Ivan Stanić (33): Mit Kind und Kegel von Wien nach Graz

Ivan Stanic
Ivan Stanić zog nach 33 Jahren im Sommer nach Graz.
privat

In Wien geboren und auch hier aufgewachsen, nach 33 Jahren ist Ivan Stanić beruflich nun nach Graz gewechselt – mit Frau und den drei Kindern zwischen zehn und drei Jahren. Seit neun Jahren ist er im Vertrieb tätig, sein Ziel war, in die IT-Branche zu wechseln. Vor einem Jahr dockte der Sales-Manager dann beim steirischen Softwareentwickler Bytepoets an, damals noch für eine Vertriebsposition in Wien. Doch schon beim Bewerbungsgespräch sagte er, dass auch eine Übersiedlung nach Graz für ihn vorstellbar sei. Nach acht Monaten war für ihn klar: Aus dieser Vorstellung wird Realität. Im Juli – nach dem Schulschluss – übersiedelte die Familie in die steirische Hauptstadt. "Die Entscheidung wurde innerhalb einer Woche einstimmig – auch mit den Kindern – gefällt. Meine Frau war bereit, dafür ihren Job in Wien aufzugeben." Mit der Entscheidung sind sie "megaglücklich", sagt er. "Es ist kleiner und ruhiger hier. Zum ersten Mal kann ich in die Arbeit spazieren. Und auch die Kinder sind hier viel freier."

Für seine Eltern und seine drei Schwestern kam diese Entscheidung aber überraschend. "Es war ein großes Drama. Alle leben in Wien, und anfangs konnte keiner verstehen, warum wir nach Graz ziehen wollen, wo uns niemand aus der Familie unterstützen kann." Aber mittlerweile habe sich die Aufregung gelegt.

Katja Almberger (36): Als Archivarien nach Kärnten gewechselt

Katja Almberger bei der Arbeit
Katja Almberger an ihrem neuen Arbeitsplatz, dem Landesarchiv Klagenfurt.
privat

"Wie fast schon üblich bei uns im Ländle bin ich 2005 zum Studieren nach Wien gezogen. Ich habe zuerst Nederlandistik und Geschichte studiert und anschließend Geschichtsforschung, historische Hilfs- und Archivwissenschaften“, erzählt Katja Almberger. 2016 schloss sie das Masterstudium ab. Als Archivarin müsse man flexibel sein, fixe Stellen gibt es nur wenige. "Nach meinem Abschluss 2016 habe ich zuerst Projektarbeiten unter anderem für die Superioren-Konferenz der österreichischen Männerorden und das Bank-Austria-Archiv gemacht." 2017 wurde im Kärntner Landesarchiv eine Fixstelle als Archivarin ausgeschrieben. Ein unbefristeter Vertrag war verlockend. Und da das damals gerade die einzige fixe Stelle war, hat sie sich beworben und ist im September 2017 nach Klagenfurt gezogen. Ihr Ehemann, den sie während des Studiums kennengelernt hat, ist nach seiner Ausbildung zum Sozialpädagogen nachgekommen. "Wir hatten die Vereinbarung, dass wir uns danach richten, wer zuerst von uns beiden einen tollen Job hat, und das war ich."

Das Einleben war nicht schwer, und nach Vorarlberg kommt man von Klagenfurt gleich schnell wie von Wien aus. "Ich würde diesen Schritt jederzeit wieder gehen – für mich passt es hier super. Unverständnis kommt interessanterweise immer von den Kärntnerinnen und Kärntnern selbst.‘‘ Die Lebenshaltungskosten, insbesondere Wohnen, sind im Vergleich zu Wien in Kärnten viel niedriger, und die Nähe zu Italien und zum Meer gehören für sie auch zu den positiven Seiten. „Der Sommer hier ist wirklich schön, auch wenn es schwierig ist, einen freien Seezugang zu finden", sagt sie. Lediglich das Multikulti von Wien fehle ihr hier in Kärnten ab und zu.

