Am 4. Juni bejubelte die 22-jährige Fiona Felber ihren größten Erfolg. Die Legionärin aus Wien traf im Penaltyschießen und wurde mit dem Mannheimer HC deutscher Meister. "Das war einfach nur geil."
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Fiona Felber geht es gut. Im Leben der 22-jährigen Wienerin herrscht Klarheit, das beruhigt, entkrampft. "Mir ist bewusst, dass ich mit Hockey niemals Geld verdienen kann", sagt sie. Deshalb schätzt sie die Leichtigkeit des Seins, die pure Freude am Spiel. Ihr Leitsatz lautet: "Sometimes you win, sometimes you learn."

Am 4. Juni 2023 hat sie gewonnen. Mit dem Mannheimer HC den deutschen Meistertitel im Feldhockey. Der Club an der Alster wurde im Finale nach einem 1:1 mit 4:3 im Penaltyschießen bezwungen. Felber behielt die Nerven, verwandelte ihren Versuch. "Es war einfach nur geil, wunderbare Emotionen", sagt sie knapp drei Monate später. Mannheim ist zuvor nie Frauenmeister gewesen.

Es war natürlich nicht so, dass die Stadt völlig durchgedreht hat, die Nacht zum Tage gemacht wurde, dem Endspiel wohnten aber doch rund 500 Fans bei. Das Stadion war jedenfalls voll. Bei anderen Partien ist es ziemlich leer. Felber hat Sportgeschichte geschrieben, Legionärinnen aus Österreich werden in Deutschland eher selten Champion, eine Ausnahme war Irene Balek, die Anfang der Nullerjahre zwei Meistertitel im Freien (und vier im Hallenhockey) mit dem Rüsselsheimer RK gewann. Das war und das ist aller Ehren wert, denn die Liga zählt zu den besten in Europa, nur die Niederlande und Belgien können mithalten. Felber bleibt gelassen. "Es ist halt eine Randsportart, ich mache es ja für mich und meine Teamkolleginnen. Ich habe eine soziale Ader."

Sportfamilie

Rückblick. Fiona Felber stammt aus einer extrem sportbegeisterten Familie. Ihr Vater, der ORF-Sportredakteur Andreas, scheut fast keinen Triathlon. Bruder Elias (24) probiert es als Fußballer, er kickte in der zweiten Liga für die Rapid-Amateure und den FAC, derzeit ist er beim Ostligisten Kremser SC engagiert. Als Fiona acht Jahre alt war, hat sie Hockey entdeckt, beim AHTC Wien im Prater wurde sie geformt, ihr Ehrgeiz war außergewöhnlich. Aus der Liebe wurde eine Sucht. Was sie an ihrem Sport fasziniert? "Die Vielfalt, du brauchst mentale und physische Stärke, es ist ein Mannschaftssport, du kannst dich auf andere verlassen. Und du selbst kannst dazu beitragen, dass alle Erfolge und Freude haben. Es wird nicht gerangelt, es gibt kaum Körperkontakt, Hockey wird einfach gespielt."

Christian Hoffmann trainiert die Frauen des AHTC Wien und ist Assistenzcoach beim Nationalteam, er weiß also über Felber Bescheid, "Sie hat einen unbändigen Willen, mehr zu tun, ist bereit, über die Grenzen zu gehen. Sie ist eine Teamplayerin, verfällt nicht in den Egoismus. Sie ist eine komplette Athletin, sowohl auf dem Feld als auch in der Halle. Ihr Stärke ist, dass sie keine großen Schwächen hat."

2020, Fiona hat locker maturiert, musste der nächste Schritte folgen. Ihr lag ein Angebot aus Mannheim vor, sie nahm es an. "Ich wollte etwas erreichen, da musst du ins Ausland gehen. Es war ein großer Schritt, und ich war bereit dafür." Im Gegensatz zum Männerfußball muss im Frauenhockey nicht groß verhandelt werden. Der Klub stellt Felber eine Wohnung zur Verfügung, die teilt sie sich mit einer Teamkollegin. Zu zweit dürfen sie ein Auto benützen. Geld (Gehalt) gibt es selbstverständlich keines, eine Meisterprämie ist ein Hirngespinst.

Sportstipendium

Felber studiert an der Uni Mannheim Medien- und Kommunikationswissenschaften. Sie hat um ein Sportstipendium angesucht, es wurde bewilligt – 200 Euro pro Monat. Fußballer Neymar verdient in Saudi-Arabien 330 Euro pro Minute. "Ich kann davon leben", sagt Felber, nicht Neymar. Die österreichische Sporthilfe unterstützt sie mit genau null Euro, man könnte das thematisieren, muss es aber laut Felber nicht.

Trainiert wird vier- bis fünfmal die Woche. Felber spielt im Mittelfeld, sie misst nur 1,62 Meter. "Das hat den Vorteil, dass ich nicht weit runter zum Schläger greifen brauche." Was sie verbessern muss? "Meine Torgefährlichkeit." Ihr Vorbild war Flor Habif, die stammt aus Argentinien, erreicht dort allerdings nicht ganz die Popularitätswerte eines Lionel Messi. Habif ist mittlerweile 30 Jahre alt. Weil das Leben manchmal Verrücktheiten bietet, "spielt sie mit mir in Mannheim".

Mitte September geht die Meisterschaft wieder los. Felber legt in der Vorbereitung Extraschichten ein, um den Ehrgeiz zu stillen, um noch stärker zu werden. Die Titelverteidigung ist das Ziel. Sollte das erreicht werden, wird es in Mannheim kein Feuerwerk, kein Freibier geben. Und keine Siegesprämien. Die Nacht bleibt Nacht.

Fiona Felber sagt: "Ich spiele Hockey, solange es geht." Über ein bisserl mehr öffentliches Interesse würde sie sich natürlich freuen. "Sometimes you win, sometimes you learn." (Christian Hackl, 28.8.2023)