Autos sind mittlerweile fahrende Computer – und ein Herd ist ein Computer, der kochen kann. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man durch die Hallen der IFA in Berlin streift: Längst geht es hier nicht mehr nur um Laptops, Smartphones und Fernseher, auch die sogenannte Weißware – also Küchen- und Haushaltsgeräte – wird präsentiert und stiehlt dabei anderen Gadgets die Show.

Manche Neuerungen dürften das Leben tatsächlich erleichtern, manche setzen auf das omnipräsente Buzzword namens künstliche Intelligenz (KI), und andere schließlich erinnern an das sprichwörtliche Ei des Kolumbus: Man fragt sich, warum nicht schon vorher jemand darauf gekommen ist.

Backöfen mit Kamera und KI

Wer aktuell in der smarten Küche vorn mitmischen will, der braucht aus Sicht der Hersteller auf jeden Fall einen Backofen mit integriertem WLAN und Kameras. Gleich mehrere Unternehmen stellen auf der Messe derartige Geräte aus. So bietet LG um 4.500 Euro einen Backofen, der das Innere filmt und per Livestream auf die begleitende Smartphone-App überträgt, sodass man dem Kuchen beim Backen zusehen kann. Samsung legt noch eins drauf und bietet in der Kamera-Stream-App-Kombination die Möglichkeit, ein Zeitraffervideo des Kuchenbackens zu erstellen und dieses an die Gäste zu schicken.

Kamera im Backofen
Eine Kamera im Backofen kann in vielerlei Hinsicht nützlich sein.
Siemens

Siemens wiederum gibt bekannt, die Kamera-Herd-Kombination mit künstlicher Intelligenz zu erweitern: Eine Software analysiert das Bild, erkennt die Art der Speise – etwa eine Pizza oder eine Lasagne – und startet das dazu passende Backprogramm. Echte KI ist das freilich nicht, sondern Bilderkennung – aber das Buzzword macht sich freilich gut in Marketingunterlagen. Nicht ganz so clever, aber in eine ähnliche Kerbe schlägt Panasonic: mit einer Mikrowelle, bei der die gewünschte Speise ausgewählt wird und das Gerät daraufhin in den passenden Modus wechselt.

Herdplatten, die Sinn ergeben

An anderer Stelle liefert Siemens den genannten Ei-des-Kolumbus-Effekt: eine Herdplatte, bei der man die Temperatur exakt in Grad einstellen kann und die Temperatur entsprechend gehalten werden kann. Praktisch ist das etwa für Menschen, die in der Küche selbst Bier brauen, da hier eine exakte Temperatur über lange Zeit konstant gehalten werden kann. Und wenn das Konzept Nachahmer findet, dann könnte das Kochrezepte jeder Art verständlicher und somit idiotensicher gestalten.

Herd
Auf dem Herd einfach die Temperatur einstellen: Warum ist vorher noch niemand darauf gekommen?
Siemsn

Ein anderes naheliegendes, aber in freier Wildbahn bisher kaum gesehenes Konzept, das aber ebenfalls von gleich mehreren Herstellern angepriesen wird: Backöfen mit zwei Kammern, die auf unterschiedliche Temperaturen aufgeheizt werden. So kann zum Beispiel parallel zur Hauptspeise, etwa Pizza, auch eine Nachspeise, zum Beispiel ein Kuchen, gebacken werden.

Smarte Kühlschränke 

Logisch auch, dass moderne Kühlschränke verschiedene Fächer und Funktionalitäten haben, die unterschiedliche Speisen frischer halten und auch einen Beitrag zum Stromsparen liefern sollen. LG setzt etwa auf eine Funktion namens "Door Cooling Plus", bei der direkt an der Tür gekühlt wird, sobald diese geschlossen ist. Damit soll die Temperaturschwankung im Kühlschrank auf 0,5 Grad reduziert werden.

Über die "Knock Knock"-Funktion von LG wird eine ursprünglich undurchsichtige Tür durchsichtig und erlaubt den Blick ins Innere des Kühlschranks: Das klingt zuerst nach einer Spielerei, soll aber freilich auch beim Stromsparen helfen, indem die Tür nicht zu oft geöffnet wird. Die LG-Kühlschränke mit "Mood Up"-Funktion ermöglichen wiederum, per App die Farbe des Geräts zu ändern. Außerdem verfügen sie über Lautsprecher.

Waschmaschinen mit Mikroplastikfilter

Ebenfalls bei LG bietet man im Bereich der Waschmaschinen mit "Autodose" eine Funktion, die im Alltag jenen Menschen helfen könnte, die sich beim Wäschewaschen schwertun: In ein Fach wird Flüssigwaschmittel geleert, das anschließend von der Waschmaschine bei jedem Waschgang automatisch dosiert wird. Nach 20 – bei Verwendung von Flüssigwaschmittel – bis 35 Waschgängen muss das Waschmittel dann nachgefüllt werden.

Waschmaschine
Praktisch für Menschen, die sich nicht auskennen: eine Waschmaschine, die die Dosierung des Waschmittels selbst erledigt.
Der Standard/Stefan Mey

Auch betonen verschiedene Hersteller, dass sie über KI die Art des Stoffes oder den Grad der Verschmutzung erkennen und das Waschprogramm entsprechend anpassen können. Dadurch sollen Wäsche und Umwelt gleichermaßen geschont werden.

Auffallend ist auch der starke Fokus auf Mikroplastikfilter in Waschmaschinen. Das hat auch politische Hintergründe: In Frankreich dürfen ab 2025 nur noch Neugeräte verkauft werden, die über einen derartigen Filter verfügen. Die Filter entfernen Mikroplastik aus dem Abwasser, nach einiger Zeit werden sie ausgeleert, dadurch sollen die Gewässer geschützt werden. Samsung bietet überdies für rund 150 Euro einen Filter, mit dem auch ältere Waschmaschinen nachgerüstet werden können. (Stefan Mey, 5.9.2023)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Kosten für Flug und Unterkunft im Rahmen der Berichterstattung über die IFA wurden von AVM übernommen.