Der Type R basiert auf dem Großserien-Civic – ein Prinzip, das man vom Golf GTI seit 1976 kennt.
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Mein Gott, Schalter! Hier wird noch gearbeitet, und das nicht nebenbei, sondern hochkonzentriert. Was verbindet diese Fahrzeuge, unter anderem? Sowohl der Honda als auch der Toyota sind ausschließlich als Handschalter erhältlich, und das ist gut so. Zurückgelehnter Komfort ist hier nicht angebracht, hier wird gefahren! Da krachen die Gänge rein, da wird hochgedreht und runtergebremst, hier wird reingelenkt und rausbeschleunigt. Was verbindet die Autos noch? Der pure Spaß und ein unverschämtes Bekenntnis dazu. Da wird nichts verstellt oder nur so getan: ordentlich PS, ein Fahrwerk, das auf Präzision ausgelegt ist und im Zweifelsfall auf die Lenkerin, den Lenker hört. Was verbindet die Autos noch? Die pure Unvernunft. Und darüber kann man streiten: Schrammen die an der Peinlichkeit vorbei? Weit, gar nicht, oder sind sie schon mittendrin?

Ein Stückchen Spaß

Es ist jedenfalls ein mutiges Signal der Hersteller, solche Fahrzeuge, die keine Spur vernünftig sind, in die Modellpalette einzureihen. Es geht hier ausschließlich um den möglichst großen Fahrspaß, den man gewinnen kann, wobei man fahren können sollte.

Solche Autos – Verbrennermotoren und Handschaltung – wird es bald gar nicht mehr geben. Ich höre viele von Ihnen seufzen: Endlich! Aber noch ist dieses Stückchen Spaß erlaubt. Freilich, auch in Zukunft wird es flotte Autos geben, auch im Elektroauto ist Spaß nicht verboten, aber so analog und unmittelbar, so feuchte Handflächen erzeugend wie diese zwei kompakten Autos wird kein Auto der Zukunft mehr sein. Muss man nicht bedauern, das sei hier bloß festgehalten.

Signalfarbe Rot im Honda und die noch knackigere 6-Gang-Schaltung.
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Manifestation der Unbändigkeit

Also: Honda Civic Type R. Klein, handlich, brachial. 329 PS aus einem Zweiliter-Turbo, das ist für dieses Gerät schon jenseitig. Und selbst im Wissen um diese enorme Kraft ist man immer wieder überrascht über den explosionsartigen Vortrieb, über diese Manifestation der Unbändigkeit. Sobald man ein bisschen am Gas zupft und in den richtigen Drehzahlbereich kommt, geht’s zur Sache. Dann braucht es beide Hände auf dem Lenkrad, zwischendurch schnell schalten. Als Fahrerin oder Fahrer ist man schon gefordert, sich nicht ungebührlich anderen Verkehrsteilnehmern aufzuzwängen. Und kühlen Kopf zu bewahren. Die Papierwerte: 5,4 Sekunden auf Tempo 100 und 275 km/h Spitze.

Der Honda Type R schaut jedenfalls weniger krass und peinlich aus, als das bei Vorgängermodellen schon der Fall war, die noch schärfer geschnitten waren und deutlicher nach außen darstellten, was drinsteckt. Der aktuelle Flügel am Heck ist jetzt auch kein Understatement, aber als sportliches Tool noch argumentierbar. Und natürlich: Die Kenner bleiben stehen oder winken, Daumen hoch, Fotos machen, coole Karre. Und ja, sie sind ausschließlich männlich, und keiner, der mir so als vermeintlichem Besitzer des Wagens symbolisch auf die Schulter geklopft hat, war älter als 30. Ich bin da schon ein Haucherl drüber und warte lieber, bis niemand zuschaut, ehe ich mich aus dem Wagen rauswutzel.

Ein völlig eigenständiges Fahrzeug hingegen ist der Toyota GR86, Nachfolger des GT86.
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Rätselhafte Zielgruppe

Jetzt wutzel ich mich in das andere Auto rein: Toyota GR86. Der Vergleich mit dem Honda ist ein wenig unfair, weil es doch verschiedene Konzepte sind, die sich auch im Preis niederschlagen: Der Honda Type R kostet 60.000 Euro, also das ist schon richtig viel. Da fragt man sich ein bisschen, wer die Zielgruppe sein könnte.

