Die Polizei hat am 6. Oktober 2023 den mutmaßlichen Femizid an einer 54-Jährigen im Wiener Bezirk Leopoldstadt vermeldet. Am selben Tag wurde auch in Wien-Liesing eine Frau getötet.
Die Polizei hat am 6. Oktober 2023 den mutmaßlichen Femizid an einer 54-Jährigen im Wiener Bezirk Leopoldstadt vermeldet. Am selben Tag wurde auch in Wien-Liesing eine Frau getötet.
APA/MAX SLOVENCIK

Anfang Oktober wurden an nur einem Tag zwei Frauen getötet. Eine 34-jährige Frau wurde in Wien-Liesing mit Schnittverletzungen tot in ihrem Zuhause aufgefunden, gegen ihren Mann wird wegen Mordversuchs ermittelt. Kurz darauf wurde ein mutmaßlicher Femizid an einer 54-jährigen Frau im Bezirk Leopoldstadt vermeldet. Ihr 64-jährige Ehemann soll Suizid begangen haben. Es ist die 18. und 19. Tötung von Frauen in diesem Jahr. In 74 Prozent der Femizide sind die Partner die Täter, wie eine Studie zeigte, die Frauenmorde zwischen 2016 und 2020 untersuchte.

Doch es braucht noch mehr Untersuchungen und Zahlen zu Gewalt gegen Frauen, das fordern Gewaltschutzexpert:innen für Österreich schon lange. Zuletzt auch der Rechnungshof. Unter anderem wurde in dem Rechnungshof-Bericht "Gewalt und Opferschutz für Frauen" kritisiert, dass das Justizministerium keine relevanten Zahlen zu spezifischer Gewalt gegen Frauen führe und dass das Innenministerium keine Dunkelfeldforschung zu Gewalt in der Privatsphäre durchführe. Es fehle insgesamt an einer langfristigen Gesamtstrategie zum Schutz von Frauen vor Gewalt.

Vorurteilsmotivierte Straftaten

Auf Nachfrage im Justizministerium, wie es um Maßnahmen zur verbesserten Datenlage über Gewalt an Frauen steht, heißt es, dass eine Erweiterung der Erfassung von vorurteilsmotivierten Straftaten bereits in Auftrag gegeben wurde. Diese Erweiterung werde auch eine Erfassung nach Geschlecht umfassen, also divers, inter, Frau, Mann oder andere.

Das Innenministerium plant für 2024 in Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen die Durchführung einer qualitativen Untersuchung. Außerdem soll eine 24/7-Supporthotline nach dem Vorbild Wiens mit Beginn des nächsten Jahres auch auf die übrigen Bundesländer ausgerollt werden.

Aus dem Frauenministerium heißt es zur Kritik des Rechnungshofes, dass das Frauenressort beim Gewaltschutz eine koordinierende Rolle einnimmt und "weiterhin, wie vom Rechnungshof empfohlen, die fachlichen Institutionen auf Bundes- und Landesebene bei der strategischen Zielsetzung im Gewaltschutz" unterstützt.

Justizministerin Alma Zadić (Grüne) hat sich nach den beiden mutmaßlichen Femiziden am 6. Oktober auf Twitter zu Wort gemeldet und sprach die Ankündigung von Dezember 2022 an, Gewaltschutzambulanzen einzurichten.

In solchen Ambulanzen sollen Verletzungen nach Gewalt dokumentiert und Spuren gesichert werden, damit diese in Gerichtsverfahren als Beweise verwendet werden können. Die Einrichtungen sollen flächendeckend und niederschwellig Opfern von körperlicher und/oder sexueller Gewalt die Möglichkeit bieten, sich rund um die Uhr verfahrensunabhängig und kostenlos untersuchen zu lassen. Auf Nachfrage, wie weit die Pläne für die Einrichtung der Ambulanzen gediehen seien, heißt es aus dem Justizministerium, dass noch im Jahr 2023 in zwei Modellregionen Pilotprojekte eingerichtet werden sollen – auf Basis eines durch eine Steuerungsgruppe erstellten Anforderungskatalogs. In der Endausbaustufe sollen die Gewaltambulanzen Gewaltbetroffenen in vorerst fünf Bundesländern zur Verfügung stehen: in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland, der Steiermark und Kärnten. (beaha, 13.10.2023)