Person im Anzug mit Aktenkoffer verlässt ein Gebäude
Bumerang-Mitarbeitende sollten darauf achten, wie sicher ihr Job ist, wenn sie zurück zur Ex-Firma gehen.
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Auf die riesigen Kündigungswellen in der Tech-Branche bei großen US-Konzernen folgt jetzt wohl Reumütigkeit: Firmen wie Meta und Salesforce wollen Mitarbeitende wieder zurückholen, die Anfang des Jahres gehen mussten. Das berichtet der amerikanische "Business Insider". Das Softwareunternehmen Salesforce trennte sich im Jänner von zehn Prozent seiner Belegschaft – also mehr als 7.000 Beschäftigten. Nun plant die Firma allerdings, rund 3.000 Mitarbeiter einzustellen. Der CEO Marc Benioff forderte ehemalige Arbeitnehmende – auch jene mit neuem Job – auf, über eine Rückkehr nachzudenken. Sogar eine Veranstaltung soll es gegeben haben, bei der Ehemalige mit Stofftieren mit "Bumerang"-Shirts umworben wurden. Etwa 40 bis 50 ehemalige Führungskräfte sollen dabei angesprochen worden sein.

Erinnerungen werden dabei auch an Elon Musk und seine Übernahme der Plattform X (damals noch Twitter) wach. Er entließ etwa die Hälfte der Belegschaft, wollte aber kurz danach mehr als ein Dutzend Ehemalige wieder zurückholen, die nach eigenen Angaben "versehentlich entlassen" wurden. X hätte sie aber für die Entwicklung neuer Funktionen des sozialen Mediums benötigt.

Wer aber will zu einem Unternehmen zurück, das einem gekündigt hat? Vergleichbare Massenszenarien wie bei US-Techkonzernen gibt es in Österreich zwar nicht und wären für Firmen hierzulande auch deutlich teurer, bedenkt man ausständige Urlaubsansprüche und sonstige Leistungen. Kündigen von mehreren Hundert Mitarbeitenden gibt es aber freilich auch in Österreich. Die gab es beim Lieferdienst Gurkerl, bei der Kryptobörse Bitpanda oder dem Online-Nachhilfeanbieter Gostudent. Sogenannte Bumerang-Mitarbeitende spielen im Recruiting gerade nicht zuletzt wegen des omnipräsenten Fachkräftemangels eine nicht unwesentliche Rolle. Dabei werden Ex-Angestellte zurückgebeten oder angeworben, welche zuvor gekündigt wurden oder selbst das Unternehmen verlassen hatten.

Vergangenheit evaluieren

Viele Fachleute sind sich hierbei einig: Wer angefragt wird, zurückzukommen, soll überlegen, wie es denn bei dem Unternehmen wirklich war. Karriereberaterin und Personalentwicklerin Adelheid Kresitschnig nennt dem STANDARD genaue Überlegungen, die infrage kommen: Wie hat es bisher gepasst? Wie hat mir die Unternehmenskultur gefallen? Wie gut habe ich in Summe dazugepasst? Wie war der Umgang der Führungskräfte und anderer Kolleginnen und Kollegen? Auf einige konkrete Punkte gelte es zu achten:

Entscheidend sei, wie am Ende mit einem umgegangen wurde. "Es sollte reflektiert werden, ob die bisherige Tätigkeit im Offboarding wertgeschätzt wurde und der Kündigungsgrund auch klar dargelegt wurde", sagt die Beraterin. "Das läuft leider in vielen Personalabteilungen noch falsch." Zu wenig liege der Fokus in Personalabteilungen auf dem Kontakterhalt nach einer Kündigung. Gelungenes Offboarding bedeute im Großen und Ganzen Wertschätzung in einem Gespräch, indem sich sowohl eine Personalerin als auch die Führungskraft die Zeit nimmt und rückblickend auf die Leistung der oder des Angestellten, aber auch der Unternehmensseite schaut. "Idealerweise ist der Kündigungsprozess auch maximal transparent."

Wenn das Angebot an potenzielle Bumerang-Mitarbeitende bereits auf dem Tisch liegt, gelte zu überlegen, wie sicher der Arbeitsplatz wäre. In manchen Branchen gebe es häufig kurzfristige Projekte, wo es dann zu einer Art Pingpong mit Angestellten komme. Ehemalige könnten dabei vor allem auf Auftragslage, die Wirtschaftslage in Summe oder die strukturellen Veränderungen im Unternehmen achten.

Wichtig für die persönliche Weiterentwicklung sind laut der Beraterin auch die Angebote, die das Unternehmen bietet. Neben einer Aufwertung im Gehalt, die in so einer Situation verhandelt werden könne, sei es für Wiederkehrer wichtig, auch das Können aufzuwerten. Denn wer sich weiterbilden kann, werde auch später weniger wahrscheinlich wieder gekündigt. "Ich empfehle da eine Art Spiraleffekt", sagt Kresitschnig. "Also zum vorherigen Job zurückkehren, aber höherwertiger, um auch das Jobprofil für den Arbeitsmarkt attraktiver zu machen."

Innerlich sollten sich potenzielle Bumerang-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen auch wohl dabei fühlen, wieder in dem Unternehmen tätig zu sein. Bei allem Pro und Kontra, was die Jobsituation betrifft, sollte auch darauf geachtet werden, ob die Rückkehr eine Chance oder eher ein "Zurück an den Start" bedeutet, sagt die Karriereberaterin.

Transparent trennen

Hermann Pavelka-Denk hat mit seiner Personalberatung bereits Bumerang-Recruitings begleitet. Wenn es nicht funktioniert, sei der Grund meistens die Intransparenz bei der Kündigung, sagt er. "Es ist immer schwierig, wenn der Mitarbeiter nicht nachvollziehen kann, warum er gekündigt wird", sagt Pavelka-Denk. Es sei deshalb von Unternehmensseite wichtig, zu erklären, warum genau eine Kündigung stattfinden muss. "Immer das 'Wie' ist die Frage", sagt er. Dabei kann auch klar gesagt werden, dass der Kontakt aufrechtbleiben kann und vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder Möglichkeiten auftauchen.

Wenn im größeren Stil gekündigt werden muss, sollte ein größeres Unternehmen darauf achten, wer zwar gut in die Firma passt, aber trotzdem gehen muss, sagt der Personalexperte. Dementsprechend sollten Unternehmen auch die Kündigungen ausführen. "Wer intern viel Potenzial gezeigt hat, sollte keinesfalls mit einer E-Mail oder einem Zoom-Talk gekündigt werden", sagt Pavelka-Denk. Je weniger authentisch eine Firma agiere, desto weniger würden Angestellte darauf vertrauen, dass sie in erneuten Krisensituationen bleiben können.

Generell sei der Hebel mit Bumerang-Recruiting in Österreich noch nicht ganz angekommen, sagt er. "Es gibt noch zu viele Arbeitgeber, die sagen: 'Bist du weg, dann bist du weg.'" Häufig gebe es aber auch die Situation, dass eine neue Führungskraft eine Abteilung antritt und ehemalige Mitarbeitende anspricht. Hier könnte es sich für bereits gekündigte Personen empfehlen, es doch noch einmal zu probieren. (Melanie Raidl, 9.10.2023)