Andreas Babler
Bewegt sich an einer heiklen Grenze: SPÖ-Chef Andreas Babler.
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Andreas Babler ist auf Tour durch Österreich, von Sommergrillfest zu Sommergrillfest. Aus Gmunden twittert er: "Der ASKÖ (roter Sportverein, Anm.) ermöglicht die Nutzung des Traunsees auch unseren Leuten, die nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurden."

Da ist er wieder, der Ausdruck "unsere Leute". Babler meint damit die Einkommensschwächeren, Abgehängten, die zu kurz kommen (tatsächlich ist die Versiegelung der österreichischen Seeufer für den öffentlichen Zugang ein größerer Skandal). Und jene, die nichts geerbt haben ("goldener Löffel").

Das funktioniert als Identitätsbildung. Allerdings mit einem Feindbild: Leuten, denen es aus verschiedenen Gründen besser geht. Unverdientermaßen, aber implizit auch verdientermaßen.

Da bewegt sich Babler an einer heiklen Grenze. Er muss, damit die SPÖ wieder groß wird, die kleinen Leute zurückholen – jene, die aus Frust gar nicht mehr wählen, und auch manche von denen, die FPÖ wählen.

Aber groß, richtig groß ist die SPÖ erst geworden, als sie in die Aufsteigerschichten hineinwirkte. Die Arbeiterklasse ist kleiner geworden, viele Arbeitnehmer gehören inzwischen zur Mittelschicht. Kreisky und Vranitzky sprachen sogar die liberale, obere Mittelschicht an – und holten sich von dort Personal, um Institutionen zu besetzen.

"Unsere Leute" hat etwas Ausschließendes, und das darf man nicht übertreiben. (Hans Rauscher, 10.7.2023)