Junuzovic
Junuzovic kennt die Höhen und Tiefen des Fußballs.
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STANDARD: Das Match gegen Schweden war ganz okay, oder?

Junuzovic: Ich war letztens mit einem meiner Söhne bei einem Training zu Besuch, und der Sieg gegen Schweden hat meine Eindrücke bestätigt: Die Mannschaft hat eine gute Energie, einen guten Zusammenhalt, auch wenn die erste Halbzeit etwas mühsam war, weil die Schweden Druck gemacht haben. In der zweiten Halbzeit haben dann wir gedrückt, und man konnte sehen, dass das Team die Qualität hat, effektiv zu sein.

STANDARD: Sie sprechen die Qualitäten an. Was macht dieses Team gerade so gut?

Junuzovic: Die großen Qualitäten sind neben der Energie und dem Zusammenhalt die Spielweise, die Laufbereitschaft und das Mannschaftsgefüge. Jeder Einzelne ist dahinter und versucht das umzusetzen, was verlangt wird.

STANDARD: Die Spielweise wird vom Trainerteam vorgegeben.

Junuzovic: Ich denke, wir alle kennen die Idee von Ralf Rangnick und welchen Spielstil er gerne sehen will. Es hilft natürlich, dass du genau die richtigen Typen im Team hast, die dieses laufintensive und druckerzeugende Spiel draufhaben. Insgesamt stimmt die Mischung, die Balance einfach, denn es gibt da auch noch Spieler wie Marko Arnautovic oder David Alaba – und David ist ja seit Jahren einen anderen Fußball bei seinen Vereinen gewöhnt, denn bei den Bayern oder Real wird Druck über Ballbesitz erzeugt. Seine Anpassungsfähigkeit ist eine seiner großen Stärken. Und bei Marko hat man gesehen, dass wenn er zu seinen Möglichkeiten kommt, er auch seine Tore macht. Obwohl der Elfmeter wohl nicht ganz so gewollt war.

STANDARD: Die Laufintensität ist besonders im zentralen Mittelfeld offensichtlich.

Junuzovic: Nicolas Seiwald ist sicher nicht der auffällisgte Spieler, aber genau das macht ihn aus. Diese unauffällige Effektivität, welche Löcher er stopft, wie clever er spielt. Und Xaver Schlager und Konrad Laimer sind bullig, wuchtig, permanent unterwegs und ziehen andere Spieler auch mit. Das sind richtige Motoren.

STANDARD: Ehrlich jetzt: Hätten Sie vor dem Start der Qualifikation gedacht, dass es so gut läuft?

Junuzovic: Ich möchte die Gegner und die Gruppe auf keinen Fall kleinreden, denn es kann immer alles passieren, aber mit dieser Spielweise bin ich schon davon ausgegangen, dass das Team erfolgreich sein wird. Aber man hat auch gestern gesehen, dass trotz aller Ideen oft Kleinigkeiten und in gewissen Bereichen auch die individuellen Qualitäten den Unterschied ausmachen. Aber ich denke, als Mannschaft sind wir richtig gut.

STANDARD: Was trägt zu einem guten Teamgefüge bei?

Junuzovic: Natürlich hilft es sehr, wenn man erfolgreich ist, aber auch die professionellen Bedingungen und das Umfeld spielen da rein. Man merkt, dass sich alle wohlfühlen. In der Öffentlichkeit herrscht die Meinung, dass jeder immer stolz sein muss und sich immer darüber freuen muss, dass man dabei ist und einberufen wird. Das stimmt natürlich, aber es spielt sich halt nicht immer. Es geht nicht auf Knopfdruck, dass sich jeder zu hundert Prozent wohlfühlt. Genau das muss man sich erarbeiten.

STANDARD: Abgesehen von Resultaten ist dieses Wohlfühlen ja nicht unbedingt leicht erkennbar.

Junuzovic: Man erkennt es zum Beispiel an den Jubelbildern nach den Toren, wenn alle zusammenkommen, um zu gratulieren und auch andere Sachen zu besprechen, vielleicht taktische, vielleicht kleine Korrekturen. Es wirkt alles hochkonzentriert und aufmerksam. Und sie machen es gemeinsam.

STANDARD: Gibt es Wehmut, dass Sie nicht mehr dabei sind?

Junuzovic: Nein, meine Zeit ist vorbei, und ich habe sie genossen. Damals, in meinen frühen Zwanzigerjahren, hatten wir, und so ehrlich muss man sein, nicht so ein gutes Teamgefüge und nicht so einen Zusammenhalt wie jetzt. Das hat sich dann in der Ära Koller geändert und so entwickelt, dass wir eine richtig coole Zeit hatten und auch richtig gut gespielt haben. Ich kenne also das Gefühl, wenn es in die richtige Richtung geht, und das kann ich bei den Jungs jetzt auch spüren. Daher bin ich froh, dass ich so eine Zeit überhaupt erleben durfte. (Andreas Hagenauer, 13.9.2023)