theaterzeit der verlorene sohn freistadt
Karl, Sohn der Unternehmerfamilie Moor, hat sich fern der Familie radikalisiert.
Loucaz Steinherr

Die leergeräumte und mit Jack-the-Ripper-Licht geflutete Messehalle sorgt bei Theaterzeit Freistadt seit einigen Jahren für schaurige Atmosphäre. Das von Ulf Dückelmann und Susanna Bihari geleitete Festival im Mühlviertel setzt dem bumsfidelen Sommertheatergeschehen regelmäßig schwere Stoffe entgegen, in denen sich Familien mit und ohne Blutvergießen stets zerfleischen. Dabei überträgt Regisseur Dückelmann die Dramen von Shakespeare, Goethe, Kafka und Co in neuen Bearbeitungen immer in heutige Kontexte. 2023 heißt das Stück Der verlorene Sohn und basiert auf Schillers Die Räuber.

Motive dieses Sturm-und-Drang-Dramas von 1781, das von Rebellion und dem Kampf um väterliche Liebe handelt, verwebt der Autor zu einer Neufassung, in deren Mittelpunkt die Unternehmerfamilie Moor steht. Diese sieht sich nicht nur mit wirtschaftlich unsicheren Zeiten konfrontiert, sondern auch durch den nach Jahren der Abwesenheit heimkehrenden Sohn herausgefordert, der sich offenbar radikalisiert und gewaltbereite Freunde gewonnen hat. Die Premiere mit Till Bauer in der Titelrolle und Wolfgang Hundegger als Vater wurde krankheitsbedingt auf den 20. Juli verschoben.

Tarek Leitner, Monika Helfer

Zum Rahmenprogramm gehört das Gastspiel Soul oder die seltsamsten Menschen der Welt, eine musikalische Performance, die von vier jungen Menschen aus Kasachstan und ihrem Neustart in Deutschland erzählt (5.8.). Präsentiert werden auch die Siegreichen des Kurzfilmwettbewerbs Puls!Film (26.7.), dessen Jury u. a. Robert Dornhelm, Harald Sicheritz oder Arman T. Riahi angehören. Für Lesungen wiederum reisen Tarek Leitner (Wie mein Vater sein Glück verbrauchte) sowie Monika Helfer und Michael Köhlmeier an (4.8.). (afze)