Wo verhandelt wird, da wird meistens auch gepokert. In der Diplomatie ist das nicht anders. Klar also, dass die beteiligten Parteien ihre Karten in der Regel nicht offen auf den Tisch legen. Zumindest nicht alle.

Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdoğan.
Blockiert den Nato-Beitritt Schwedens: der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan.
APA/AFP/ADEM ALTAN

Der Poker um den Nato-Beitritt Schwedens ist inzwischen aber von so vielen Interessen geleitet, dass der Blick aufs Wesentliche verstellt wird. Zwei Spieler, die Türkei und Ungarn, zeigen dem Streben Stockholms nach Mitgliedschaft in der westlichen Verteidigungsallianz bisher die kalte Schulter.

Die Gemengelage der Motive ist kompliziert. Budapest beklagt, Schweden sorge sich allzu laut um die Rechtsstaatlichkeit in Ungarn. Die Türkei wiederum wirft Schweden vor, ein Zufluchtsort für Mitglieder der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zu sein. Auch dass die schwedische Polizei kürzlich eine Koranverbrennung mit Verweis auf die Meinungsfreiheit genehmigt hat, empört Ankara.

Gemessen wird aber mit zweierlei Maß. Als die Türkei im Februar mit den USA über den Ankauf von F-16-Kampfjets verhandelte, warnte der damalige türkische Außenminister davor, das Geschäft an die Nato-Norderweiterung zu knüpfen. Das seien "zwei verschiedene Dinge", hieß es in Ankara.

Angesichts des russischen Kriegs gegen die Ukraine wäre es auch für die Türkei und Ungarn an der Zeit, die "verschiedenen Dinge" zu entwirren – anstatt das Sicherheitsbedürfnis Schwedens einem egoistischen Machtpoker zu opfern. (Gerald Schubert, 6.7.2023)