Das Bild zeigt einen Samsung Odyssey G9 OLED
124 Zentimeter Bildschirmdiagonale: Vor dem Aufstellen des Odyssey G9 OLED sollte man seinen Schreibtisch besser aufräumen.
Samsung

War man bislang "nur" herkömmliche PC-Monitore gewohnt, könnten die Odyssey-Modelle von Samsung auf den ersten Blick ähnlich fremd wirken wie Alien-Technologie: Auf einem ausladenden Standfuß thront ein Display, das optisch jeden PC zu einer Kommandozentrale macht. Die futuristisch anmutende Verkleidung der Rückseite und tut ihr Übriges dazu, dass leichte Sci-Fi-Vibes aufkommen.

Eine Bildschirmdiagonale von mehr als 124 Zentimetern (49 Zoll) entspricht dem gleichzeitigen Anschließen mehrerer Monitore an den PC und beseitigt auch noch die lästigen Ränder dazwischen. Der neue Odyssey G9 OLED will darüber hinaus – wie es der Name schon nahelegt – mit einem OLED-Panel punkten – DER STANDARD hat sich angesehen, wie sich das neue Modell im Alltag schlägt.

Genauer gesagt handelt es sich um ein QD-OLED-Display, das im Odyssey G9 OLED verbaut ist. Dahinter steckt Samsungs eigene Interpretation der OLED-Technologie, die, vereinfacht formuliert, (noch) kräftigere Farben bei größerer Helligkeit verspricht (mehr Details dazu hier). Das ungewöhnliche Seitenverhältnis von 32:9 ergibt eine dementsprechend exotische Auflösung von 5.120 × 1.440 Bildpunkten, die auch Dual WQHD genannt wird. Weitere Besonderheiten des Bildschirms selbst bestehen darin, dass er leicht gekrümmt ist und eine Bildwiederholrate von bis zu 240 Hertz erzielen kann.

Leichter Aufbau, kleine Spielereien

Der verpackte Monitor bringt knapp 19 Kilo auf die Waage und ist überraschend kompakt ausgefallen, bereitete im Vorfeld aber dennoch ein wenig Kopfzerbrechen, was die Installation betrifft. Tatsächlich waren die Sorgen allerdings unbegründet, denn der Aufbau gestaltete sich absolut unkompliziert. Das Verpackungsdesign ist so smart gelöst, dass man den Standfuß nach dem Festziehen zweier Schrauben lediglich in der Rückseite des Monitors einrasten lassen muss. Damit lässt sich der Monitor ganz leicht aus der Schachtel befreien und auf den Tisch stellen. Mit einer Monitor-"Spannweite" von 119 Zentimetern sollte der Tisch ausreichend Platz bieten.

Steht der Monitor einmal an seinem vorgesehenen Platz, lässt sich der Bildschirm in der Höhe verstellen und sein Neigungswinkel verstellen. Steht der Odyssey G9 OLED schon dank seines Eigengewichts von knapp 13 Kilo recht fest auf dem Tisch, sollen auch Gummifüße an der Unterseite des Standfußes ein Verrutschen verhindern. Über eine Pivot-Funktion verfügt der Monitor – irgendwie verständlich – nicht, dass der Monitor allerdings auch keine Swivel-Funktion hat, ist ein wenig schade und hätte für manche Nutzerinnen und Nutzer durchaus sinnvoll sein können.

Das Bild zeigt den Samsung Odyssey G9 OLED
Tizen lässt grüßen: Auch beim Odyssey G9 OLED ist das Betriebssystem von Samsung wieder mit an Bord.
STANDARD/Brandtner

Weniger leicht als die Installation selbst gestaltet sich das Erreichen der Monitoranschlüsse. Der Odyssey G9 OLED verfügt grundsätzlich über ein Displayport 1.4, einen HDMI-2.1-Anschluss, einen Micro-HDMI-2.1-Anschluss sowie drei USB-Anschlüsse. Sie befinden sich alle in der Nähe des Standfußes und sind aufgrund der Breite des Monitors nur umständlich mit Kabeln anzusteuern. Auf der Rückseite des Monitors befindet sich auch ein kleiner Joystick, mit dem sich die Grundfunktionen des Monitors in einem Menü ansteuern lassen.

