Dodi Lukebakio und Romelu Lukaku
Dodi Lukebakio und Romelu Lukaku trafen für Belgien.
APA/EVA MANHART

Wien – Natürlich wird sich das österreichische Fußballteam mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für die EM 2024 in Deutschland qualifizieren. Aber nicht als Gruppensieger. Denn am Freitag setzte es im Happel-Stadion nach einem 0:3-Rückstand ein 2:3 gegen Belgien. Am 17. Juni wurde in Brüssel noch ein 1:1 geholt, die Zeiten ändern sich schnell. Die Sieglosigkeit gegen Belgien währt nun bereits 64 Jahre.

Teamchef Ralf Rangnick musste aus dem Leeren schöpfen. Nur fünf Spieler sind vom nahezu glorreichen 3:1 vor einem Monat in Schweden übrig geblieben. Tormann Alexander Schlager, Philipp Lienhart, Xaver Schlager, Nicolas Seiwald und Konrad Laimer. Es fehlten verletzte Größen wie David Alaba, Marko Arnautovic, Stefan Posch oder Michael Gregoritsch. Marcel Sabitzer schaffte es nur auf die Ersatzbank, von einer hundertprozentigen Fitness ist er ein Stück weit entfernt. Anders ausgedrückt: Es wurden knapp 80 Tore vermisst, etwa die 36 Stück von Arnautovic, die 15 von Alaba, das Dutzend von Gregoritsch.

Die sechs Neuen waren Kevin Danso, Max Wöber, Florian Grillitsch, Christoph Baumgartner, Patrick Wimmer und als Spitze debütierte überraschend Manprit Sarkaria von Sturm Graz. Das sind allesamt keine Blinden, sondern gestandene Fußballer. Auch Belgien ging ersatzgeschwächt in die Partie, das Tor hütete Mats Sels von Straßburg, er ist in der Hierarchie nur die Nummer drei. Und Kevin De Bruyne ist ein Dauerpatient. Da unnützes Wissen niemals unterschätzt werden soll, sei erwähnt, dass Österreich noch nie an einem Freitag, den 13., ein Länderspiel bestritten hat.

Der Stimmungstöter

Ob Rangnick mit der Personalwahl seinen Kollegen Domenico Tedesco irritieren konnte, musste sich weisen, die Wahrheit liegt auch in der Gruppe F der EM-Qualifikation auf dem Platz. Seiwald und nicht Kapitän Laimer agierte als rechter Verteidiger, Grillitsch im defensiven Mittelfeld, im Aufbau ab und zu als dritter Innenverteidiger. Der Start war verheißungsvoll, schon in der ersten Minute gab es einen Corner. Es wurde passabel gepresst, der Weltranglistenfünfte Belgien kam nicht auf Touren. Bis zur 12. Minute: Dodi Lukebakio vom FC Sevilla spielt den armen Lienhart schwindelig, trifft satt und wuchtig zum 0:1, sein erstes Länderspieltor, ein absoluter Stimmungstöter im mit 47.000 Fans ausverkauften Happel-Stadion.

Österreichs Team schüttelte den Schock rasch ab, machte Tempo, kreierte Umschaltsituationen. 20. Minute: Sarkaria prüft Sels, unmittelbar danach wird Wimmer gefährlich. Die Belgier hinterließen aber doch den abgeklärteren Eindruck, Flügelflitzer Jeremy Doku, der Manchester City 60 Millionen Euro wert war, ließ sein Genie mehrmals aufblitzen. Romelu Lukaku hingegen blieb eher blass. 42. Minute: Baumgartner und Wimmer kommen dem Ausgleich relativ nahe. Die Leistung in der ersten Halbzeit verdiente das Prädikat "zufriedenstellend."

Und auch nach der Pause war das Engagement zunächst erkennbar. Grillitsch und Wöber schossen knapp daneben (50.), aber letztendlich war der Wille doch größer als das Werk. 54. Minute: Lukaku prüft die Haltbarkeit der Latte. 55. Minute: Kurz abgespielter Freistoß für Belgien, Lukebakio zieht ab, Wimmer und Lienhart fälschen ab, 0:2.

Land der Moral

58. Minute: Kapitän Lukaku glänzt, stellt auf 0:3. Es war erst sein 78. Treffer für sein Land. Und so stand die Niederlage praktisch fest. Ab der 66. Minute durften Sasa Kalajdzic, Muhammmed Cham und zum ersten Mal Salzburgs Samson Baidoo leiden. Aber es gab dann doch ein beachtliches Aufbäumen. 73. Minute: Laimers brillanter Weitschuss (via Innenstange) bedeutet das 1:3. Kurz vor Schluss kam noch Sabitzer. Und es wurde spektakulär. 84. Minute: Nach einem Handspiel von Arthur Theate entscheidet der VAR auf Strafstoß, Sabitzer verwandelt staubtrocken zum 2:3. Belgien wankte, fiel aber nicht. Österreich ist zumindest im Fußball ein Land der Moral.

"Belgien ist eben oberste Klasse, aber wir haben Moral gezeigt, gehen trotzdem erhobenen Hauptes heraus", sagte Kapitän Laimer. "Das ist sehr bitter, weil es dann noch knapp war", sagte der eifrige Seiwald.

Am Montag geht es in Baku gegen Aserbaidschan weiter. Die Aseri gewannen am Freitag in Estland programmgemäß mit 2:0. Es ist der nächste Matchball für Österreich, der sollte verwertet werden. Laimer: "Jetzt müssen wir es am Montag klar machen." (Christian Hackl, 13.10.2023)

Fußball-EM-Qualifikation - Gruppe F, 7. Runde:

Österreich - Belgien 2:3 (0:1). Wien, Ernst Happel Stadion, 47.000 (ausverkauft), SR Gil Manzano (ESP)

Tore: 0:1 (12.) Lukebakio, 0:2 (55.) Lukebakio, 0:3 (58.) Lukaku, 1:3 (72.) Laimer, 2:3 (84.) Sabitzer (Hand-Elfmeter)

Österreich: A. Schlager - Seiwald, Danso (66. Baidoo), Lienhart, Wöber (71. Prass) - Laimer, Grillitsch, X. Schlager, Wimmer (79. Sabitzer) - Baumgartner (66. Cham) - Sarkaria (66. Kalajdzic)

Belgien: Sels - Castagne, Faes, Vertonghen, Theate - Lukebakio (71. Bakayoko/88. Vermeeren), Mangala (64. Tielemans), Onana, Doku (88. Keita) - Openda (46. Carrasco), Lukaku

Gelb-Rot: Onana (78./wiederholtes Foulspiel)

Gelbe Karten: Grillitsch, Seiwald, Wimmer, Laimer bzw. Mangala, Castagne, Lukaku

Weiter: Estland – Aserbaidschan 0:2 (0:2)