Portugal und Deutschland machen es mit dem "passe ferroviário nacional" beziehungsweise "Deutschlandticket" bereits vor, jetzt wollen auch die Franzosen nachziehen und ein günstiges Monatsticket für die Eisenbahn anbieten. Kommen soll es im Sommer 2024. Wie in Deutschland soll das Ticket 49 Euro im Monat kosten und unbegrenzte Fahrten in Regional- und Fernverkehrszügen ermöglichen. "Die Franzosen – unabhängig von ihrem Alter – können diese Karte kaufen und zu einem günstigen Pauschalpreis unbegrenzt in einem Intercity oder TER reisen", kündigte Verkehrsminister Clément Beaune im Fernsehsender France 2 an.

Das günstige Monatsticket soll den Französinnen und Franzosen das Bahnfahren schmackhafter machen. Der Hochgeschwindigkeitszug TGV ist davon allerdings ausgenommen.
Das günstige Monatsticket soll den Französinnen und Franzosen das Bahnfahren schmackhafter machen. Der Hochgeschwindigkeitszug TGV ist davon allerdings ausgenommen.
REUTERS/Stephane Mahe

Beaune räumte ein, dass dieser Schritt dem Vorbild anderer europäischer Angebote für den öffentlichen Nahverkehr, wie in Deutschland und Portugal, folge, die weithin als populär und erfolgreich angesehen werden, und bezeichnete sie als "ideal, um die Zugnutzung zu fördern". Oder, wie Präsident Macron sagte, um die Menschen zum "Ausstieg aus Kohle und Öl" zu bewegen.

Für ein Monatsabonnement von 49 Euro kann man dann unbegrenzt mit TER-Regionalzügen und Intercity-Zügen fahren, jedoch nicht mit dem TGV (Hochgeschwindigkeitszügen). Die TER-Regionalzüge verbinden "lokale Ziele innerhalb der französischen Regionen", wie Euronews es ausdrückt, und befördern täglich rund 1,1 Millionen Fahrgäste. Häufige Fahrten oder Pendlerfahrten selbst auf den preisgünstigeren Strecken (zum Beispiel unter 20 Euro) können sich schnell summieren, deshalb würde sich das geplante Monatsticket lohnen, wird argumentiert.

Die Intercity-Züge bedienen indessen Städte und längere Strecken wie zum Beispiel Paris–Toulouse, für die der Kauf einer Fahrkarte für denselben Tag fast das Doppelte des Preises für die 49-Euro-Karte kosten würde. Darüber hinaus hofft Beaune, dass das Ticket auch andere Nahverkehrsmittel wie U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen einschließt. Die Details sind noch nicht entschieden, aber laut "Le Monde" bestätigte Macron am Montag, dass "Frankreichs regionale Behörden dem Schritt zugestimmt haben", der, wie die Zeitung schreibt, "auf die Anfang des Jahres eingeführten Beschränkungen für Inlandsflüge folgt".

Der deutsche Verkehrsverband VDV behauptet jedenfalls, dass die Einführung des Deutschlandtickets im Sommer 2023 etwa 1,8 Millionen Tonnen Kohlenstoffemissionen einsparen wird, wie Euronews berichtet.

Auch wenn das Ticket eine gute Umweltbilanz aufweisen mag, wurde die Frage aufgeworfen, wie nachhaltig der günstige Preis ist. Da das System sowohl vom deutschen Staat als auch von den Regionen subventioniert wird, werden die jährlichen Kosten bis 2025 auf drei Milliarden Euro geschätzt. Verkehrsexperten haben davor gewarnt, dass die "größte Reform des öffentlichen Nahverkehrs in der Geschichte Deutschlands" wahrscheinlich schon zum Jahreswechsel 2024 zu Preiserhöhungen führen wird. Ähnliche Befürchtungen werden in der französischen Verkehrsbranche geäußert. (red, 12.9.2023)