"Das Kind ist in den Brunnen gefallen": Wifo-Chef Gabriel Felbermayr hört sich die Positionen von Gewerkschaft und Industrie zur bevorstehenden Lohnrunde an und beschreibt damit die Fronten. Rezession, zwischen vier und 20 Prozent Rückgang, je nach Bereich in der Industrie, die Wettbewerbsfähigkeit unter Druck: Das erklärt Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung. Die Wirtschaft könne das geforderte Lohnplus nicht stemmen. Man hat das Gefühl, er verbeißt sich jeden noch dramatischeren Nachsatz zu den Konsequenzen.

Claudia Reiterer moderiert im Studio die Diskussionssendung.
Dagmar Belakowitsch (stellvertretende FPÖ-Klubobfrau), Josef Muchitsch (Gewerkschaft Bau/Holz), Moderatorin Claudia Reiterer, Georg Knill (Präsident Industriellenvereinigung), Andreas Hanger (ÖVP-Abgeordneter) und Wifo-Chef Gabriel Felbermayr zum "Würgegriff" der Inflation und der anstehenden Herbstlohnrunde.
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Die andere Seite, vertreten durch den obersten Bau/Holz-Gewerkschafter Josef Muchitsch, bleibt beim Argument von rund 9,6 Prozent rollierender Inflation, will von der Benya-Formel und der sich daraus ergebenden wohl zweistelligen Erhöhung nicht abweichen. "Jetzt ein Deckel bei Einkommen? Nein." Es dreht sich im Kreis. Da ist kein Signal eines anderen Weges.

Wer ist wie viel ärmer?

Die stellvertretende FPÖ-Klubobfrau Dagmar Belakowitsch findet ihre Rolle nicht wirklich, erst gegen Schluss verliert sie etwas die Fassung. ÖVP-Abgeordneter Andreas Hanger ruft Optimismus aus, beruft sich auf die kürzlich vom Budgetdienst erhobene Daten, wonach Österreich auf einem realen Einkommensplus sitze. Es entsteht ein kleiner Wirbel darüber, wie schlimm der Kaufkraftverlust für wen nun sei.

Felbermayr nimmt die für kommenden Freitag erwarteten Prognosedaten vorweg: "Die Industrie befindet sich in einer Rezession, die steckt andere Bereiche an." Knill wird zu den Lohnverhandlungen deutlicher: "Eine Einigung in üblichen Ritualen wird nicht der Fall sein." Er ruft die Kommunen zu einem Abgabenstopp auf.

Felbermayrs Vorschlag, den Gap zwischen aktueller (7,6 Prozent) und rollierender Inflation (rund 9,6 Prozent) mittels neuer Formeln zu schließen, bleibt unaufgearbeitet. Auch die Grundannahme des notwendigen Konsumstimulus für erwünschtes quantitatives Wirtschaftswachstum bleibt unhinterfragt. Wir sollen gut gelaunt Geld ausgeben.

Hanger bleibt bei seinem Mantra: "Samma wieder optimistisch! Mach ma a positive Aufbruchstimmung!" Dem kann Felbermayr teilweise folgen, indem er für 2024 ein Wachstum in Aussicht stellt. Es bleibt ein ausgesprochen mulmiges Gefühl. (Karin Bauer, 11.9.2023)