in der Wiener Stadthalle, der größte Roller-Derby-Event, den Österreich je gesehen hat.

Roller Derby, mit großem körperlichem Einsatz betriebenes Wettrennen auf Rollschuhen, stammt aus den USA. Doch wo kommt "Derby" als Bezeichnung eines sportlichen Duells eigentlich her? Da muss man fast 250 Jahre zurück- und nach England blicken. Am 14. Mai 1779 fand in einem Gasthaus etwa 25 Kilometer südwestlich von London in Epsom eine Feier statt.

Seit dem frühen 17. Jahrhundert hatten Gutsherren in der Gegend Rennen mit ihren Pferden veranstaltet. Ab 1730 wurde daraus ein jährlicher Event. John Burgoyne, ein Offizier, errichtete einen Gutshof mit Gästezimmern, genannt The Oaks, nach mächtigen Eichen in der Nähe. Mit seinem Freund Edward Smith Stanley, dem Earl of Derby, lud er in Epsom zu einem Rennen für dreijährige Stuten über eineinhalb Meilen (ca. 2400 Meter), das sie nach dem Gasthof Oaks benannten. Bei der Premiere 1779 besiegte die Stute Bridget elf Rivalinnen. Ihr Besitzer? Lord Derby!

Bunbury? Derby!

Bei der Siegesfeier wurde beschlossen, im Folgejahr ein ähnliches Rennen für dreijährige Hengste zu veranstalten. Sein Name sollte einen der Unterstützer und Sponsoren ehren: Bunbury, Burgoyne oder Derby. Zur Freude des Gastgebers wurde per Münzwurf und Kartenziehen auf Derby entschieden. Am 4. Mai 1780 fand das Rennen über eine Meile (ca. 1600 Meter) statt, der Hengst Diomed aus dem Besitz von Sir Charles Bunbury besiegte acht Gegner. Lord Derby siegte erstmals sieben Jahre später mit dem Hengst Sir Peter Teazle.

Die öffentliche Aufmerksamkeit für diese Pferderennen bis etwa 1830 war eher überschaubar und steigerte sich erst, als bürgerliche Besitzer stärker beteiligt waren und der Pferderennsport auch in anderen Ländern Fuß fasste. In Österreich stieg das Galopperderby erstmals 1868 in der Freudenau, ab 2004 und letztmals 2022 in Ebreichsdorf. Seither ist der Galopprennsport in Österreich inexistent. Das Traberderby in der Krieau findet seit 1884 alljährlich im Mai oder Juni statt. Doch wann auch immer – der Derbytag ist kein Tag wie jeder andere. (Nikolaus Dolenz, 19.6.2023)