Ukrainische Soldaten an der Front im Osten.
Ukrainische Soldaten an der Kriegsfront im Osten.
APA/AFP/ANATOLII STEPANOV

Kiew – Seit Wochen ist sie im Gange, doch die Erfolge der ukrainischen Gegenoffensive zur Vertreibung der russischen Besatzer – acht befreite Dörfer im Süden – sind bisher überschaubar.

Wer mehr erwartet, ist auf Netflix besser aufgehoben, wetterte am Freitag erneut Präsidialberater Mychajlo Podoljak. Kriege liefen nicht so ab wie im Film. "Die Ukraine führt derzeit eine Reihe von Offensivoperationen aus", fügte er hinzu und sprach von Vorbereitungen des Schlachtfelds angesichts der massiv hochgerüsteten Front der Russen. Grund für den langsamen Fortschritt seien auch die zögerlichen Waffenlieferungen des Westens. 

Podoljak ist einer von mehreren hochrangigen Ukrainern, die weiter Geduld einmahnen. Der große Schlag stehe noch aus, es ist "viel zu früh" für ein Urteil, hieß es auch aus dem Verteidigungsministerium. Im Süden kämen die Truppen jedenfalls planmäßig und stetig voran. Im Osten hätten sie Angriffe auf Kupjansk und Lyman zurückgeschlagen und 13 Marschflugkörper, die in Richtung eines Flugplatzes im Landeswesten zielten, abgefangen.

Meloni bei Europa-Forum in Wachau

In der Stadt Cherson, die mit den Folgen des Kachowka-Dammbruchs ringt, wurden indes zwei Mitarbeiter der städtischen Transportfirma durch russischen Beschuss getötet. Auch Russland meldete ein Todesopfer im besetzten Teil Saporischschjas. Dort steht auch jenes gleichnamige AKW, das Beobachtern wegen des Kriegs Sorgen bereitet. Im Ringen um eine Lösung war der Chef der Atomenergiebehörde IAEA, Rafael Grossi, am Freitag im russischen Kaliningrad zu Besuch.

Indes attestierte die EU-Kommission Kiew Reformfortschritte in den Bereichen Justiz und Medien auf seinem Weg zu Beitrittsverhandlungen. Damit die EU-Erweiterung auf dem Westbalkan dabei nicht in Vergessenheit gerät, forderte Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Tschechien, Kroatien und der Slowakei beim Europa-Forum Wachau im Stift Göttweig eine "graduelle und beschleunigte Integration" der Region. Ebenfalls am Wochenende erwartet werden dort Italiens Premierministerin Giorgia Meloni und Bulgariens Präsident Rumen Radew. (fmo, 24.6.2023)