Der Toyota GR86 kostet 20.000 weniger. Also ungefähr 42.000. Dafür bekommt man ein sehr sportliches und lustiges Coupé. Der GR86 ist kleiner, leichter, weniger – und deutlich moderater motorisiert: 234 PS versus 329 PS im Honda. Ein offensichtlicher Unterschied: Im Toyota lässt sich die Kraft besser dosieren, da ist man irgendwie lässiger und cooler unterwegs, nicht so angestrengt, man ist lustiger und weniger aggressiv. Der allergrößte Unterschied aber: Hinterradantrieb.

Durchgestylte Heckschleuder

Eine echte Heckschleuder. Das verspricht viel Freude. Zum einen sind die Vorderräder frei von der Wucht des Antriebs, zum anderen lässt sich der Hintern locker in der Kurve rausstrecken, links und rechts.

Auch drinnen schaut es nicht so angestrengt und durchgestylt wie im Honda aus, das Auto hat ein Innenleben, ja doch, alles da, alles unauffällig. Dass der Blinker nicht einrastet: aha. Das Auto ist auf das Wesentliche konzentriert, hinten ist so gut wie kein Platz, also zumindest nicht ernsthaft zum Mitfahren, der Honda hat hinten immerhin noch Türen. Aber ja, der Toyota hat auch einen Kofferraum, man kann verreisen. Allerdings: Es ist sehr heimelig, um nicht zu sagen: eng. Den Beifahrer, die Beifahrerin sollte man kennen, man arbeitet auf Tuchfühlung.

Auch innen ist der GR86 ganz auf sportlichen Fahrbetrieb ausgelegt.
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Die Schaltung ist ruppig. Angenehm ruppig. Beim Honda knacken die Gänge dagegen rein. Sympathisch: Beide sind keine Krawallstoppeln, deren Auspuffanlagen auf akustischen Effekt ausgelegt sind. Und ja, bei höherer Drehzahl wächst die Geräuschkulisse im Wagen mit.

Auf der Rennstrecke hätte der Toyota gegen den Honda keine Chance, auf der Straße ist der Toyota einfach das lustigere Auto, leichter zu handeln, ein bisschen schlampiger, weniger arg – und Sieger der Herzen und der Hintern. (Michael Völker)

Zweite Meinung

Die Gemeinsamkeiten lauten: japanische Herkunft, knackige 6-Gang-Schaltung, hohe sportliche Ambitionen. Ansonsten ist der Zugang doch recht verschieden. Honda setzt auf Frontantrieb (und "entschärft" diesen per Diff), Toyota auf Gewaltentrennung – vorne lenken, hinten antreiben. Der Civic Type R macht optisch weiter auf wilder Hund, der GR86 gibt sich dezenter. Ferner wählt Honda motorisch den Turbo-, Toyota den Sauger-Weg, und von der Bauart hätten wir hier vier Zylinder in Reihe, da in Boxerbauweise, Kooperationspartner Suba ru lässt grüßen. Was sonst noch?

Die Maschine im Type R legte noch mal ein bisserl zu, statt der 320 PS beim Vorgänger holen die jetzt 329 aus der 2,0-Liter-Maschine, beim GR86 gibt das 2,4-Liter-Aggregat 234 PS_ab, beim GT86 waren es 200. Und damit das trotz des Leistungsunterschieds und der grundverschiedenen Philosophie klar ist: Das sind zwar reine Minderheitsprogramme, aber echte Könner, echte Sportgeräte, beide werden ihre Liebhaber finden und glücklich machen. Ich persönlich? Täte zum Toyota greifen – der Honda läuft mir zu sehr jeder Rille nach und wäre mir zu, nun ja: auffällig. Beim GT86 taugt mir einfach das gesamte, pur auf Fahrmaschine getrimmte Konzept. Bespaßung nach alter Schule. (Andreas Stockinger, 6.7.2023)