Grundsätzlich ist der Monitor sehr hochwertig verarbeitet, auch wenn lediglich die Bodenplatte des Standfußes aus Metall und der Rest nur aus Kunststoff in "Metalloptik" gefertigt ist. Die Spaltmaße sind gering, die Displayränder schmal und die ergonomischen Einstellungsmöglichkeiten ausreichend. Über den "futuristischen" Look lässt sich streiten, die schwarz-silberne Anmutung dürfte sich aber gut in die meisten Set-ups integrieren lassen. Beim Test negativ aufgefallen ist an dieser Stelle lediglich, dass ausgerechnet jener Bereich des Monitors sehr heiß werden kann, wo sich der Joystick befindet.

Das Bild zeigt einen Samsung Odyssey G9 OLED
Der Leuchtring auf der Rückseite lässt sich optional an die Bildschirminhalte anpassen. Darunter: Schwer zugängliche Anschlüsse.
Samsung

Auf der Rückseite des Monitors befindet sich zudem ein LED-Ring, der in mehreren Modi betrieben werden kann. Neben der fixen Anzeige einer einzelnen Farbe kann der Ring auf unterschiedliche Art und Weise Farben wechseln. Unter der Bezeichnung "CoreSync" lässt sich auch eine Art Pseudo-Ambilight aktivieren, das die Inhalte am Monitor widerspiegeln und so das Erlebnis vertiefen soll. Tatsächlich am meisten Sinn ergeben dürfte der LED-Ring als subtile Hintergrundbeleuchtung, im Test wurde diese Funktion allerdings deaktiviert.

Anfangs nur mit Fernbedienung und Tizen

Im Lieferumfang des Odyssey G9 OLED enthalten ist auch eine Fernbedienung, die starke Ähnlichkeiten mit jenen Modellen aufweist, wie sie auch bei aktuellen Fernsehern von Samsung vorzufinden sind. Das hat einen guten Grund, schließlich hat der Hersteller auch sein komplettes Tizen-Ökosystem in den Monitor integriert. Alternativ zum PC-Betrieb lässt der Odyssey G9 OLED also Streamingdienste und Cloud-Gaming mit all seinen Stärken und Schwächen zu (mehr dazu siehe hier).

Fernbedienung des Samsung Odyssey G9 OLED
Die größere Modellvariante des Samsung Odyssey G9 OLED enthält auch eine Fernbedienung.
STANDARD/Brandtner

Natürlich ist die Frage berechtigt, wozu man dieses Paket mitkauft, wenn man in erster Linie nur den eigenen PC anhängen möchte. Deshalb wird Samsung im dritten Quartal auch eine kleinere Modellvariante des Odyssey G9 OLED veröffentlichen, die unter der Bezeichnung G93SC ohne Smart-TV-Funktionen, ohne Fernbedienung, aber auch ohne "Neo Quantum Prozessor Pro" in den Handel kommt. Die UVP dafür wird bei 1.599 Euro liegen, das sind immerhin 200 Euro weniger als das getestete Exemplar. Die Preisempfehlung des G95C liegt nämlich bei stattlichen 1.799 Euro, tatsächlich wird der Monitor bei Händlern mittlerweile "schon" ab 1.649 Euro gelistet. So oder so ein stolzer Preis.

Entsprechende Hardware notwendig

Will man die maximale Bildwiederholrate des Monitors ausreizen, setzt das je nach Anwendung entsprechend leistungsstarke PC-Hardware voraus. Dual WQHD hat zwar knapp eine Million weniger Pixel zu stemmen als (natives) 4K, die Anforderungen an die Grafiklösung im PC bleiben aber ähnlich hoch. Zusätzlich bietet neben einer variablen Aktualisierungsrate (VRR, 48-240 Hz) die Unterstützung von AMD FreeSync Premium Pro die Möglichkeit, die Bildwiederholrate des Spiels mit dem Display zu synchronisieren. Samsung verspricht eine Reaktionszeit des Displays von 0,03 Millisekunden, um Bewegungsunschärfe zu minimieren.

