Elon Musk will das von ihm angerichtete Verifizierungschaos auf X aufräumen.
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Als X (vormals Twitter) im Vorjahr von Elon Musk übernommen wurde, warf der Milliardär als eine seiner ersten Amtshandlungen das etablierte Verifizierungssystem über den Haufen. Der blaue Haken diente nun nicht mehr zum Nachweis der eigenen Identität, sondern war an die Zahlung von acht Dollar geknüpft.

Jeder konnte sich auf diese Weise "verifizieren" lassen, und natürlich dauerte es nicht lange, bis sich Betrüger als Unternehmen oder Politiker ausgaben. Jetzt scheint der X-Eigentümer aufräumen zu wollen: diesmal nicht mit noch einem Haken, sondern einem Schild.

Wie "Engadget" berichtet, wird bei X aktuell an einem Verifizierungssystem zur "Verhinderung von Imitationen" gearbeitet. Um an dieses neue Hakerl zu kommen, müssen Userinnen und User einen amtlichen Ausweis sowie ein Selfie hochladen.

Dies geht aus einem Screenshot hervor, den der App-Forscher Nima Owji gepostet hat. Owji hat bereits mehrfach unveröffentlichte Funktionen in X entdeckt. Nun fiel ihm ein "ID verified"-Abzeichen im Profil von Elon Musk auf. Später entdeckte er eine noch unveröffentlichte Anleitung, die Nutzerinnen und Nutzer durch den Verifikationsprozess leiten soll. Laut den nun veröffentlichten Bildern soll die gesamte Verifizierung rund fünf Minuten lang dauern.

Daten werden 30 Tage gespeichert

Es scheint, dass X bei dieser Funktion mit dem "Identity Intelligence"-Unternehmen Au10tix zusammenarbeitet. Im Kleingedruckten ist vermerkt, dass die für die Verifizierung freigegebenen Informationen sowohl von Au10tix als auch von X eingesehen werden. X speichert "ID-Bilder, einschließlich biometrischer Daten bis zu 30 Tage lang" und verwendet die Informationen "für Zwecke der Sicherheit, einschließlich der Verhinderung von Nachahmungen".

Verifizierung ohne menschliche Beteiligung

Die Website des Unternehmens wirbt mit einer "Acht-Sekunden-Verifizierung ohne auch nur teilweise menschliche Beteiligung" und einer "weltweit einzigartigen Technologie zur Erkennung synthetischer Betrugsmuster". Das Unternehmen zählt als Referenzen Partner wie Google, Paypal und Uber auf.

Derzeit reicht ein X Premium-Abonnement (vormals Twitter Blue), das lediglich an eine Zahlung geknüpft ist. X selbst führt keine eigenen Identitätsprüfungen durch. Betrüger haben dies in der Vergangenheit immer wieder ausgenutzt. Vor allem vermeintliche Kryptoanleger haben die erhöhte Sichtbarkeit durch ein Premium-Abo für ihre Betrugsmaschen genutzt.

Gewaltige Summen für "echte" Unternehmen

Deshalb wurde ein zusätzlicher Haken eingeführt, der verifizierte Organisationen, also "echte" Unternehmen, Behörden, Vereine oder NGOs kennzeichnen soll. Um an diese Verifizierung zu kommen, müssen Organisationen allerdings tief in die Tasche greifen: Elon Musk verlangt dafür mindestens 1.000 Dollar im Monat, plus 50 Dollar pro Monat für jeden weiteren Partner-Account.

Eine Summe, die sich viele gemeinnützige Betriebe nicht leisten können. Von den New Yorker Verkehrsbetrieben hatte Musk sogar 50.000 Dollar im Monat verlangt, damit diese als verifizierte Organisation Störungsmeldungen und Fahrplanänderungen an ihre Kundschaft weitergeben können. Die New Yorker U-Bahn stellte die Echtzeitwarnungen auf X daraufhin ein. Privatpersonen, die sich für ihren Haken schämen, können diesen neuerdings auch ausblenden lassen, für den Fall, dass die Follower nicht erfahren sollen, dass man für X monatlich bezahlt. (pez, 23.8.2023)