Ein selbstgebastelter Galgen mit den Aufschriften
"Besorgte Bürgerinnen und Bürger" machten vor dem Gerichtsgebäude kein Hehl daraus, was ihrer Meinung nach die Strafe für Florian Teichmeister sein müsste.
Heribert Corn

Nein, es war definitiv kein kurzer Prozess, der mit Florian Teichtmeister gemacht wurde. Auch wenn manche "besorgten Bürgerinnen und Bürger" sich das wohl gewünscht hätten. Im Gegenteil, sein Strafverfahren um den Besitz und die Herstellung pornografischer Aufnahmen Minderjähriger dauerte mit vier Stunden sogar ungewöhnlich lange, gemeinhin wird bei einem geständigen Angeklagten maximal eine Stunde verhandelt. Aber der Vorsitzende tat gut daran, die Angelegenheit ausführlich zu behandeln, um der zahlreich erschienenen Öffentlichkeit nachvollziehbar zu machen, wie der Schöffensenat zu seinem Urteil kam.

Einer Öffentlichkeit, von der Teile vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten – samt Galgen mit dem Namen des Angeklagten darauf. Einer Öffentlichkeit, die wenig Ahnung von Strafjustiz hat und nach Rache, nicht Recht giert. Eine hochgradig bedenkliche Entwicklung – so verabscheuenswürdig der Konsum und die Bearbeitung von Bildern und Videos des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen auch sind, man darf nicht vergessen, dass Teichtmeister auch ein kranker Mensch ist, der nicht den Galgen, sondern neben einer Strafe vor allem eine Behandlung verdient hat.

Späte Einsicht

Und im Vergleich zu vielen anderen Delinquenten, die wegen dieses Delikts bereits vor Gericht saßen, ist bei dem gefallenen Schauspielstar tatsächlich eine glaubhafte Wandlung spürbar, wie auch der psychiatrische Sachverständige festgehalten hat. Teichtmeister ist sich dessen bewusst, dass er pädophil ist, ihm ist bewusst, dass er auf mehreren Ebenen ein massives Suchtproblem hat(te), ihm ist bewusst, dass er mit seinem Verhalten das Leid realer Kinder und Teenager verursacht hat.

Die nicht rechtskräftige Strafe von zwei Jahren bedingter Haft ist bei einem Strafrahmen von bis zu drei Jahren sogar verhältnismäßig streng, wird bei Ersttätern doch normalerweise nur der halbe Strafrahmen ausgeschöpft. Aber, wie der Vorsitzende in seiner Urteilbegründung korrekt anmerkte, die größte Strafe ist ohnehin die gesellschaftliche Ächtung. Und die wird Teichtmeister wohl ein Leben lang begleiten, auch wenn die Demonstranten mit dem Galgen sich schon längst das nächste Hassobjekt auserkoren haben. (Michael Möseneder, 5.9.2023)