Wladimir Putin beim Brics-Gipfel
Wladimir Putin hat per Video am Brics-Gipfel teilgenommen.
IMAGO/Sergei Bobylev

Moskau – Zum Auftakt des dreitägigen Gipfels der BRICS-Staaten hat der Präsident von Gastgeberland Südafrika, Cyril Ramaphosa, die aus seiner Sicht wachsende Rolle der Staatengruppe unterstrichen. Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika seien "starke Motoren des globalen Wachstums", sagte Ramaphosa zum Abschluss des ersten Gipfeltags in Johannesburg. Auf der Agenda des Treffens zwischen den fünf Ländern steht unter anderem eine mögliche Erweiterung der BRICS-Gruppe.

Etwa 40 Staaten - darunter Argentinien, der Iran und Saudi-Arabien - haben bereits Interesse an einer Mitgliedschaft bekundet. "Dies zeigt, dass die Brics-Familie weltweit an Bedeutung, Ansehen und Einfluss gewinnt", sagte Ramaphosa. Die BRICS-Staaten repräsentieren 23 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und 42 Prozent der Weltbevölkerung.

Wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hatte es vor Beginn des Gipfels international viel Wirbel um eine mögliche Anreise des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegeben. Ramaphosa hatte Putin eingeladen, dieser sagte jedoch seine Teilnahme vor dem Hintergrund eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) gegen ihn ab.

Putin per Video

Putin hat die Aufkündigung des Getreideabkommens mit der Ukraine erneut mit scharfer Kritik am Westen und an Kiew gerechtfertigt. Keine der vertraglich festgehaltenen Bedingungen zur Erleichterung des Exports von russischem Getreide und Dünger sei erfüllt worden, klagte der Kreml-Chef am Dienstag bei einer per Video übertragenen Rede auf dem Gipfeltreffen der Brics-Staaten in Südafrika.

"Die Verpflichtungen gegenüber Russland diesbezüglich wurden einfach ignoriert", behauptete er. Moskau werde die Blockade ukrainischer Häfen erst dann wieder aufheben und zum Abkommen zurückkehren, wenn alle russischen Forderungen erfüllt seien, so Putin weiter. Mit Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine vor 18 Monaten hat Russland auch eine Seeblockade gegenüber den Häfen des Nachbarlands verhängt. Da die Ukraine ein wichtiger Getreideexporteur ist, wuchs international die Sorge vor einer Lebensmittelkrise.

Für die weltweit auch durch hohe Lebensmittelpreise gestiegene Inflation machte Putin beim Brics-Gipfel einmal mehr den Westen verantwortlich. Zugleich bot er an, ukrainische Getreidelieferungen auf dem Weltmarkt durch russische Transporte zu ersetzen, "sowohl auf kommerzieller Basis als auch durch unentgeltliche Hilfe an die bedürftigen Länder". In einem ersten Schritt habe Russland beschlossen, sechs afrikanischen Ländern gratis zwischen 25.000 und 50.000 Tonnen Getreide zu liefern, sagte der 70-Jährige. Das Angebot hatte Putin bereits auf einem Russland-Afrika-Gipfel im Juli gemacht. Die Mitglieder der Brics-Gruppe wichtiger Schwellenländer sind Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika.

Kurz erklärt: Brics-Staaten wollen Dominanz des Westens brechen
Ab Dienstag findet in Johannesburg das fünfzehnte Gipfeltreffen der Brics-Staaten statt. Das Bündnis aus den Ländern Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika steht für knapp ein Viertel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und strebt eine neue Weltordnung an
AFP

Im Sommer 2022 beendete das unter Vermittlung der Uno und der Türkei geschlossene Getreideabkommen die Blockade. Mehrfach wurde das ursprünglich für vier Monate geschlossene Abkommen verlängert. Im Juli lehnte Russland allerdings eine weitere Verlängerung ab. (22.8.2023)