Albertina Gleis Ralph Kunstgeschichte Geschichte neuer Generaldirektor Museum
Der deutsche Kunsthistoriker Ralph Gleis leitet aktuell die Alte Nationalgalerie in Berlin. 2025 folgt er Klaus Albrecht Schröder als Generaldirektor der Albertina nach.
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Die Fußstapfen, in die er tritt, könnten größer nicht sein: Ralph Gleis, Direktor der Alten Nationalgalerie in Berlin, wird 2025 Klaus Albrecht Schröder als Chef der Wiener Albertina nachfolgen. Und Letzterer hat das Bundesmuseum in 25 Jahren Regentschaft schließlich so stark geprägt, dass man scherzhaft von einer "Albrechtina" sprechen konnte.

Ralph Gleis wird es also nicht ganz leicht haben, das Schröder'sche "Lebenswerk", wie es Staatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) betitelte, weiter zum Strahlen zu bringen.

Video: Der zukünftige Direktor will „mit visionärer Kraft neue Impulse für die Albertina setzen.“
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Der 49-Jährige wurde im deutschen Münster geboren, wo er Kunstgeschichte, Soziologie und Geschichte studierte. Der Bildungsweg führte ihn auch nach Bologna und Köln, wo er mit einer Arbeit zu Anton Romako und dem Historienbild des 19. Jahrhunderts promoviert wurde.

Kunst nicht als von Sozial- und Politikgeschichte isoliertes Fach zu betrachten gehört zu Gleis' Grundüberzeugungen. In all seiner wissenschaftlichen Tätigkeit steht er für eine breitgefächerte kulturhistorische Betrachtungsweise und Fokussierung auf Zusammenhänge.

Erfahrung mit Geschichtsmuseen

Das lässt sich auch an seinem Berufsweg ablesen: Gleis kuratierte zunächst am Deutschen Historischen Museum in Berlin Ausstellungen, etwa zur Kultur der DDR oder zur Gründerzeit. Nach einer Zwischenstation am Haus der Geschichte in Bonn zog es ihn 2009 ans Wien-Museum. Hier kuratierte er bis 2016 Ausstellungen zum Biedermeier, zu Klimt oder zur Weltausstellung. Seit 2017 ist er Direktor der Alten Nationalgalerie in Berlin, die inhaltlich dem Belvedere vergleichbar ist.

Mit seiner Expertise, die am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert (klassische Moderne) liegt, eignet er sich vor allem als Bewahrer der vielen Dauerleihgaben der Albertina. Älteres, wie die berühmte Grafische Sammlung (Dürer), will Gleis aber laut eigenem Bekunden wieder stärker in die Auslage stellen als sein Vorgänger.

Gleis gilt als hochseriös, ihn umgebe "die Aura des Professionellen", wie Andrea Mayer bekundete. Auch seine Erfahrung mit Geschichtsmuseen und Kooperationen wird in einer künftig auf mehr Zusammenarbeit ausgerichteten Museumslandschaft hilfreich sein.

Als Entertainer ist Gleis bisher hingegen nicht aufgefallen. Die "Marke Schröder", von der Mayer sprach, wird wohl so leicht niemand beerben. Schröder will Gleis nun eineinhalb Jahre lang an den Job heranführen. Vielleicht sind auch ein paar Unterrichtseinheiten in Selbstvermarktung dabei. (Stefan Weiss, 5.7.2023)