Waldbrand auf Rhodos
Als sich der Himmel über dem Hügel feuerrot färbte, sei Panik ausgebrochen, erinnert sich die Wienerin.
IMAGO/Aristidis Vafeiadakis

Ein Traum. "Finden Sie Ihr Sommerglück", hieß es im Werbetext des Fünfsternehotels. "Wir hatten uns schon das ganze Jahr über auf diese Woche Mädelsurlaub auf Rhodos gefreut", sagt die 29 Jahre alte Wienerin, die sich mit ihrer Schwester diese Griechenlandwoche gegönnt hatte.

Der erste Abend samt Abendessen: perfekt. Am Tag darauf war Relaxen am Strand angesagt. Dann stand diese seltsame Wolke hinter dem Hotel. "Das Hotelpersonal meinte: Keine Sorge, alles unter Kontrolle, das Feuer ist weit weg", erinnert sich die Urlauberin im Gespräch mit dem STANDARD.

Video: Flammen auf Rhodos richten schwere Schäden an.
AFP

Schwarze Asche im Pool

Als sich aber am Abend der Himmel über dem Hügel feuerrot färbte, sei Panik ausgebrochen. "Wir wurden aber wieder beruhigt, es gebe kein Problem." Kurz vor Mitternacht pochte jemand an die Tür, die beiden Frauen mussten umgehend hinunter in die Lobby, dann ging es ins Nachbarhotel in den Keller.

"Wir haben auf dem kalten Fliesenboden gewartet und hofften, dass sich das Hotel oder die Reiseleitung um uns kümmern. Aber: Anrufe bei der Reiseleitung wurden weggedrückt", sagt die ältere Schwester. Dann die Evakuierung in eine alte Volksschule. "Wir hatten keine Ahnung, wo wir sind, hatten nur unsere Badetasche, in die wir alles Notwendige verstaut hatten, mit uns. Die Einzigen, die uns wirklich geholfen hatten, waren Einheimische, sie haben uns Getränke gebracht und Matratzen." Dorfbewohner fuhren die Gestrandeten schließlich zurück ins Hotel.

"Die Luft dort war kaum zum Atmen, wir mussten im Zimmer bleiben. Alles, auch der Pool, war mit schwarzer Asche bedeckt. Seit Montag gab es auch kein Leitungswasser mehr. Auch das Personal war weg. "Wir haben 42 Stunden nicht geschlafen, heute gerade mal drei", sagt die Wienerin. "Wir versuchen jetzt, irgendwie einen Flug zu bekommen oder ein Schiff in die Türkei. Ich habe Wien noch nie so vermisst wie in diesen Tagen." (Walter Müller, 24.7.2023)