Dieter Schweizer, Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, bringt in seinem Gastkommentar eine andere Variante für das Haus der Geschichte in Wien ins Spiel.

Das vor fünf Jahren provisorisch in der Neuen Burg in der Wiener Innenstadt untergebrachte Haus der Geschichte Österreich (HdGÖ) braucht längerfristig mindestens das Vierfache der aktuell verfügbaren Fläche. In der Neuen Burg wäre diese Expansion nur zulasten anderer Nutzer des Hauses möglich.

Bereits während der konzeptionellen Vorbereitungsphase gab es daher Überlegungen, gewisse Teile des historischen Heldenplatzes in die musealen Aktivitäten des HdGÖ miteinzubeziehen, möglicherweise zu integrieren. Mit Bezugnahme auf die besondere symbolische Bedeutung des Ortes entstand in der Folge die Idee des Museumsneubaus am Heldenplatz, die seither jedoch Gegenstand von Kontroversen ist. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, warum das ebenso geschichtsträchtige Areal vor dem Justizpalast nicht auch als möglicher HdGÖ-Standort in Betracht gezogen wurde.

Heldenplatz Museum Wien Haus der Geschichte
Das Haus der Geschichte braucht Platz. Die Frage ist nur: Wo? Viele halten den Wiener Heldenplatz für den einzig richtigen Ort. Es gäbe aber auch Alternativen.
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Realistischer als der Neubau am Heldenplatz ist der kürzlich proponierte Transfer des HdGÖ in einen Dachgeschoßausbau im Hof 2 des Museumsquartiers, wo die dringend benötigten zusätzlichen Flächen zur Verfügung stehen würden. Auf den zweiten Blick erweist sich der Vorschlag aus mehreren Gründen jedoch als ungeeignet. Das Haus der Geschichte braucht ein zweckmäßiges eigenes Haus, das über eine museumsspezifische technische und bauliche Infrastruktur verfügt. Das Ziel ist ein Neubau, welcher baukünstlerisch dem Leitbild des Hauses Ausdruck verleiht und damit auch ein wichtiges Element seiner Corporate Identity sein wird.

Für den Neubau benötigt man ein Baugrundstück. Dieses ist nicht fiktional, sondern realiter vorhanden, und zwar in geeigneter Lage im sechsten Bezirk. Es ist dies die Parzelle am Platz der Menschenrechte Ecke Museumsplatz / Mariahilfer Straße, auf der sich der Zugang zur U-Bahn-Station Museumsquartier befindet. Eine bessere Adresse gibt es nicht.

Infolge dieser bevorzugten Lage wird sich das HdGÖ nicht nur in nächster Nachbarschaft zu den wichtigsten Museen befinden, sondern auch mitten im pulsierenden Wirtschaftsleben der Stadt.

Frage der Finanzierung

Bereits vor gut zwanzig Jahren gab es von den Architekten Ortner & Ortner zu diesem Standort ein Projekt für ein Multimediacenter. Der Zugang zur U-Bahn war damals in das Gebäude integriert. Diese Idee könnte beim Bau des Hauses der Geschichte übernommen werden, und möglicherweise kann das Museum leerstehende Teile der Straßenunterquerung als Speicher nutzen.

Was spricht sonst noch für den Museumsbau am neuen Standort? Das HdGÖ wird dort in der Erfüllung seines Auftrags freier und unabhängiger sein! Der Standort Heldenplatz wäre sowohl Auszeichnung als auch Verpflichtung gewesen. Die Zugehörigkeit des HdGÖ zum Museumsviertel, seine kooperationsfördernde räumliche Nähe zu den Einrichtungen des Museumsquartiers, zum Kunsthistorischen Museum und zum Naturhistorischen Museum wird dem jungen Haus von Nutzen sein. Städtebaulich wäre das neue Museumsgebäude an der Ecke Museumsplatz / Mariahilfer Straße ein Gewinn für Wien.

Was hier unbeantwortet bleibt, ist die Frage der Finanzierung. Zuversicht ist angezeigt. Ein so wichtiges, konzeptionell schlüssiges und ausgereiftes Kulturprojekt wird die benötigten Mittel erhalten. Es wird einen Ministerratsbeschluss geben. Es wird zu einer Zusammenarbeit von Bund und Wien kommen. Und es werden sich Sponsoren für dieses Projekt interessieren. (Dieter Schweizer, 12.7.2023)