Das Bild zeigt den Samsung Odyssey G9 OLED
Um die vollen Stärken des Monitors ausspielen zu können, wird entsprechende PC-Hardware vorausgesetzt.
STANDARD/Brandtner

Für den Test kam der private PC des Autors zum Einsatz, der mit einer RTX-3090-Founders-Edition als Grafiklösung keinerlei Probleme in Kombination mit dem Monitor verursachte. Tatsache ist aber auch, dass selbst modernere Grafikkarten bei gewissen Spielen an ihre Grenzen stoßen und die beworbenen 240 Hz bei der Maximalauflösung des Monitors somit ein Versprechen an die Zukunft bleiben. Für Titel wie "Cyberpunk 2077", "Anno 1800" oder "Returnal", um nur wenige Beispiele zu nennen, bleiben derart hohe Framerates unter diesen Voraussetzungen in weiter Ferne.

Natürlich lassen sich auch aktuelle Konsolen an den Monitor anschließen. Da sie die exotische Maximalauflösung des Monitors jedoch nicht unterstützen, ist eine korrekte Wiedergabe der Inhalte nur möglich, wenn man links und rechts vom zentrierten Bild entsprechend große schwarze Balken in Kauf nimmt.

Gewöhnungsbedürftig, aber mit Charme

War man bislang nur herkömmliche Bildschirmformate gewohnt, ist der Umstieg auf den Odyssey G9 OLED anfangs sicherlich ein wenig gewöhnungsbedürftig. Am schnellsten zu schätzen lernt man im Alltag natürlich das Plus an "Arbeitsfläche", ohne dafür eben mehr als einen Monitor betreiben zu müssen. Die dezente Krümmung des Bildschirms stört dabei überhaupt nicht, lediglich den Wechsel eines einzelnen Fensters auf Vollbild gewöhnt man sich schnell ab, weil eben nur bestimmte Anwendungen die Breite des Monitors auch sinnvoll ausnutzen. Hier ist sicherlich auch ein wenig Experimentierfreudigkeit von Vorteil, um das Beste aus dem neuen Desktop-Feeling rauszuholen. Unterm Strich machte der Odyssey G9 OLED eine gute Figur als Arbeitsmonitor.

Das Bild zeigt den Samsung Odyssey G9 OLED
Auch im normalen Desktopbetrieb kann Samsungs neuer Monitor seine Stärken ausspielen.
STANDARD/Brandtner

Der wirkliche Star der Show beim Odyssey G9 OLED ist das einzigartige Spielerlebnis, das sich durch die erweiterte Perspektive auftut. Sofern das Bild nicht verzerrt ist und die Auflösung unterstützt wird, sieht man Spiele buchstäblich mit anderen Augen, weil das veränderte Sichtfeld je nach Titel wirklich einen gewaltigen Unterschied ausmachen kann. In der Echtzeitstrategie "Anno 1800" bekommt man deutlich mehr von seiner Stadt mit und kann im Idealfall auch schneller auf bestimmte Ereignisse reagieren. Im Action-Rollenspiel "Cyberpunk 2077" bekommt man Dinge auf den Straßen von Night City mit, die einem sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit entgangen wären. Und im Klassiker "DiRT Rally 2.0" mit einem Lancia Delta Integrale am Anschlag über die staubigen Pisten Australiens zu brettern ist mit vergrößertem Sichtfeld einfach ein ganz anderes Feeling als auf einem normalen Monitor.

Diese visuelle Intensität liegt nicht nur an der Perspektive selbst, dank des neuen Panels trägt die verbesserte Bildqualität auch ihren Teil zum Erlebnis bei. Die Klarheit des Bildes mag zwar "nur" 1440p sein, mit entsprechenden Farbeinstellungen und dem berühmten OLED-Kontrast wertet das dieses Format deutlich auf und hebt den Monitor somit auch von seinen Vorgängern ab.

Das Bild zeigt den Samsung Odyssey G9 OLED
Der Odyssey G9 OLED bietet deutlich mehr Überblick in "Anno 1800".
STANDARD/Brandtner

Es gab aber auch zwei Bereiche, bei denen Samsungs neuester Ufo-Monitor keine ganz so gute Figur machen konnte: Zum einen wirkt die Wiedergabe von HDR-Inhalten relativ dunkel, und gerade bei Filmen oder Serien kann der Monitor die Stärken seines ungewöhnlichen Formats am allerwenigsten ausspielen. Zählt diese Art von Inhalten zur bevorzugten Wiedergabe, sollte man sich besser nach anderen Alternativen umsehen.

