Ein Schwein suhlt sich auf dem Parkettboden, hingepischt hat es schon, jetzt rekelt es sich genüsslich und grunzt zufrieden. Satt ist es offenbar, denn wie sich herausstellt, gab es letzte Nacht ein Festmahl, nämlich Finger und Zehen vom Schweinebauern. Der liegt im Saustall, tot, kein schöner Anblick.

Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser im neuen
Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser im neuen "Tatort: Bauernsterben"
ORF Petro Domenigg

Schön ist es selten für Moritz Eisner und Bibi Fellner im Tatort, dieses Mal stinkt es auch noch – und zwar gewaltig und nicht nur von den Schweinen. In Bauernsterben am Sonntag um 20.15 Uhr in ORF 2 und der ARD geht es nach dem Buch von Lukas Sturm und unter der Regie von Sabine Derflinger um mehr. Korrupte Geschäfte, Betrug mit EU-Landwirtschaftsförderungen, Grausamkeit in den Schlachtbetrieben, Doppelmoral beim Fleischkonsum, die Situation österreichischer Bauern, Protest der Tierschützer und die Gefahr der Radikalisierung in einem schier aussichtslos scheinenden Kampf.

Es staut sich einiges auf in dieser Folge, die alle Stärken eines Tatorts versammeln kann: Der Fall führt als Vehikel in eine andere, weniger erschlossene Welt und verweist auf gesellschaftspolitische Konflikte. Die Geschichte wird konzentriert und schlüssig zu Ende erzählt, ohne dass es ein Ende gibt.

Die Geschlechterrollen sind vertauscht, die Leiche ist einmal nicht weiblich. Kennzeichnend sind außerdem starke Frauentypen, die man bisher in den meisten Krimis als spielentscheidend mehrheitlich in Männerrollen besetzt sah: die burschikose Witwe (Doris Hindinger), die entschlossene Staatsanwältin (Agnieszka Salomon), die idealistische Tierschützerin (Claudia Martini), die skrupellose Firmenmanagerin (Maxi Blaha). Geht sich aus. (Doris Priesching, 15.10.2023)