Iranische Flagge
In den vergangenen Monaten ignorierten viele Frauen demonstrativ die Kopftuchpflicht, auch als Zeichen des stillen Protests.
REUTERS/Lisi Niesner

Teheran – Iranische Behörden haben die Rückkehr der berüchtigten Sittenwächter zur Vollstreckung der Kopftuchpflicht angekündigt. Ab Sonntag sollen im ganzen Land Einheiten der zuständigen Moralpolizei mit Patrouillen zu Fuß und im Auto wieder gegen Verstöße vorgehen, berichtete die Nachrichtenagentur ISNA unter Berufung auf einen Sprecher der iranischen Polizei.

Proteste

Nach den massiven Protesten im Herbst 2022 gegen die politische und religiöse Führung des Landes waren die berüchtigten Einheiten von den Straßen der Metropolen verschwunden. Auslöser der Demonstrationen war der Tod der iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini. Die junge Frau starb im Polizeigewahrsam, nachdem sie wegen Verstoßes gegen die islamischen Kleidungsvorschriften festgenommen worden war.

Der iranische Sicherheitsapparat ließ die Proteste brutal niederschlagen. In den vergangenen Monaten ignorierten viele Frauen demonstrativ die Kopftuchpflicht, auch als Zeichen des stillen Protests. Der Staat reagierte unter anderem mit einem umstrittenen Gesetzesentwurf, über den im Parlament in Kürze abgestimmt werden soll. Das Gesetz sieht neue und harte Strafen bei Verstößen vor.

Schauspieler festgenommen

Im Iran ist ein Schauspieler nach Kritik an der gewaltsamen Durchsetzung der Kopftuchpflicht festgenommen worden. Mohamad Sadeghi wurde mit Einsatz der Feuerwehr in seinem Wohnsitz in der Hauptstadt Teheran festgenommen, wie die Nachrichtenagentur Tasnim am Sonntag berichtete.

Auf Twitter verbreitete Videos sollen zeigen, wie Beamte während einer Live-Aufnahme Sadeghis für soziale Medien in die Wohnung des Mannes eindringen. Zuvor hatte der Schauspieler ein Video veröffentlicht, in dem er das gewaltsame Vorgehen des Staates gegen Frauen kritisierte, die sich nicht an die strengen Kleidervorschriften halten. (APA, 16.7.2023)