Rui Pinto bei einer gerichtlichen Anhörung in Lissabon im September 2020.
Rui Pinto bei einer gerichtlichen Anhörung in Lissabon im September 2020.
AP/Armando Franca

Lissabon - Der durch die "Football Leaks" bekannt gewordene Hacker Rui Pinto ist am Montag von einem portugiesischen Gericht zu vier Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 34-jährige ehemalige Geschichtsstudent und Computer-Autodidakt wurde wegen versuchter Erpressung, wegen unerlaubten Zugriffs auf IT-Systeme in fünf Fällen und wegen Verletzungen des Kommunikationsgeheimnisses in drei Fällen verurteilt.

Insgesamt wurden Pinto 89 Hacking-Fälle vorgeworfen. Er hatte zwischen 2015 und 2018 Dokumente im Internet mit einem Konsortium europäischer Zeitungen geteilt, darunter das Steuergebaren von Stars wie Lionel Messi, Neymar oder Cristiano Ronaldo. Auch ein Vergewaltigungsvorwurf gegen Cristiano Ronaldo gehörte dazu. Andere Dokumente betrafen allgemeine Ablösesummen oder skurrile Vertragsdetails, weitere machten Verstöße gegen das Financial Fair Play von Topclubs wie Manchester City öffentlich. Strafrechtliche Ermittlungen in fünf europäischen Ländern waren außerdem die Folge gewesen.

Verhaftung in Ungarn

"Die Informationsfreiheit rechtfertigt nicht Verletzungen der Privatsphäre", sagte Richterin Margarida Alves. "Es ist eindeutig erwiesen, dass er hoffte, Geld zu bekommen." Er soll vom Chef des Investmentfonds Doyen Sports zwischen 500.000 und einer Million Euro verlangt haben, um belastete Dokumente nicht zu veröffentlichen.

Pinto hatte es lange geschafft, unentdeckt zu bleiben, wurde aber im Jänner 2019 in Ungarn verhaftet und später unter Zeugenschutz gestellt. Der Prozess begann im September 2020. Pinto kooperierte mit den Behörden und gab sich beim Prozess reumütig. Er räumte die Freigabe der mehr als 70 Millionen (vertraulichen) Dokumente ein, argumentierte aber stets damit, ein Whistleblower zu sein. Sein Verteidiger erklärte, mit der Bewährungsstrafe einverstanden zu sein. (APA, red, 12.9.2023)