Flexibel und spontan mit Bahn, Bus, U-Bahn und Straßenbahn unterwegs sein, das verspricht Simply Go, eine Zusatzfunktion in der ÖBB-App. Man muss sie nur aktivieren, einsteigen, irgendwo in Österreich aussteigen, Simply Go schließen, fertig. Mittels GPS wird die Reiseroute erfasst. Egal ob Zug, Straßenbahn oder Bus genutzt wurden, am nächsten Tag kommt die Gesamtabrechnung auf Basis der günstigsten Tarife und in der Folge die Abbuchung von einer Kreditkarte. Hinterlegte Vorteilskarten, Jahreskarten für Stadtverkehre und sonstige Ermäßigungen werden automatisch berücksichtigt.

So sieht Simply Go am Handy aus.
So sieht Simply Go am Handy aus.
Screenshot: Wolfgang Ludwig

Die Funktion, die seit Februar 2023 angeboten wird, umfasst alle Züge der ÖBB (Inland), viele Privatbahnen, Regionalverkehr, Verkehrsverbünde und berechnet automatisch, falls man am Ziel öfters Bim oder Bus gefahren ist, die günstigere Tageskarte. Leider funktioniert Simply Go nur für die 2. Klasse und nicht für Mitreisende.

Noch nicht ideal

Durch die einfache Art des Ticketings sollte die Hemmschwelle des Einsteigens deutlich niedriger sein, man muss sich nicht mit komplizierten Tarifsystemen beschäftigen. Auch das lästige Studieren der Funktion und des Angebots von Ticketautomaten der ÖPNV-Systeme in anderen Städten und das Hantieren mit Bargeld oder Karte vor ungeduldig Wartenden entfällt. In Österreich gibt es derzeit circa 11.000 Userinnen und User – eine Zahl, die allerdings noch stark ausbaufähig ist. Das zeigt ein Blick in die Schweiz. Dort verwenden über 400.000 Reisende diese Funktion.

Aber so ganz ideal läuft die Sache doch noch nicht. Laut ÖBB wird die Werbung für Simply Go erst "in den nächsten Monaten" richtig starten, da es einige Probleme und Beschwerden gab und gibt (was man bei den ÖBB nicht so offen zugibt). Denn nicht immer erkennt das System die günstigsten Tarife auch wirklich und berechnet statt billiger Tageskarten teurere Einzelfahrten. Bei GPS-Verbindungsproblemen (zum Beispiel in unterirdischen Stationen) kann der korrekte Standort oft nicht ermittelt werden.

Mit GPS-gestütztem Ticketing soll das Bezahlen in den Öffis nahtlos vonstattengehen.
Mit GPS-gestütztem Ticketing soll das Bezahlen in den Öffis nahtlos vonstattengehen.
Wolfgang Ludwig

Ist der Handyakku leer und lässt sich in vielen Regionalzügen und Bussen nicht laden, steht man ohne gültigen Fahrausweis da und muss bei einer Kontrolle eine Pönale zahlen. Lokale Spezialangebote für Einheimische werden von der App nicht erkannt, da es sich um individuelle Vereinbarungen mit Gemeinden handelt. Fehlerhafte Abrechnungen werden zwar erstattet, aber das ist aufwendig. Für Reisende, die gerne vor Fahrtantritt über die Kosten Bescheid wissen wollen, ist die Sache nichts.

Blick ins Ausland

Das österreichische Simply Go ist mit dem in der Schweiz schon seit 2019 existierenden Easy-Ride-System (Slogan: "Das Billett, das sich nach Ihnen richtet") größtenteils ident. Dieses basiert wiederum auf einer App des Schweizer Start-ups Fairtiq, das auch in Deutschland tätig ist. Easy Ride umfasst fast alle Teile des Öffi-Systems inklusive 1. Klasse und Ausflugsschiffe und funktioniert offensichtlich weitgehend fehlerfrei. Immerhin elf Prozent der mobilen Ticketkäufe der Schweizer Bundesbahnen (SBB) werden über diese App getätigt.

In Deutschland gibt es derartige Ticket-Apps, die ebenfalls auf Fairtiq basieren, nur in regionalen Tarifsystemen, nicht aber bundesweit. SNCF in Frankreich bieten mit Flexter, das demnächst in Justgo unbenannt wird, in der Region Nouvelle-Aquitaine (um Bordeaux) ein ähnliches System, das offenbar als Versuchsballon der SNCF für ganz Frankreich genutzt wird. Das Angebot gilt regional ohne TGV. (Wolfgang Ludwig, 5.9.2023)