Roboter liest Zeitung
Dieses Bild wurde mit der KI Midjourney erstellt. Der Prompt lautete: "illustration of a friendly looking robot, presenting newspapers, looking at the camera. --ar 3:2".
Midjourney/Der Standard

Liebe Mitmenschen,

es ging nicht nur um die neue VR-Brille, Meta Quest 3 und die (mehr oder weniger) feschen und smarten Ray-Ban-Sonnenbrillen, als Mark Zuckerberg vergangene Woche zur eigenen Entwicklerkonferenz, der Meta Connect, lud. Natürlich ging es auch um KI, die unter anderem Plattformen wie Facebook, Instagram und Whatsapp transformieren soll. So wird es bald möglich sei, die Inhalte von Instagram-Fotos vor dem Posten via KI zu verändern, sich also etwa schnell mal einen schickeren Pulli zu verpassen. Dank einer generativen Bilder-KI wird man nicht mehr nach GIFs in einer Datenbank suchen, sondern das eigene Sujet als Sticker erstellen lassen – und zwar in nur fünf Sekunden, wie Zuckerberg verspricht.

Mit Meta AI schickt der Konzern außerdem einen Konkurrenten zu ChatGPT und Bard ins Rennen, der auf Llama 3 basiert und in die Apps des Konzerns integriert wird. So wird es möglich sein, einen Streit in Whatsapp von einer KI schlichten zu lassen. Auch in die besagten Sonnenbrillen wird Meta AI integrieren, die eingebauten Kameras sollen diese Technologie außerdem mit Bilderkennung kombinieren, sodass der Bot auf gesprochene Fragen wie "Was ist das für ein Gebäude?" antwortet. Und während Meta AI als Alleskönner angepriesen wird, arbeitet man zudem an Bots für spezifische Zwecke, die am Charakter bekannter Persönlichkeiten trainiert wurden: Tom Brady, Paris Hilton, der Youtuber Mr. Beast – und mein persönlicher Favorit: eine KI auf Basis des Rappers Snoop Dogg, mit der man im Chat Rollenspielrunden im Stil von "Dungeons & Dragons" spielen kann. Ich wusste nicht, dass ich das haben will, bevor ich wusste, dass ich es haben kann.

Doch damit nicht genug: Im kommenden Jahr will Meta außerdem einen Baukasten veröffentlichen, mit dem jedermann einen eigenen Chatbot entwickeln kann. "Wir sind die Einzigen, die diese Technologie in die Masse bringen können", sagt Zuckerberg. Und auch wenn das arrogant klingt, so stimmt es zu einem gewissen Grad: Das Meta-Imperium verfügt mit seinen unterschiedlichen Apps über eine extrem breite Nutzerbasis, die von Teenagern bis zu Babyboomern reicht. Gleichzeitig betont Zuckerberg, dass man sich mit der Einführung Zeit lasse, um verantwortungsvoll damit umzugehen, denn immerhin habe man mit den bisherigen Anwendungen bereits entsprechende Erfahrung gesammelt. Was als Versprechen gemeint war, dürfte vielen Menschen wie ein düsteres Omen erscheinen – denn immerhin können vor allem Facebook und Instagram auf eine lange Geschichte aus Desinformation, Polarisierung und Suchtverhalten vor allem junger Menschen zurückblicken. Skandale scheinen also auch bei den Chatbots vorprogrammiert zu sein.

Neuigkeiten bei fast allen Playern der Branche

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Und so hat Microsoft diese Woche bereits mit dem Rollout jenes Windows-Updates begonnen, welches den "KI-Copiloten" enthält. Unangenehm: Gleichzeitig verrät eine Stellenausschreibung des Konzerns, dass man den Energiehunger der KIs wohl mit Atomkraft sättigen will. OpenAI kontert selbst mit Neuigkeiten: ChatGPT darf wieder das Internet durchsuchen und somit auch aktuelle Informationen ausspucken, außerdem bekommt OpenAIs berühmtes LLM nun auch eine Stimme. Durch einen geplanten Verkauf von Anteilen strebt OpenAI aktuell eine Bewertung von 90 Milliarden Dollar an.

Wie in einem Nebensatz erwähnte OpenAI zuletzt auch, dass Künstler ein Opt-out aus der Bilder-KI des Unternehmens beantragen können, damit Dall-E nicht mehr mit ihren Werken trainiert wird. Ähnliches hört man von Google: Websitebetreiber können nun selbst entscheiden, ob ihre Inhalte für Bard und andere KIs des Konzerns verwendet werden. Moment mal ... war da nicht mal was? Ach ja: Auch bei Getty, einst großer Kläger über das Crawlen der Newcomer, dürfte man nun Potenzial in der Technologie sehen. Der Stockfoto-Anbieter macht eine Kehrtwende und bietet nun selbst einen KI-Bildgenerator an.

Und schließlich wurde noch bekannt, dass Spotify KI-Klones der Stimmen von Podcast-Hosts erstellt, um diese auch andere Sprachen sprechen zu lassen. Meine Kollegen Tobias Holub und Peter Zellinger haben derartige Klons ihrer eigenen Stimmen diese Woche auch für eine Folge von "Thema des Tages" erstellt. Hören Sie rein, es ist unterhaltsam und lehrreich zugleich.

Wird dies alles Auswirkungen auf unsere Jobs haben? Selbstverständlich, wie die Kolleginnen aus dem Karriereressort vergangene Woche in einem Schwerpunkt beleuchtet haben: Schon jetzt kann die KI Jobs in Verwaltung und Buchhaltung ersetzen, insgesamt sind bis zu fünf Prozent der Jobs gefährdet. Denn die KI kann viele Dinge besser als wir – wiewohl sie uns niemals komplett ersetzen wird.

Bleiben Sie menschlich, und bleiben Sie uns gewogen.

Herzlichst,

Stefan Mey, Ressortleiter Web