Rhodos – Die Feuerwehren in Griechenland kämpfen am Montag in insgesamt 64 Regionen des Landes gegen die Flammen. Die schlimmsten Brände tobten am Montag auf der Insel Rhodos und auf der Insel Euböa. Auf Korfu sind in der Nacht auf Montag mehr als 2.400 Menschen wegen Waldbränden evakuiert worden. Feuer im Norden der Insel im Ionischen Meer hätten zur "vorsorglichen Evakuierung von 2.466 Personen" geführt, sagte ein Feuerwehrsprecher am Montag. Bisher seien keine Häuser oder Hotels zerstört worden.

Die meisten Touristen verbrachten die Nacht in einem Theater von Korfu-Stadt. Die Gefahr sei nun vorbei, und die Menschen sollten nach und nach zurück in ihre Hotels, berichtete der örtliche staatliche Radiosender am Montag.

Video: "Die Hölle auf Erden": Rhodos-Rückkehrer berichten von ihrer Flucht aus dem Brandgebiet
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Über 60 Feuerwehrleute, zwei Helikopter und zwei Löschflugzeuge sind nach Feuerwehrangaben am Montag auf Korfu im Einsatz. Auch auf der Insel Evia, bei Karystos und auf der Halbinsel Peloponnes nahe der kleinen Hafenstadt Egion wurden am Montag große Brände gemeldet. Auch dort wurden zahlreiche Dörfer evakuiert. Niemand sei bisher verletzt worden, teilte der Rettungsdienst mit. In allen Fällen wurden am Montagmorgen mit dem ersten Tageslicht Löschflugzeuge und Hubschrauber eingesetzt, um die Brände einzudämmen, wie der Zivilschutz mitteilte.

Großbrand auf Rhodos tobt weiter

Auf Rhodos tobte zu Wochenbeginn zum siebenten Tag in Folge ein Großbrand. 30.000 Touristen und Einheimische mussten am Wochenende vor den Flammen flüchten, 19.000 von ihnen wurden mit Bussen und Schiffen in Sicherheit gebracht. Polizeisprecherin Konstantia Dimoglidou sprach von der "größten Brand-Evakuierung", die es in Griechenland je gegeben habe. "Wir mussten ein Gebiet mit 30.000 Menschen evakuieren."

Laut Außenministerium wurden bisher mehr als 100 Österreicherinnen und Österreicher aus den akuten Brandgebieten in Rhodos evakuiert. Montagmittag wusste die Behörden von keinen Landsleuten, die sich direkt im Brandgebiet befinden. Das Team in Rhodos wurde personell bereits verstärkt – die Kolleginnen und Kollegen sind am dortigen Flughafen, um betroffene Österreicherinnen und Österreicher bestmöglich zu unterstützen. Ein weiterer Kollege aus Wien wird das Krisenteam in Rhodos, eine weitere Kollegin das Botschaftsteam in Athen ehestmöglich zusätzlich verstärken, kündigte das Außenministerium an. Betroffene können sich jederzeit an das österreichische Außenministerium (+43 501150-4411) oder die Botschaft in Athen (+30 6944278148) wenden.

Nach Einschätzung der Behörden könnte es noch Tage dauern, bis die Brände unter Kontrolle sind.

Auf Rhodos nahmen ab dem Morgengrauen zwei Helikopter und zwei Löschflugzeuge die Arbeit wieder auf, um die mehr als 260 Feuerwehrleute an Ort und Stelle zu unterstützen. Am Sonntag brannte das Feuer auf Rhodos an drei Fronten. Anhaltende Hitze und starke Winde erschwerten die Löscharbeiten zusätzlich.

Korfu, Waldbrand, Trockenheit in Griechenland
Auf Korfu wurden in der Nacht auf Montag Menschen von der beliebten Ferienortschaft Nisaki evakuiert.
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Ein großer Teil der Mittelmeerinsel war zudem ohne Strom, da der öffentliche Energieversorger PPC aus Sicherheitsgründen das örtliche Kraftwerk im Süden der Insel abschaltete.

AUA im Austausch mit Behörden

Der Reisekonzern Tui will bis Dienstag keine Urlauber mehr auf die Insel bringen. Einige hundert Tui-Gäste aus Österreich wurden am Wochenende auf Rhodos evakuiert. "Wir haben gestern alle telefonisch kontaktiert und erreicht und waren teilweise mehrfach mit ihnen in Kontakt. Die Gäste sind wohlauf und in Sicherheit. Viele wollen auf der Insel bleiben", teilte eine Sprecherin auf APA-Anfrage mit. "Denen, die frühzeitig abreisen wollen, ermöglichen wir dies mit den bestehenden Flugverbindungen. Aktuell sind keine Rückholflüge geplant", so die Pressesprecherin. Gästen, die in den nächsten Tagen nach Rhodos fliegen, wird geraten, kostenlos umzubuchen.

Die AUA wies darauf hin, dass es aktuell keine offizielle Reisewarnung gibt. "Derzeit kann der reguläre Flugbetrieb von und nach Rhodos aufrechterhalten werden. Der nächste Austrian-Airlines-Flug nach beziehungsweise von Rhodos ist für Dienstag, den 25. Juli, geplant", hieß es auf Anfrage der APA. Die Lage werde fortlaufend geprüft, und man sei im stetigen Austausch mit den Behörden.