Stefan Perner (39): Vom zehnten Bezirk in ein 700-Einwohner-Dorf

Stefan Perner
Stefan Perner lebt nun wieder in seiner alten Heimat in der Nähe von Murau.
privat

Die Corona-Pandemie und die Ankündigung eines zweiten Lockdowns waren für Stefan Perner der Auslöser, nach zwölf Jahren in Wien wieder zurück in sein Heimatdorf St. Peter am Kammersberg im Bezirk Murau zu ziehen. "Die Idee ist relativ spontan entstanden, aber ich wollte auf keinen Fall mehr in Wien eingesperrt sein", sagt er.

Als freiberuflicher IT-Consultant sei die berufliche Komponente bei der Entscheidung im Hintergrund gewesen. "Zu diesem Zeitpunkt fand ohnehin bereits alles ausschließlich remote statt." Außerdem gab es in seinem Heimatort auch das alte, baufällige Bauernhaus der Urgroßeltern. Und so ist auch ein Bauprojekt entstanden. Dank der Hilfe vieler Nachbarn und auch neuer Bekannter sei dieses Projekt mittlerweile sehr weit fortgeschritten.

Familie habe er im Ort keine mehr, aber auch wenn er 20 Jahre weg war, fühlte es sich an, als wäre er nie weggewesen. "Das Dorfleben muss man mögen, jeder kennt jeden. Hier waren auch viele überrascht, als ich zurückgekommen bin", gibt er zu. Man müsse sich aber ins Dorfleben integrieren, sich bei Vereinen engagieren, sonst werde es schwierig. In Wien wohnte er im dichtbebauten zehnten Gemeindebezirk, jetzt in einem 700-Einwohner-Dorf. Die kulinarische Vielfalt und das kulturelle Angebot vermisst er. Dafür ist sein Lebensmittelpunkt dort, wo andere Urlaub machen.

Julia Roitner (30): Für den Traumjob nach Völkermarkt

Julia Roitner
Julia Roitner pendelt zwischen Wien und Völkermarkt.
privat

Die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen, gibt Julia Roit­ner zu. Privat war sie in Wien glücklich, beruflich aber nicht ganz zufrieden. "2021 hab ich ein Angebot für einen sehr spannenden Job im Bereich Kunststoffrecycling bekommen, für den ich auch passend ausgebildet war – allerdings mit Arbeitsstandort Völkermarkt", sagt die Absolventin des Masterstudiengangs Polymer-/Kunststofftechnik an der Montanuni Leoben. Sie hat das Angebot angenommen und sich in Völkermarkt einen Arbeitswohnsitz geschaffen. An den Wochenenden pendelt sie zu ihrem Partner nach Wien, oder man trifft sich irgendwo dazwischen. "Die Kosten fürs Pendeln haben sich seither aber deutlich verändert, und man muss auch viel Zeit investieren. Das ist auf Dauer anstrengend." Die Firma sei ihr aber bei vielem entgegen­gekommen, und im Arbeitsumfeld wurde sie auch sehr nett aufgenommen. Privat sei das schon schwieriger, wenn Unvorhersehbares passiert, fehle das private Back-up. "Die meisten in meinem Umfeld leben mit der Familie hier."

Da sie erst kurz vor der Corona-Pandemie zu ihrem Partner nach Wien gezogen ist, war auch das Wiener Freundesnetzwerk noch nicht sehr groß, erzählt sie. Von Wien vermisst sie das kulturelle und kulinarische Angebot am meisten, und auch die vielen kostenlosen Freizeitangebote, die es in Völkermarkt so nicht gibt. "Am Klopeiner See gibt es keinen freien Seezugang." Dennoch würde sie die Entscheidung wieder treffen. "Mir war bewusst, dass es so einen Job im Großraum Wien nicht gibt." (Gudrun Ostermann, 21.7.2023)