Eine Hand hält eine Platine mit Mikrochips.
Mikroprozessoren sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, sie stecken in so gut wie allen Anwendungen. Österreich will im europäischen Konzert eine gewichtige Stimme haben.
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Um Abhängigkeiten von asiatischen Lieferländern und amerikanischen Konzernen zu verringern, will die EU künftig stärker auf Chips made in Europa setzen. Mit dem European Chips Act, der nach zwei Jahren Vorarbeit am Dienstag die Hürden im Europäischen Parlament in Straßburg genommen hat, liegt nun der gesetzliche Rahmen zur Stärkung der europäischen Halbleiterindustrie im internationalen Wettbewerb vor. Nun liegt es an jedem Mitgliedsland, sich möglichst schnell entsprechend einzubringen. Am Donnerstag fand dazu ein Gipfel im Bundeskanzleramt statt.

Beim European Chips Act geht es um insgesamt 43 Milliarden Euro, von denen aber nur etwas mehr als drei Milliarden aus dem EU-Haushalt stammen. Die restliche Summe sollen die Mitgliedsstaaten aus ihren nationalen Budgets aufbringen, um eine der Schlüsselindustrien und Generator für künftigen Wohlstand in Europa abzusichern bzw. auszubauen. Es war nicht zuletzt die Pandemie, die in krasser Weise Europa vor Augen geführt hat, wie abhängig der Kontinent gerade bei Halbleitern inzwischen von Lieferanten aus Asien ist. Es gibt kaum ein Gerät, in dem heute nicht zumindest ein Chip, meist aber eine Vielzahl davon stecken. Wegen Störungen in der Lieferkette standen in Europa teilweise Fabriken still. 

Zurück nach Europa

Dem will man vorbeugen, indem möglichst vieles, was für die Herstellung von Mikrochips notwendig ist, wieder auf den alten Kontinent zurückgeholt werden soll. Ziel ist es, den Anteil der in Europa produzierten Chips bis 2030 auf 20 Prozent zu verdoppeln.

Österreich spielt in dem Bereich jetzt schon führend mit. Etwa 280 Betriebe mit rund 72.000 Beschäftigten seien hierzulande im Halbleiterbereich tätig, sagte Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) am Donnerstag zum Ausklang des Chipgipfels. Daran hatten neben Vertretern der Industrie auch Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) teilgenommen. Als Produzent von Chips – Mikrochips, nicht Kartoffelchips – befindet sich Österreich unter den top vier in Europa, in Pro-Kopf-Zahlen bei Wertschöpfung, Arbeitsplätzen und Investitionen in dem Sektor sogar auf Platz eins.

Kanzler Karl Nehammer mit Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, Wirtschaftsminister Martin Kocher und Infineon-Chefin Sabine Herlitschka nach dem Chipgipfel im Bundeskanzleramt.
Der erste Schritt zur Stärkung der heimischen Halbleiterindustrie ist getan, weitere sollen folgen: Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) mit Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) sowie Sabine Herlitschka (links im Bild) nach dem Chipgipfel im Bundeskanzleramt.
APA/GEORG HOCHMUTH

Das "Important Project of Common European Interest" (IPCEI) umfasst ein Gesamtinvestitionsvolumen bis zu 21,8 Milliarden Euro. Die direkten Partner erhalten staatliche Beihilfen in Höhe von bis zu 8,1 Milliarden Euro. Diese allein lösen private Investitionen von insgesamt bis zu 13,7 Milliarden Euro aus, heißt es.

Aus Österreich sind an der Mikroelektronik-Initiative die Unternehmen AT&S, AVL, EEMCO, Infineon Austria und NXP Semiconductors Austria als direkte Partner beteiligt. Sie werden mit öffentlichen Geldern für Hochtechnologieprojekte unterstützt. Assoziierte Partner in Österreich sind die Silicon Austria Labs (SAL).

Bis zu 10.000 neue Jobs

Im Rahmen der Forschungs- und Innovationsförderung können sich Unternehmen um europäisches Geld anstellen, dafür steht ein Topf mit 3,3 Milliarden Euro zur Verfügung. "Die besten Projekte erhalten im freien Wettbewerb den Zuschlag", sagte die Chefin von Infineon Austria, Sabine Herlitschka. Sie ist überzeugt, dass  österreichische Unternehmen wie schon bei vergangenen Initiativen auch jetzt wieder Geld abholen können, um den Standort zu stärken. Auf knapp sieben Milliarden Euro belaufe sich das mögliche Investitionspotenzial der einschlägigen Unternehmen in Österreich bis zum Jahr 2030, sagte Herlitschka. Die Zahl wurde vom Industriewissenschaftlichen Institut erhoben, das bis dorthin auch 10.000 potenziell neue Arbeitsplätze in dem Sektor sieht.

Wie stark die nationalen Förderungen ausfallen, wird Gegenstand weiterer Gespräche und Meetings sein, bei denen auch Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) ein gewichtiges Wort mitzureden haben wird. (Günther Strobl, 13.7.2013)