Aus der Sicht des jeweiligen Herstellers ist die Sache ganz einfach: Jede Änderung im Vergleich zu früheren Geräten ist natürlich immer eine Verbesserung. Die breite Öffentlichkeit mag dem nicht immer zustimmen, also gilt es, Neuerungen immer auch einen positiven Spin zu verpassen. Apple ist geradezu Meister in dieser Hinsicht. Für das iPhone 15 will man nun aber eine zentrale Neuerung dermaßen verpacken, dass es manchen etwas gar dick aufgetragen vorkommen könnte.

USB-C, aber wirklich ganz freiwillig

Ausgerechnet den Wechsel von Lightning auf USB-C als Daten- und Ladeanschluss will Apple als einen der großen Vorteile der neuen iPhone-Generation verkaufen, das berichtet Apple-Experte Mark Gurman in seinem "Power On"-Newsletter für Bloomberg. So will man etwa betonen, dass einige der neuen Modelle – laut aktuellen Leaks die Pro-Ausführungen – sowohl schneller Daten übertragen als auch laden können.

Der USB-C-Anschluss des iPhone 15 Pro
Soll bald Wirklichkeit werden: ein iPhone mit USB-C-Anschluss. Anmerkung: Bei dem Bild handelt es sich um ein Rendering von 9to5Mac, kein offizielles Bild von Apple.
9to5Mac

So weit, so noch irgendwie verständlich, etwas befremdlich wird es aber dann bei den anderen Punkten. Laut Gurman will Apple die neue iPhone-Generation aktiv damit bewerben, dass nun iPhones, iPads und Macs mit demselben Kabel geladen werden können. Zudem soll gar betont werden, dass man damit jetzt mit Nicht-Apple-Geräten kompatibel wird. In der Android-Welt sind USB-C-Anschlüsse schließlich schon länger gang und gäbe.

War da nicht was?

Beides Punkte, die an sich durchaus richtig sind, dass Apple damit werben will, entbehrt aber nicht einer gewissen Ironie. Immerhin war es der iPhone-Hersteller selbst, der sich jahrelang aktiv dagegen gesperrt hatte, USB-C beim iPhone zu verwenden – und somit den eigenen Kundinnen und Kunden damit die besagten Vorteile jahrelang vorenthielt.

Vor allem aber war es keine eigene Entscheidung Apples, auf USB-C zu wechseln. Das Unternehmen wurde durch eine bald in Kraft tretende EU-Regulierung zu diesem Schritt gezwungen. Zuvor hatte man jahrelang aktiv Lobbyarbeit gegen die Pläne der EU gemacht. So betonte man etwa, dass solch eine Vorschrift der Umwelt schaden würde, da dadurch viele alte Lightning-Kabel weggeschmissen würden. Zudem sah Apple in einer solchen Regulierung einen gefährlichen Präzedenzfall, wenn staatliche Stellen in das Produktdesign eingreifen dürfen. Mit dieser Realität wird man sich aber wohl anfreunden müssen, will doch die EU Smartphone-Herstellern in Zukunft auch einfacher tauschbare Akkus vorschreiben.

Gründe

Bei all dem ist es aber auch kein sonderliches Geheimnis, dass das lange Beharren von Apple auf Lightning noch ganz andere Gründe hatte – nämlich monetäre. So hat sich rund um den eigenen Anschluss ein breites Angebot an Zubehör entwickelt. Und zwar Zubehör, bei dem Apple durch den Zwang zur offiziellen Zertifizierung im Rahmen des "Made for iPhone"-Programms sehr gut mitverdient.

USB-C mit Apple-Extras

Mit dem Wechsel auf USB-C dürfte Apple einen Teil dieser Einnahmen verlieren, immerhin können iPhone-Kundinnen und -Kunden nun zu Kabeln eines anderen Herstellers greifen. Ganz darauf verzichten will Apple aber auch nicht, also hat man sich für das iPhone 15 offenbar eine Lösung einfallen lassen, mit der die EU-Vorschrift zwar im Buchstaben, aber nicht notwendigerweise im Geiste erfüllt wird.

So sollen die erwähnten hohen Ladegeschwindigkeiten und Datenübertragungsraten laut inoffiziellen Vorabinformationen bei den Pro-Modellen nur mit offiziell von Apple zertifizierten Kabeln möglich sein. Apple würde damit also eigenes "Made for iPhone"-USB-C-Zubehör erfinden. Mit regulären USB-C-Kabeln – egal wie schnell und leistungsstark sie in Kombination mit anderen Geräten sind – soll es hingegen nur relativ langsames Laden und Übertragungsgeschwindigkeiten auf USB-2.0-Niveau geben. (apo, 5.9.2023)