Augenzeuge: Hotelleitung unterschätzte Situation

Hunderte von Urlaubern drängten sich am Wochenende im Flughafengebäude. Einige schliefen auf ihren Strandtüchern, während sie auf ihre Abflüge von der Insel warteten.

Einer davon ist der Österreicher Andreas Wöss, der seit Samstag am Flughafen festsitzt. Er war am Donnerstag mit seiner und einer befreundeten Familie, darunter vier Kinder, nach Rhodos geflogen. Obwohl die Waldbrände bereits seit vergangenem Dienstag wüten würden, wurden die Urlauber aus dem Mühlviertel vor der Abreise seitens des Reisebüros nicht auf die Situation aufmerksam gemacht. "Zu unserem Übel", sagte Wöss im Ö1-"Morgenjournal".

Feuer in Griechenland, Rhodos
Auch am Montag waren wieder Löschflugzeuge und Hubschrauber im Einsatz.
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Bereits in der ersten Nacht seien erste Rauchschwaden am Himmel zu sehen gewesen. Seitens des Hotels, in dem die Familien untergebracht waren, versicherte man aber, dass es keinen Grund zur Sorge oder gar Panik geben würde, da die Rauchschwaden 50 Kilometer entfern seien. "Am Samstag war es dann schon richtig schlimm", schildert Wöss seine Erlebnisse. Dennoch habe "die Hotelleitung weiterhin darauf bestanden, dass wir absolut sicher sind".

Danach ging alles Schlag auf Schlag. Plötzlich hieß es seitens der Rezeption im Hotel, dass die Gäste dieses sofort verlassen und ihr Gepäck zurücklassen müssen. Panik sei ausgebrochen, der Rauch immer näher gekommen, sagte Wöss. Schließlich sei man zunächst zu Fuß geflüchtet und dann mit einem Bus zum Flughafen gebracht worden. "Nachher haben wir erfahren, dass unser Hotel total abgebrannt ist."

Weitere Touristen angereist

Allerdings reisten am Sonntag mit Charter- und Linienflügen trotz der Brände weitere Touristen an, wie Reporter berichteten. Rund 90 Prozent der Hotels von Rhodos sind nach Aussagen von Vertretern der Kommunalbehörde unversehrt von den Bränden geblieben – die meisten von ihnen angesichts der Hauptsaison jedoch auch ausgebucht.

Touristen in Griechenland, Waldbrände
Zahlreiche Touristen verbrachten die Nacht in Sporthallen.
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Der Brand habe "das Herz von Rhodos und seine Umwelt getroffen", sagte der Naturkatastrophen-Experte Efthymios Lekkas dem Fernsehsender ERT. Er warnte vor schwerwiegenden Auswirkungen auf die Tourismusbranche der Insel. "Ich bin gerade von Lindos nach Gennadi gefahren", sagte er. "Alle großen Hotels haben geschlossen. Ich glaube nicht, dass sie dieses Jahr nochmal öffnen werden, denn die Umgebung ist zerstört und lädt nicht gerade zum Urlauben ein."

Brandgefahr bleibt extrem hoch

Die Brandgefahr bleibt extrem hoch. Dies gilt für die Region des Großraums Athen, der Halbinsel Peloponnes und viele Inseln der Ägäis. So werde es auch in den kommenden Tagen bleiben, warnte am Montag der griechische Zivilschutz.

Erstmals seit fast zwei Wochen kündigten die Meteorologen eine Abkühlung ab Donnerstag an. Die Temperaturen sollen dann erstmals seit fast zwei Wochen von 40 bis 45 Grad auf für die Jahreszeit normale Werte von etwa 35 fallen. Am Sonntag waren im Süden der Halbinsel Peloponnes 46,4 Grad gemessen worden. Das sei die vierthöchste Temperatur, die je in Griechenland gemessen wurde, teilte das meteorologische Amt mit.

Waldbrände Griechenland, Glutherde
Im Südosten von Rhodos wird auch am Montag und Dienstag die Waldbrandgefahr sehr hoch bleiben.
EPA/GIOTA LOTSARI

Vor der Abkühlung werde es am Mittwoch noch einen letzten heißen Tag mit bis zu 46 Grad geben, sagen Wetterexperten. Die Abkühlung wird die Folge von starken Nordwinden sein. Der Zivilschutz warnte abermals: Wegen dieser starken Winde könnten erneut Waldbrände außer Kontrolle geraten.

Tote bei Waldbränden in Algerien

Auch im Norden Algeriens toben derzeit Waldbrände. Dabei sind insgesamt 15 Menschen ums Leben gekommen. 26 Menschen wurden bei den Bränden in der Nacht auf Montag in den Provinzen Bejaïa, Bouira und Jijel verletzt, wie das algerische Innenministerium am Montag mitteilte. Insgesamt verzeichnete das Ministerium 97 Brände in 16 Provinzen.

In Béjaïa, Bouira und Jijel wüten sie demnach am heftigsten. Dort hätten die Flammen inzwischen auch Wohngebiete erreicht, 1.500 Menschen hätten in Sicherheit gebracht werden müssen. (APA, red, 24.7.2023)