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In Cleveland ging der Abschied von Logo und Namen nicht ohne Proteste über die Bühne.
USA Today Sports / David Richard

Woher die Dornbirn Indians ihren Namen haben, ist rasch erklärt. Anfang der 1990er-Jahre geht eine junge Dornbirner Partie, die sich dank eines japanischen Musiklehrers schon zu Schulzeiten für Baseball begeistert, ins Kino, wo der berühmte Baseballfilm Die Indianer von Cleveland gegeben wird. Der Rest ist Vorarlberger Sportgeschichte, nach der Gründung eines Baseballvereins liegt auch sein Name auf der Hand.

Die Dornbirn Indians wachsen und werden eine richtig große Nummer im heimischen Baseballsport. Dem ersten Meistertitel (1999) folgt vier Jahre später der zweite, auch auf europäischer Ebene stellen sich Erfolge ein. Beizeiten geht es auch bergab, doch die Indians stehen immer wieder auf, bekommen endlich ein neues eigenes Baseballfeld und feiern 2019 den dritten Titel.

2019 sind beim Namensgeber in Cleveland, Ohio, die Debatten über den Vereinsnamen und das Logo in vollem Gang. Die Cleveland Indians sehen sich wie etliche andere große Sportteams mit Rassismusvorwürfen konfrontiert, weil sie sich mit Symbolen und Bezeichnungen indigener Bevölkerungsgruppen schmücken. Da und dort wird der öffentliche Druck so groß, dass auch ein wirtschaftlicher Druck entsteht, weil große Sponsoren um Ruf und Einnahmen bangen. Also verzichten die Cleveland Indians 2019 auf ihr kontroverses Logo mit dem Konterfei eines Häuptlings ("Chief Wahoo"), und Ende 2020 geben sie bekannt, dass sie sich in Cleveland Guardians umbenennen.

Die Washington Redskins (Rothäute!) haben diesen Schritt noch früher gesetzt, sie firmierten ab 2020 unter Washington Football Team, seit 2022 hören sie auf Commanders. Die Washington Post fuhr schon 2014 eine Kampagne gegen das "R-Wort", nachdem der Stamm der Oneida eine Kampagne zur Namensänderung initiiert und sich sogar US-Präsident Barack Obama dafür eingesetzt hatte. Andere große Teams wie die Atlanta Braves (Baseball), die Kansas City Chiefs (Football) und die Chicago Blackhawks (Eishockey) blieben trotz teils heftiger Diskussionen ihren Namen bis heute treu.

Offene Diskussion

Stefan Intemann ist Präsident und eine Ikone der Dornbirn Indians. Er ist Gründungsmitglied, und die Rückennummer 34, die er als Spieler trug, wird ihm zu Ehren nicht mehr vergeben. Nach der Umbenennung der Cleveland Indians, sagt Intemann, habe man auch in Dornbirn "eine offene Diskussion im größeren Kreis geführt". Doch für eine Namensänderung sei "niemand gewesen".

Die Dornbirn Indians haben etliche Nachwuchsteams, ein Frauen-Softballteam, drei gemischte Slowpitch-Teams (Bears, Redhawks, Legends) und insgesamt ungefähr 250 Mitglieder. Sie verstehen sich als weltoffen. Intemann sagt: "Die Werte und der Spaß am Spiel sind das Wichtigste. Es geht sicher nicht in erster Linie ums Gewinnen."

Baseball ist in Österreich eine klassische Randsportart, die Vereine leben vom Einsatz, Enthusiasmus und Zusammenhalt ihrer Mitglieder. In Dornbirn haben die Indians, als der neue Platz errichtet wurde, nicht weniger als 11.000 Arbeitsstunden selbst beigetragen. Und alle Mitglieder verpflichten sich zudem, Dienste am Verein zu leisten, also beispielsweise dann und wann auch den Kiosk zu schupfen, der für das leibliche Wohl der Spielerinnen, Spieler und Gäste sorgt. "Und davon kann man sich nicht freikaufen", sagt Indians-Präsident Intemann.

Als in Nordamerika über Vereinsnamen diskutiert wurde, horchten auch die Dornbirn Indians auf. Doch richtig verwundert waren sie, als auch bei ihnen Nachrichten – fast ausschließlich aus Deutschland – mit der Aufforderung eintrafen, sie sollten ebenfalls eine Namensänderung ins Auge fassen.

Göteborg in Schweden ist, wenn man so will, eher Team Cleveland als Team Dornbirn. Auch in Göteborg gab es Indians, das Eishockeyteam Frölunda Indians, auf seinem Logo war von 1995 bis 2021 ein Indianerhäuptling zu sehen. Ende 2020 wurde die Umbenennung beschlossen. Der Klubvorsitzende Mats Grauers sagte, dass der Name als kränkend verstanden werden könnte. "Das müssen wir respektieren, das wollen wir auch nicht." Die Reaktionen auf die Namensänderung waren durchaus unterschiedlich. "Nun kann ich mit gutem Gewissen ein Trikot kaufen", bildete die eine Seite ab. "Ihr beugt euch dem linken Mob", die andere.

"Wo soll das alles enden", fragte sich Franzobel, nachdem Washington den Namen Redskins abgelegt hatte. Der Schriftsteller und Footballfan wütete auf Facebook: "Eine Namensänderung der Redskins in zum Beispiel Rasensport Washington macht das erlittene Unrecht nicht wieder gut und wird auch den Alltagsrassismus nicht minimieren. Wichtiger als solche Imagegeschichten der Wirtschaft wären faire Ausbildungs- und Berufschancen, gleiche Bezahlung, ein respektvoller Umgang."

Etliche nordamerikanische Teams haben indigene Bevölkerungsgruppen in ihrer näheren Umgebung kontaktiert und versucht, sie einzubinden. Das hat in manchen Fällen gut funktioniert, etwa in jenem der Spokane Indians (Baseball), die mit dem Rat des Spokane-Stammes seit mehr als 15 Jahren intensiv und regelmäßig kooperieren. So kam etwa ein neues Logo zustande, das Maskottchen wurde adaptiert, und die Spokane Indians schildern vieles neben Englisch auch in Salish aus, der Sprache des Stammes.

Dornbirner Stolz

Dornbirn Indians Logo
Dornbirn Indians Logo
Das Logo der Dornbirn Indians gemahnt sehr an "Chief Wahoo".
Dornbirn Indians

Davon sind die Dornbirn Indians in jeglicher Hinsicht weit entfernt. Im Vorarlberger Publikum werden keine Tomahawks geschwungen, man sieht keinen Federschmuck. Man sieht Baseballjacken und Baseballkappen – freilich auch mit einem grinsenden, sehr roten Indianergesicht, das stark an den in Cleveland so heftig kritisierten "Chief Wahoo" erinnert (siehe Logo oben). "Wir tragen unser Logo und den Namen im Hinblick auf unsere Entstehungsgeschichte mit Stolz", versichert Stefan Intemann, der Vereinspräsident. "Und wir versuchen zu verstehen, wie dadurch eine Verletzung entstehen kann. Aber wir sehen das nicht." (Fritz Neumann, 14.7.2023)