Immerhin auf David Alaba war Verlass. Der 31-jährige Kapitän brachte in der zweiten Halbzeit ein wenig Ordnung ins Spiel und bleibt optimistisch.
APA/EXPA/REINHARD EISENBAUER

Es gab durchaus auch Sieger beim an Bescheidenheit kaum überbietbaren 1:1 gegen die Republik Moldau. Zum Beispiel die erstmals einberufenen Rapidler Leopold Querfeld und Matthias Seidl, sie kamen nicht zum Einsatz, sind also von jeglicher Schuld freizusprechen. Dafür mussten sie am Freitag in Windischgarsten wie die restlichen Reservisten voll trainieren, sie hatten ja am Vorabend in Linz nichts zu tun. Fußball kann hart und ungerecht sein.

Österreichs Teamchef Ralf Rangnick musste seinen Horizont erweitern. Den Satz "Ich bin verärgert" hat er während seiner Amtszeit noch nie so deutlich öffentlich gesagt. In Linz beginnt’s. Negative Erkenntnisse sind freilich niemals zu unterschätzen. Rangnick hatte für den schnöden Test eine Art B-Elf nominiert, es ging für die Kicker aus der zweiten Reihe darum, sich für die EM-Qualifikation am Dienstag in Solna gegen Schweden zu empfehlen. Das ist gründlich in die Hose gegangen, genau das Gegenteil ist eingetroffen, der Plan ist fulminant gescheitert. "Wir haben Aufschlüsse für die Startformation bekommen, aber anders, als ich mir es vorgestellt habe. Ich habe gehofft, dass es mir der eine oder andere schwerer machen wird, aber das war nicht der Fall", sagte Rangnick.

Kein Saft

David Schnegg, der 24-jährige Debütant von Sturm Graz, war ein Paradebeispiel. Dem Linksverteidiger ging die Luft aus, er ersuchte um seinen Austausch, allerdings war das Kontingent ausgeschöpft. "Mich hat schon gewundert, dass er in den letzten 20 Minuten offensichtlich völlig blank war. Eigentlich müsste man am Beginn einer Saison voll im Saft stehen."

Das frühe Gegentor in der dritten Minute nach einem jetzt schon legendären Patzer von Goalie Daniel Bachmann war der Dosenschließer. Es folgten technische Unzulänglichkeiten, eine verheerende Passqualität, das Aufbauspiel von hinten heraus war laut Rangnick "gelinde gesagt schlecht". Das Niveau der Flanken ließ alle Wünsche offen.

Ralf Rangnick blickte in Linz ziemlich finster drein, das Schaulaufen ist missglückt.
APA/EXPA/REINHARD EISENBAUER

Der 65-jährige Deutsche war zum Handeln gezwungen, brachte zur zweiten Halbzeit Leithammel (Säulen) wie David Alaba, Marko Arnautovic, Christoph Baumgartner, Xaver Schlager und später auch Marcel Sabitzer. Der ursprüngliche Plan sah vor, Alaba und Sabitzer überhaupt nicht einzusetzen, sie für Schweden zu schonen. In der Not hat sich Rangnick selbst overrult. Es fiel prompt der Ausgleich durch Michael Gregoritsch (50.), Kapitän Alaba riss das Spiel an sich, führte als Innenverteidiger Regie. Eine halbe Stunde lang sah das Treiben auf dem holprigen Feld nach Fußball aus, ab Minute 75 riss der Faden wieder. Alaba, der ein Angebot aus Saudi-Arabien haben soll, aber bei Real Madrid bleibt, strich das Positive hervor: "Wir haben in der zweiten Halbzeit Charakter und Mut gezeigt, haben den Ball mit Tempo laufen lassen. Das Negative gehört dazu."

Konrad Laimer, der nur vor der Pause tätig war (sogar als Kapitän), glaubt an keinen nachhaltigen Schaden. "Vielleicht war es nicht der falsche Zeitpunkt, um wachgerüttelt zu werden." Bayern-Legionär Laimer gehört der Einsergarnitur an.

Keine Panik

Grund zur Panik gibt es keinen. Testspiele funktionieren nach eigenen Gesetzen, sie sind eher wurscht. Wobei man Moldau, die Nummer 164. der Weltrangliste, schon hätte schlagen müssen. Rangnick erinnerte ans qualvolle 1:0 gegen Andorra im Vorjahr, vier Tage später folgte ein hervorragendes 2:0 gegen Italien. Andorra und nun Moldau seien destruktiv eingestellt gewesen. "Das war nicht vergnügungssteuerpflichtig."

Schweden ist Pflicht und kein Vergnügen. Am 20. Juni wurde in Wien 2:0 gewonnen. Mit der Einsergarnitur. Nach einer extrem starken Leistung durch zwei späte Tore von Baumgartner. Am Samstag wird die Vorbereitung in Windischgarsten intensiviert, Videos werden studiert. Auch ein paar Sequenzen aus der Moldau-Partie werden vorgespielt, um zu zeigen, wie es nicht geht. Die Schweden gastieren am Samstag in Estland. Sollten sie dort Punkte lassen und Österreich am Dienstag gewinnen, wäre die EM-Endrunde 2024 in Deutschland fix gebucht. Nach fünf von acht Gruppenspielen. Tritt das ein, hat es das 1:1 gegen die Republik Moldau gar nicht gegeben. (Christian Hackl, 8.9.2023)