Till Lindemann
Till Lindemann bestreitet die Vorwürfe, die seit Monaten gegen ihn erhoben werden.
AFP/TOBIAS SCHWARZ

Der Bericht der deutschen "Bild"-Zeitung vom Donnerstag, dass die Staatsanwaltschaft Vilnius gegen die Irin Shelby Lynn, die im Mai als Erste Vorwürfe gegen Rammstein-Frontmann Till Lindemann wegen sexuellen Fehlverhaltens und der Verabreichung von K.-o.-Tropfen erhoben hatte, ermittle, ist einer Meldung des Nachrichtenmagazins "Spiegel" vom Freitag zufolge falsch. "Bild" hatte berichtet, auf Anfrage bei der Staatsanwaltschaft in Litauen erfahren zu haben, dass jene schon seit einigen Wochen wegen des Verdachts auf Verleumdung gegen Lynn ermittle. Laut einem Sprecher sei eine Prüfung "nach Eingang der Erklärung des Anwalts des Rammstein-Frontmanns" eingeleitet worden. Um das laufende Ermittlungsverfahren nicht zu behindern, würden aber keine Detailinformationen bekanntgegeben. Anklage sei bisher nicht erhoben worden. Die "Bild" will zudem aus dem Umfeld Lindemanns erfahren haben, dass er gegen Lynn ausgesagt haben soll.

Dem widerspricht der "Spiegel". Zwar habe die Bezirksstaatsanwaltschaft in Vilnius am Freitagmorgen dem Magazin bestätigt, nach Eingang eines Schreibens von Lindemanns Anwälten im Juli ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Verleumdung eingeleitet zu haben. Die Behauptung, dass die Ermittler prüfen würden, ob Lynn falsch ausgesagt habe, bestätigte die Behörde dem "Spiegel" auf Anfrage aber nicht. Bislang sei niemand "angeklagt oder beschuldigt", zitiert der "Spiegel". Lynn habe zudem durch ihren Anwalt bekanntgegeben, sie weise den Vorwurf der Falschaussage zurück und werde rechtliche Schritte prüfen.

Lindemann ohne Universal

Der Sänger bestreitet die von Lynn und danach von weiteren Frauen erhobenen Vorwürfe. Im August hat die Staatsanwaltschaft Berlin alle Ermittlungen gegen ihn eingestellt, nachdem kein mutmaßliches Opfer sich bei ihr gemeldet und ausgesagt hatte. Lindemanns Anwälte hatten zuvor mit Klagen gedroht: "Wir werden wegen sämtlicher Anschuldigungen dieser Art umgehend rechtliche Schritte gegen die einzelnen Personen einleiten."

Weiters berichtet der "Spiegel", dass das im Herbst herauskommende Soloalbum von Lindemann nicht wie seine bisherigen bei Universal Music erscheinen wird. Vergangenen Freitag hatte er mit dem Lied "Zunge" einen Vorgeschmack darauf gegeben. Universal gibt dem "Spiegel" gegenüber an, man habe mit Lindemann "im August 2023 gemeinsam entschieden, die Zusammenarbeit für das für Herbst 2023 geplante Soloalbum auszusetzen". Weiters heißt es von Universal, man habe "nach Bekanntwerden der Vorwürfe" bereits im Juni "die Marketing- und Promotion-Aktivitäten für die Recordings der Band bis auf weiteres ausgesetzt" und sei "davon überzeugt, dass eine vollumfängliche Aufklärung der Anschuldigungen, auch durch die Behörden, unbedingt erforderlich" sei. (red, 14.9.2023)