Er wächst wie ein riesengroßes Spinnennetz durch das ganze Haus – meist gut versteckt im Mauerwerk und von einem Stockwerk zum nächsten. Das klingt nach einem Horrorfilm? Nun, der Echte Hausschwamm ist tatsächlich für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer so etwas wie ein Super-GAU.

Wird er nicht bemerkt, wächst der Hausschwamm von Stockwerk zu Stockwerk.
Andreas Tischler / picturedesk.c

Er befällt Bauernhäuser ohne Keller und Bauwerksabdichtung genauso wie Zinshäuser, wo er jahrzehntelang ungestört in Dachstuhl, Holzdecken und Mauerwerk vor sich hin wächst. Das Myzel des Pilzes kann auch einmal zehn Meter lang werden und erinnert an die genannten Spinnweben oder Wurzelwerk.

Entdeckt wird der Befall in der Regel erst, wenn sich ein Fruchtkörper bildet. Dann werden Bausachverständige wie Andreas Perissutti zu Hilfe gerufen: "Mir wächst ein Schwammerl aus dem Fußboden", heißt es dann oft am Telefon.

In Wahrheit ist der Echte Hausschwamm kein nettes Schwammerl aus dem Wald, sondern ein holzzerstörender Pilz, der sich ungehemmt im ganzen Haus ausbreitet – und sich, im Gegensatz zu seinen anderen holzzerstörenden Kollegen, auch durch Mauerwerk und Beton oder längere Trockenphasen nicht einbremsen lässt.

Andreas Perissutti bemerkt seit einigen Monaten eine Häufung der Anfragen zum Hausschwamm. Das feuchte, warme Wetter biete ideale Bedingungen für die Ausbildung der Fruchtkörper. Den Profi selbst erinnern diese aber weniger an Schwammerln als an eine Pizza oder eine Palatschinke.

Die Decke bricht ein

Giftig ist der Hausschwamm nicht – das ist aber auch schon die einzige gute Nachricht. Vor allem, weil sich im feuchten Umfeld auch Schimmel wie zu Hause fühlt, der für die Gesundheit sehr wohl belastend sein kann.

Das größere Problem ist aber: Der Hausschwamm kann Geschoßdecken so lange zerfressen, bis sie einstürzen. Dem Bausachverständigen Remeco Rainer Reichel ist ein solcher Fall in Wien schon untergekommen.

Was die Sorgenfalten von Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern noch einmal vertieft: Es ist schwierig, den Eindringling wieder loszuwerden. "Da hilft kein Schimmelspray", sagt Perissutti. Stattdessen muss Putz abgeschlagen und Mauerwerk freigelegt werden – und zwar mindestens eineinhalb Meter über den Befall hinaus, sagt der Experte. Das Mauerwerk wird dann geflämmt und mit speziellen Mitteln getränkt, die den Pilz abtöten. Wo nötig, werden außerdem chemische Schwammsperren in die Bausubstanz eingebracht, die sich dem Pilz in den Weg stellen. Für diese Arbeiten brauche es Fachleute.

Aber auch die Ursache für die Feuchtigkeit muss gefunden werden. Prädestiniert seien Dachböden, in die es reinregnet, oder undichte Duschen und Badewannen, sagt Reichel.

Hinweis der Nachbarn

Die Kosten für eine Sanierung können bis in den sechsstelligen Bereich gehen, wenn auch die Decken befallen sind und ausgetauscht werden müssen. In manchen Fällen ist der Hausschwamm ein Totalschaden fürs Haus, weil nach Abtragen des befallenen Mauerwerks nicht mehr viel übrig bleibt. Ein Thema ist das laut Perissutti besonders in unbewohnten Häusern, in denen der Pilz jahrelang ungestört wüten konnte.

Im Grunde sei es unmöglich, bei einem alten Haus, das man kauft, auszuschließen, dass es vom Hausschwamm befallen ist. Laut Perissutti könnten Vermorschungen bei Türstöcken oder Holzfußböden ein Hinweis sein. Manchmal kommt der Hinweis auch aus der Nachbarschaft: Bei einem Wiener Zinshaus bemerkte man den Befall laut Reichel erst, als in der Garage des Neubaus nebenan ein Schwammerl aus dem Boden wuchs. (Franziska Zoidl, 4.7.2023)