Menschenfeind St. Pölten
Julia Kreusch und Caroline Baas witzeln über den Molière’schen "Menschenfeind", der jetzt für das Landestheater Niederösterreich von Dominic Oley in Szene gesetzt wird.
Franzi Kreis

Wer schon einmal eine Inszenierung von Dominic Oley gesehen hat, der weiß, die Steigerung geht: schnell – schneller – Oley. Publikum, Ensemble und Technikteam werden in seinen Produktionen im besten Sinne gefordert. Sprechtempo, Sprachwitz, Slapstick, Ton und Lichteinsätze sind in den meist selbstgeschriebenen Texten mit Gesellschaftskritik unterlegt.

Oley führte bereits an den unterschiedlichsten Häusern Regie, spielt nebenbei selbst im Theater an der Josefstadt und inszeniert nun auch mit Der Menschenfeind das erste Stück der kommenden Saison im Landestheater Niederösterreich.

Am 15. September eröffnet Molières Komödie die Serie an Eigenproduktionen im Großen Haus. Gespielt wird diesmal die Fassung in Reimform von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens. Es geht um den wahrheitssuchenden Alceste, der überall die Intrige sieht und somit zum Menschenfeind wird, sich aber in die feierlaunige und gesellschaftsliebende Clementi verliebt.

Kasimir und Karoline

Für seine musikalische Inszenierung, die er auch als "Sprechoper" bezeichnet, hat sich Oley Christian Frank an die Seite geholt. Die Rolle der Alceste übernimmt Julia Kreusch, die ab dieser Spielzeit fest im Ensemble des Landestheaters ist. Sie war bereits in Inszenierungen von Frank Castorf oder Ruth Brauer-Kvam zu sehen.

Auch mit Nicolaus Habjan hat sie schon zusammengearbeitet, nun liest sie mit ihm Loriot: "Die Puppe bleibt draußen" könnte es auch heißen, wenn am 19. Jänner einmalig die legendären und bekannten Texte und Sketches des Autors Vicco von Bülow vorgetragen werden.

Der gebürtige St. Pöltner Moritz Franz Beichl hat mit 17 Jahren zum ersten Mal ein Theater besucht: Kasimir und Karoline im Landestheater Niederösterreich. Seitdem wusste er, welchen beruflichen Weg er einschlagen würde.

Trubel am Oktoberfest

Mittlerweile ist er Hausregisseur am Deutschen Theater Göttingen, inszenierte in Hamburg, Wien und Luxemburg und nun bereits zum vierten Mal am Landestheater. Und zwar: Kasimir und Karoline. Am 30. September premiert Ödön von Horváths Geschichte über das Liebespaar, dessen Beziehung sich im Trubel des Oktoberfests verliert.

Gerade diese Einsamkeit in der Masse ist es, was Beichl interessiert. Der Regisseur und Autor, der laut eigener, selbstironischer Aussage gerne viel redet und seine Figuren oft in einen "Laberton" zwingt, schätzt an Horváth genau das Gegenteil: die stillen Momente, in denen alles gesagt wird. "Wo bei Horváth die Sprache aufhört, fängt bei ihm die Poesie an", so Beichl.

Während Kasimir und Karoline zu den vielgespielten Klassikern gehört, findet am 1. Dezember eine wahrhaftige Uraufführung statt. Mit Die größere Hoffnung ist es erstmals einem Theater gelungen, die Aufführungsrechte an Ilse Aichingers einzigem Roman zu erhalten.

Alfa Romeo und Giulietta

In die Geschichte über das jüdische Mädchen Ellen, dessen Auswanderungsversuch scheitert und das in Wien bleiben muss, während der Zweite Weltkrieg herrscht, ließ Aichinger auch persönliche Erfahrungen einfließen.

Regie führt Sara Ostertag, die sich mit Mira Lu Kovacs musikalische Unterstützung holt. Sowohl in der Performancekunst und im Kindertheater als auch in der Bühnenübersetzung von Romanen ist die Regisseurin zu Hause, arbeitet als Dramaturgin mit Florentina Holzinger und hat zuletzt Eva Menasses Roman Dunkelblum inszeniert, der ebenfalls Ereignisse des Nationalsozialismus aufarbeitet. Ab 7. Oktober wird dieses Stück über einen Ort, an dem etwas passiert ist, wovon alle schweigen, wiederaufgeführt.

Nach langer Zeit kommt das niederländische Kollektiv Wunderbaum wieder nach Österreich, um sich im Rahmen des Festivals Tangente 2024 ebenfalls mit dem Faschismus auseinanderzusetzen. Mit Alfa Romeo und die elektrische Giulietta wird die Vergangenheit einer Autodynastie mit Fragen des Klimawandels aufgearbeitet (Premiere am 11. Mai), während sich Die Troerinnen von Euripides in der Inszenierung von Sláva Daubnerová ab 1. März damit beschäftigt, was passiert, wenn der Krieg angeblich vorbei ist. (Katharina Stöger, 2.9.2023)