Tiktok
Tiktok will nicht mehr nur Videoplattform sein, sondern Marktplatz, Whatsapp-Ersatz und vieles mehr.
REUTERS/Mike Blake

Dieser Tage startet Tiktok ein E-Commerce-Business in den USA. Ziel ist es, chinesische Artikel im Westen zu verkaufen, wie das bereits andere Plattformen des Landes wie etwa Shein oder Temu vorgemacht haben.

Gegenwind

Eigentlich ist Tiktok eine Videoplattform des chinesischen Betreibers Bytedance. Nachdem man kürzlich angekündigte, auch Textnachrichten in die App implementieren zu wollen, werden jetzt Pläne konkret, auch ins Online-Shopping einsteigen zu wollen. Um in das Online-Handel-Business zu starten, hat sich Tiktok seinen größten Markt ausgesucht: die USA. Damit tritt man nicht nur in Konkurrenz zum Mitbewerb aus dem eigenen Land, sondern misst sich gleich mit dem heimischen Platzhirsch Amazon.

Ähnlich wie der US-Konzern will man selbst Produkte aufbewahren und verschicken. Das Angebot soll von Kleidung über Elektronik bis hin zu Küchengeräten reichen. Die ausschließlich chinesischen Produkte will man über die Plattform vermarkten und verrechnen sowie diverse zusätzliche Services anbieten.

Eigentlich hatte Tiktok geplant, eine externe Plattform für die USA und genau diesen Zweck aufzubauen. Jedoch scheiterte es an der Skepsis US-amerikanischer Händler, die nicht auf einer chinesischen Plattform vertreten sein wollten. Schon lange wird in den USA auch politisch gegen Tiktok mobil gemacht und das Narrativ bemüht, die App sei ein nationales Sicherheitsrisiko, vor allem aufgrund der zahlreichen Daten, die von der App in Richtung chinesischer Regierung geschickt werden sollen – Anschuldigungen, die Tiktok mehrfach zurückwies.

Trotzdem durchziehen

Tiktok zeigte sich nur kurz irritiert von den Verzögerungen seiner Pläne. Nun baut man einen Marktplatz auf, der eben auf chinesische Waren setzt, aber sehr wohl in den USA angeboten werden kann. Die App soll mehrere Kanäle bieten, wo Kunden Produkte in der Voransicht sehen und dann kaufen können. Auch ein User-Bewertungssystem soll die Plattform bieten, verspricht Tiktok.

Eine offizielle Stellungnahme, wann der Onlinehandel verfügbar sein soll, gibt es nicht. In diversen Medien, wo anonyme Quellen zitiert wurden, sprach man von Anfang August.

Vorbilder

Gründe, einen solchen Online-Store zu öffnen, gibt es viele. Vor allem würde Tiktok damit sein Verkaufs-Ökosystem breiter gestalten und mehrere Marketingkanäle für die App öffnen. Die zwei großen Konkurrenten aus China, Temu und Shein, hatten zuletzt Gewinne in Millionenhöhe zu verzeichnen – ein wachsender Markt, für den sich auch Tiktok interessiert. Mit knapp 1,2 Milliarden monatlichen aktiven Nutzerinnen hat der Service tatsächlich gute Voraussetzungen, vom Start weg ausreichend Kundinnen und Kunden zu erreichen.

Bei Erfolg sollen auch Händler außerhalb von China in den Shop inkludiert werden. Kritiker sehen aktuell noch nicht die ausreichende Expertise bei dem Video-App-Betreiber, der für das neue Business viel in Lagerräume, Versorgungsstrukturen und Kundenbetreuung investieren muss.

Werbung macht Tiktok für die neue Idee via Roadshows, die bereits seit Mai stattfinden. Als Marketingplattform wird dafür unter anderem die Social-Media-App Wechat genutzt. Die chinesische App, mit der man zumindest in China chatten, einkaufen und seine Bankgeschäfte erledigen kann, gehört dem Rivalen Tencent. Auch dieser wird sehr genau beobachten, wie viele Möglichkeiten Tiktok am Ende wirklich anbieten will. (red, 26.7.2023)