Szene nach Busabsturz in Italien, Rettungskräfte und Feuerwehr
Der Unfall ereignete sich am Dienstag kurz vor 20 Uhr auf der Überführung der Auffahrt.
AFP/MARCO SABADIN

Venedig – Bei einem Busunglück im norditalienischen Mestre bei Venedig sind am Dienstagabend 21 Menschen ums Leben gekommen, weitere 18 wurden verletzt. Fünf Personen schwebten in Lebensgefahr. Unter den Verletzten sind auch zwei Minderjährige, ein 13-jähriger Bub und seine dreijährige Schwester, die zunächst für Österreicher gehalten worden waren. Nach neuesten Erkenntnissen handelt es sich bei den Kindern jedoch um deutsche Staatsbürger. Sie liegen mit Blessuren im Kinderkrankenhaus der Stadt Treviso, teilten die Gesundheitsbehörden der Region Venetien gegenüber der APA mit.

Video: Aufnahmen vom Unfallort in Venedig, wo bei einem Busunglück mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen sind.
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Auch die Mutter der beiden Kinder saß im Bus. Über ihren Zustand sowie ihre Nationalität gab es bisher noch keine genauen Informationen. Wegen den verschiedenen Staatsangehörigkeiten der Todesopfer und der Verletzten gestaltete sich die Identifizierung schwierig. Zu den Opfern zählen mindestens fünf ukrainische Staatsbürger, ein Deutscher, ein Franzose und ein Kroate, berichteten die Rettungseinheiten. Ums Leben kamen mindestens zwei Kinder und der italienische Busfahrer, ein 40-Jähriger aus der norditalienischen Provinz Treviso. Die Toten befanden sich in einer Leichenhalle in Mestre. Die Verletzten lagen in verschiedenen Krankenhäusern der Region, darunter Padua und Treviso. 100 Feuerwehrleute, mehrere Rettungswagen und Hubschrauber waren im Einsatz.

Ein elektrischer Shuttlebus mit mehreren Personen an Bord war von einer Hochstraße abgekommen und etwa 15 Meter in die Tiefe gestürzt. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. Damit soll geklärt werden, warum der Bus am Dienstagabend bei der Fahrt aus der Lagunenstadt zurück aufs Festland von der Straße abkam. Nach ersten Angaben wurden auf der Straße keine Bremsspuren entdeckt, was als Hinweis auf einen Schwächeanfall des Fahrers gedeutet wurde. Auch der Zustand der etwa 70 Jahre alten Brücke soll überprüft werden. Aufklärung erhoffen sich die Ermittlerinnen und Ermittler von Überwachungskameras.

Bus ging in Flammen auf

Es handelte es sich um einen privaten Bus, der Touristinnen und Touristen von Venedig zu einem Campingplatz in Marghera brachte. Er war von den Betreibern eines Campingplatzes in Marghera für seine Gäste gemietet worden. Die Bahnlinie zwischen Mestre und Venedig wurde unterbrochen, wie der Bürgermeister der Lagunenstadt, Luigi Brugnaro, berichtete.

Der Unfall ereignete sich kurz vor 20 Uhr auf der Überführung der Auffahrt, die von Mestre nach Marghera und zur Autobahn A4 Venedig-Triest führt. Der Bus durchbrach aus noch ungeklärten Gründen das Geländer, stürzte ab und geriet auf die Stromleitungen und dann auf die Gleise des Bahnhofs von Mestre, wo er in Brand geriet. Er wurde nach mehreren Stunden mit einem Kran der Feuerwehr entfernt. "Die Batterien des Busses fingen unmittelbar nach dem Aufprall Feuer. Wir mussten auf die Abkühlung der Batterien warten, um das Fahrzeug entfernen zu können", berichtete ein Feuerwehrmann. Dutzende Feuerwehrleute waren im Einsatz, um die Flammen zu löschen.

"Eine schreckliche Tragödie"

Zwei junge Arbeiter der Reederei Fincantieri, die das Unglück beobachtet hatten, stürzten zum Bus und versuchten, die Menschen zu retten, die in dem Fahrzeug eingeklemmt waren. Der 27-jährige Boubacar Toure schilderte in einer Videoaufnahme, wie er ein kleines Mädchen, fünf Personen und einen Hund aus dem Fahrzeug befreite.

"Eine schreckliche Tragödie hat heute Abend unsere Gemeinschaft getroffen. Ich habe sofort einen Trauertag zum Gedenken an die vielen Opfer angeordnet, die in dem verunglückten Bus waren. Wir haben eine apokalyptische Szene erlebt, es gibt keine Worte", schrieb Venedigs Bürgermeister Brugnaro auf X, vormals Twitter.

Trauer um Opfer

Der Patriarch von Venedig, Francesco Moraglia, erreichte den Unglücksort in Begleitung des Bürgermeisters. Moraglia sprach ein Gebet und segnete anschließend die Leichen, die mit weißen Tüchern bedeckt waren.

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Vizepremier Antonio Tajani drückten den Opfern und ihren Familien ihr Beileid aus. "Ich danke der Polizei, der Feuerwehr und dem medizinischen Personal für den Einsatz. Ich drücke meine Solidarität mit der Stadt Venedig und der Stadtverwaltung aus", twitterte Tajani. Staatschef Sergio Mattarella telefonierte mit Bürgermeister Brugnaro und kondolierte den Familien der Opfer. Auch EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen trauerte um die Opfer. (APA, red, 4.10.2023)