Weinreben aufgenommen am Mittwoch, 22. August 2018, in einem Weinberg in Wien.
Der Österreichische Weinbauverband rechnet mit einer "leicht unterdurchschnittlichen Ernte" für 2023, zeigt sich aber dennoch positiv gestimmt.
APA/HELMUT FOHRINGER

Hitzewellen und Unwetterereignisse haben so manchen Winzerinnen und Winzern stark zugesetzt. Im norditalienischen Venetien befürchten die Weinproduzenten die schlechteste Ernte der letzten 40 Jahre, und auch in Frankreich steht das Nationalgetränk vor Herausforderungen. In Deutschland und Österreich hingegen fällt die Prognose für die Weinerzeuger deutlich positiver aus. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) in Deutschland am Montag bekanntgab, soll die deutsche Weinernte deutlich ertragreicher als im Vorjahr ausfallen. Nach 9,1 Mio. Hektorlitern im Vorjahr rechnet die Statistikbehörde mit einem Anstieg von rund neun Prozent auf 9,88 Mio. Hektoliter. In Österreich rechnet der Weinbauverband währenddessen mit einer "leicht unterdurchschnittlichen" Ernte, der Ausblick sei aber dennoch positiv.

Die Menge dürfte sich bei rund 2,3 Mio. Hektolitern einpendeln, berichtete der Präsident des Österreichischen Weinbauverbands, Johannes Schmuckenschlager, am Montag bei einer Pressekonferenz. Als Gründe für den vergleichsweise geringeren Ertrag führte der ÖVP-Parlamentarier Probleme mit Pilzinfektionen sowie starke Regengüsse in der Blütezeit an.

Pilzkrankheiten und Unwetter schmälern Ertrag

Bestimmt wurde das "spektakuläre" Weinjahr von einem sehr wechselhaften Witterungsverlauf. So sei der Auftakt mit einem trockenen und kühlen Frühjahr und einem späten Austrieb im April gut verlaufen, da damit die Gefahr von Spätfrostschäden gebannt war, schilderte Schmuckenschlager. Die einsetzende Wärmephase im Sommer habe den Reben dann zu einem starken Wachstum verholfen, Trockenschäden blieben großteils aus. Zu Schwierigkeiten kam es aber für manche Betriebe durch Extremwetterereignisse und damit einhergehendem Hagelschlag, vor allem in der Steiermark.

In manchen Regionen verhinderten verstärkte Regengüsse die Vollblüte, was Ausfälle nach sich zog. Das Gesamtvolumen werde davon aber nur geringfügig beeinflusst. Großteils sei die Veränderung zu vorherigen Jahren auf Pilzkrankheiten zurückzuführen, die Winzerinnen und Winzern auch in anderen Ländern wie Frankreich Kopfzerbrechen bereiten würden. Laut Statistik Austria wurden voriges Jahr 2,53 Mio. Hektoliter Wein geerntet, der fünfjährige Schnitt (2018-2022) liegt nach Daten der Landwirtschaftskammer (LKÖ) bei 2,49 Mio. Hektolitern.

Erbaulich sei der Wetterausblick für die kommenden Wochen, der stabile Bedingungen für die Reben und damit ideale Voraussetzungen für die Auslese erwarten lasse. Für Sturm und Most sei die Traubenernte mancherorts bereits angelaufen, die Hauptlese dürfte dann Ende September bzw. in den ersten Oktoberwochen stattfinden. Dank einer guten Säurestruktur und Zuckerbildung bei den Trauben sind laut Schmuckenschlager vollmundige und kräftige Weine zu erwarten - für Weinliebhaberinnen und Weinliebhaber verspricht der Jahrgang also den einen oder anderen edlen Tropfen.

Druck für die Winzerinnen und Winzer ergebe sich aufgrund der nach wie vor hohen Produktionskosten, beklagte Schmuckenschlager. Vor allem im freien Markt, der etwa 10 Prozent des Gesamtmarkts in Österreich ausmacht, sei das für die Produzenten spürbar, da die Abnehmer auf niedrige Preise pochen würden. Mit deutlichen Preissteigerungen für die Konsumentinnen und Konsumenten rechne er dadurch aber nicht, auch wenn die Preissituation am Markt angespannt sei. (APA, red, 4.9.2023)