Noch weniger überzeugen konnten die zwei Fünf-Watt-Lautsprecher, die im Monitor verbaut sind. Es gibt zwar zahlreiche Modi im Menü, die eine Klangverbesserung versprechen, sie vermögen aber zu wenig zu verändern: Das Resultat bleibt dünn, blechern und legt dringend die Verwendung einer externen Soundlösung nahe. Bei einem so hochpreisigen Gerät hätte eigentlich ein besserer Klang drin sein müssen – zumal Samsung ja auch bei seinen Fernsehern unter Beweis gestellt hat, dass das prinzipiell möglich ist.

Kompromisse inklusive

Ähnlich wie bei den Konsolen dürfte man auch beim PC manchmal Kompromisse eingehen müssen, die zunächst auf das 32:9-Format des Monitors zurückzuführen sind. Manche Inhalte unterstützen das Format nämlich einfach nicht, weshalb man sich mich einer 21:9- oder einer 16:9-Darstellung inklusive schwarzer Balken an der Seite zufriedengeben muss. Ein abgeschnittenes oder verzerrtes Bild kann als Alternative nicht infrage kommen. Prominentestes Beispiel in diesem Zusammenhang war das Action-Rollenspiel "Diablo IV": Zwar erkannte die Software die Maximalauflösung des Monitors, zeigte das Spiel allerdings "nur" in einem 21:9-Format mit Balken an den Seiten an. Ist man einmal in das Geschehen vertieft, fällt das zwar nicht auf, in solchen Situationen verliert der Monitor aber zumindest einen Teil des erhofften Mehrwerts.

Das Bild zeigt den Samsung Odyssey G9 OLED
"Diablo IV" gibt es auf dem Odyssey G9 OLED derzeit nur mit schwarzen Balken an der Seite.
STANDARD/Brandtner

Nicht zuletzt soll auch auf zwei Display-Eigenheiten verwiesen werden, die aufgrund des begrenzten Testzeitraums nicht nachvollziehbar sind, aber im Laufe des Produktlebens durchaus auftreten können. Gerade im PC-Bereich, wo oft statische Bildschirmelemente vorkommen, ist darauf hinzuweisen, dass die Panels unter Einbrenneffekten leiden könnten. Dieses Risiko wurde in den letzten Jahren durch entsprechende Schutzvorkehrungen (zum Beispiel mit „Pixelshift“) zunehmend minimiert, ist aber nach wie vor nicht zur Gänze auszuschließen.

Ein weiterer Nachteil könnte durch das Fertigungsverfahren der QD-OLED-Panels im Besonderen auftreten: Da die Subpixel innerhalb eines Pixels anders angeordnet sind als bei herkömmlichen OLED-Panels, kann es in bestimmten Situationen zu grünen und rötlichen Farbsäumen an kontrastreichen Kanten kommen. Was bei Fernsehern mit dieser Technologie eher eine untergeordnete Rolle spielt, könnte bei Monitoren leichter auftreten, weil die Distanz zum Monitor in der Regel deutlich geringer ist.

Fazit

Der Odyssey G9 OLED ist aufgrund seines neuen Panels eine deutliche Aufwertung der Odyssey-Serie. Kräftige Farben und der OLED-typische Kontrast verleihen wiedergegebenen Inhalten eine Strahlkraft, die der Serie in dieser Deutlichkeit bislang verwehrt blieb und die besonders Spielerinnen und Spielern ein breites Lächeln auf die Lippen zaubern dürfte. Aber auch im Arbeitsmodus kann das ultrabreite Display erwartungsgemäß seine Vorzüge ausspielen und es weiß zu überzeugen.

Abgesehen davon, dass dieses Bildschirmmonster auf der anderen Seite sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte und beachtlich viel Platz auf dem Schreibtisch einnimmt, sollte man auch bedenken, dass ultrabreit in diesem Fall für ultrateuer steht. Somit wird der Odyssey G9 OLED in erster Linie einer kleinen Gruppe Ultrabreitbild-Liebhabern vorbehalten bleiben, die die entsprechende PC-Hardware besitzen, um den Monitor angemessen zu befeuern, und gelegentlich zu Kompromissen bereit sind. Denn das setzt das exotische Format noch immer voraus. (Benjamin Brandtner, 6.7.2023)