Ob Generationenkonflikte wirklich so sind, wie Umfragen durch manche Beraterhäuser (die anschließend ihr Geschäft daraus generieren) gerne suggerieren, nämlich bedingungsloses Leisten bei den Älteren, freizeitorientierte Schonhaltung mit aufgeblähtem Selbstbewusstsein bei den Jüngeren, muss angezweifelt werden.

Verkehrstafel mit der Aufschrift
Geht es beim voneinander Lernen nur in eine Richtung?
imago/CHROMORANGE

Einen Punkt gibt es aber offenbar, der bei den Älteren tief eingraviert ist: Lernen ist eine Einbahnstraße. Vielleicht kommt das daher, dass das Bild zu Lernen eine Person ist, die mit dem Rücken zur Klasse steht, zu Memorierendes auf die Tafel kritzelt und alles weiß. Dahinter sitzen die Lernenden und malen ab, lernen auswendig und bestehen die Prüfung, wenn alles genau so wiedergegeben wird. Vielleicht hat sich dieses pädagogische Bild in der Firma fortgesetzt, wo man dann vom Chef alleine, der auch wiederum alles wusste, gelernt hat.

Absichtliche Umkehr im Cross-Mentoring

Unternehmen kämpfen wohl auch noch mit diesem Verständnis von hierarchisch, senioritätsgebundenem Lernen. Sonst wären nicht Programme wie Cross-Mentoring, wo bewusst Junge und Alte zusammengespannt werden, damit von den Jungen gelernt wird, in Mode.

Sprüche wie "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" oder "Die sollen sich das erst einmal verdienen" sind noch nicht ausgestorben. Dazu passt ein eher bedrückender Befund des Softwareanbieters Atlassian, der in Deutschland ein paar Hundert Entscheider und über 200 Büroangestellte zu Führung und Generationen in den Firmen befragen ließ. Ein Ergebnis: Nur 23 Prozent der Boomer-Generation glauben, durch Personen anderer Generationen persönlich zu profitieren.

Damals, damals – und jetzt?

Es wurde nicht gefragt, aber wahrscheinlich sind diese Boomer auch gekränkt, dass die Jungen nicht oder nur beschränkt ewig lange Erfahrungsgeschichten aus einer Welt hören wollen, in der sie noch nicht gelebt haben.

Für die Führung generationendurchmischter Teams ist die Botschaft jedenfalls klar: Setzt die Leute zusammen, und lasst sie alle von sich erzählen, schafft Verständnis, so weit es geht, und schafft dafür auch Formate im Arbeitsleben. Ageismus, nämlich von jung zu alt, gibt's nämlich auch. (Karin Bauer, 16.7.2023)