Nächtelang hat die Gewalt auf Frankreichs Straßen regiert. Als Antwort auf die tödlichen Schüsse eines Polizisten auf den 17-jährigen Nahel M. in Nanterre war es im ganzen Land zu Unruhen gekommen, Geschäfte wurden geplündert, Autos abgefackelt.

Nadia Mahel Frankreich Proteste
Nadia M., die Großmutter des in Nanterre getöteten 17-jährigen Nahel, will Gerechtigkeit für ihren Enkel.
Sky News

Nadia M., die Großmutter des getöteten Jugendlichen, ist verzweifelt, am Boden zerstört; dennoch ruft sie am Sonntag im Sender BFM TV zum Ende der Krawalle auf: "Allen, die dabei sind, Dinge zu zerstören, sage ich: Hört auf! Sie sollen keine Schaufenster einschlagen, keine Schulen zerstören, keine Autobusse. Es sind Mütter, die die Busse nehmen; es sind Mütter, die auf den Straßen unterwegs sind."

Anfangs gefasst, dann merklich verzweifelter bittet Nahels Großmutter, aus Respekt vor ihrem Enkelkind zur Ruhe zu kommen: "Nahel ist tot. Meine Tochter hatte nur dieses eine Kind. Ich habe auch sie verloren, es ist zu Ende, meine Tochter hat kein Leben mehr. Man hat mir meine Tochter und meinen Enkelsohn genommen." Tatsächlich scheinen Nadias Worte Wirkung zu haben: Die Nacht auf Montag verläuft bedeutend ruhiger als jene seit der Nachricht vom gewaltsamen Tod des Jugendlichen.

Zwischen Schule und Job

Nahels Lebenslauf ist in den Pariser Vororten kein Einzelfall: geboren 2006, aufgewachsen bei Mutter Mounia und Großmutter Nadia; den Vater konnte Nahel, der neben der französischen auch noch die algerische Staatsbürgerschaft besaß, nie kennenlernen. Neben der Schule, wo er sich unter anderem für Maschinenbau interessierte, jobbte er auch als Pizzalieferant.

In seinem Viertel, der Cité Pablo-Picasso, sei der Fußball- und Rugby-Fan für seine "Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und seinen Humor" geschätzt worden, berichteten Medien. Im Februar nahm er an Dreharbeiten zu einem Video des Rappers Jul teil. Der Polizei und Justiz war Nahel wegen Verkehrsdelikten und Widerstands gegen die Staatsgewalt bekannt – zu Einträgen ins Strafregister kam es aber nie.

Großmutter Nadia beteuert, weiter Vertrauen in die Justiz und die Polizei zu haben; aber der Täter müsse bestraft werden. Auch Mutter Mounia will nicht die Polizei, sondern nur den mutmaßlichen Schützen Florian M. zur Rechenschaft gezogen wissen.

Unterstützung bekommen die beiden unter anderem von Prominenten wie dem Fußballer Kylian Mbappé, dem Rapper Rohff und dem Schauspieler Omar Sy: Sie wollen sicherstellen, dass die Angelegenheit nicht vorschnell zu den Akten gelegt wird. (Gianluca Wallisch, 3.7.2023)